Christel Heybrock im Gespräch, der Start zu Jahresende 2021

Der Mannheimer Kuenstler Franz Bellmann wird am 07.07.2021 75 Jahre. © Manfred Rinderspacher

Der genaue Beginn der Gesprächsrunde war am 30.12.2021 um 17:45 Uhr, es ging um Hoffnung. Und um Neujahrswünsche.

Irgendwie sollte es losgehen …

Die Antwort von Christel kam um 18:01 Uhr:

Danke für Neujahrswünsche! Die Vögel sollten lieber noch warten, sonst brüten sie zu früh, ist ja ohnehin zu warm mal wieder. Wir alle sollten uns ein zyklisches Denken angewöhnen anstatt immer nach vorn nach vorn nach vorn – wozu eigentlich?

Guten Rutsch und gefahrloses Neues Jahr! hey

Meine Antwort um 18:14 Uhr war ein Vorschlag bzw. eine Bitte:

Alle (fast alle) wünschen sich das alte Leben zurück. Warum eigentlich? Mit der Dauerschleife Tourismus, dem Totengräber der Welt? Ich persönlich wünsche mir das NEUE Leben zurück. Das Virus ist intelligenter und wird uns für ewig und immer bannen und ächten. Erneut Guten Rutsch, hoffe auf ein Interview zu meinem 80. Frage: wie alt bist DU denn? Könnte ja mal auf meiner WEB-Seite ein In … mit HEY machen? Einverstanden??????????????????

HEY’s Antwort ließ gute fünf Stunden auf sich warten (23:51 Uhr):

Also, das mit dem Interview zum 80. – das muss die Zeitung organisieren. Ich brauch da gar nix vorzuschlagen, da krieg ich eh keine Antwort.

Naja, aber ich selber werd auch 80 nächstes Jahr. Und das alte Leben wünsch ich mir auch nicht zurück, ich find es nicht schlecht so mit Büchern, DVDs, Kakteen und so. Außerdem lern ich grad Lakota, werd ich aber nie schaffen, es ist irre.

Interview auf der Bellmann-Website mit hey – wie würde das denn laufen? Fragen per Email oder müsste ich ins Mikro quasseln oder wie oder was? Wär ja echt ein Gag.

Guten Rutsch erst mal,

Gruß hey

Am 31.12.2021 früh um 4:15 Uhr meldete ich mich:

Hey, 
süper super – per E-Mail haben wir uns bislang bestens auseinandergesetzt, das könnte weiter so laufen, auch was das In … angeht. Danke für die Zusage.
Meine erste Frage wäre, bevor ich weiter nachdenke, wie wäre es mit einer Schilderung Deines Lebens. Vom ersten Licht bis heute bzw. 2022 zum 80. Platz auf meiner Seite ist reichlich vorhanden.
Bin neugierig, was da noch alles so kommen und uns einfallen wird.
Süper Gruß
Fra

Hey antwortet um 17:37 Uhr:

Also, die erste Frage:

Zu meinem Leben fällt mir überhaupt nix ein. Hab nie darüber nachgedacht, war mir immer zu langweilig. Ich bin ja nicht interessant, in welcher Hinsicht auch immer.

Nächste Frage?

Gruß hey

Nächste Frage um 18:04 Uhr und kurz danach eine kleine Anfrage wegen Artikelfoto um 18:23 Uhr:

Wie bist Du durchs Berufsleben gekommen?

Hallo Chris, 
vorab wollte ich Dich fragen, ob ich ein Porträtbild von Dir machen darf, quasi als Artikelfoto.
Habe leider nur eins, das Manfred gemacht hat, das schicke ich jetzt mit:

Der Mannheimer Kuenstler Franz Bellmann wird am 07.07.2021 75 Jahre. © Manfred Rinderspacher

Antwort von hey zu Frage und Anfrage um 21:14 Uhr:

Das Foto ist doch okay! Könnten Sie womöglich auch meinen Nachnamen erwähnen? Ich komme mir so kindisch vor nur mit dem Vornamen, den ich sowieso nicht mag.

Ja, wie bin ich durchs Berufsleben gekommen? Na ja, so wie jeder: Man geht morgens hin und kommt abends zurück, bei mir ging es allerdings auch an manchen Wochenenden weiter, und geschrieben hab ich am liebsten nachts. Ist immer noch so. Aber wie Sie sehen, ist auch daran nichts irgendwie Besonderes. Haben Sie echt keine interessanteren Fragen?

Meine Antwort zum Nachnamen und meine nächste Frage jeweils um 21:27 Uhr:

Okay, ich ergänze Deinen Nachnamen.

Lakota-Sprache lernen – auswandern in die Vereinigten Staaten von Amerika? Neustart als Squaw? Indianische Faszination? Abkehr von der Zivilisation? Zurück ins 19.Jahrhundert? Was wäre daran so irre?

Heybrock schreibt um 21:49 Uhr:

Jaha, jetzt kommen wir der Sache doch langsam näher. Also auswandern – nö. Und ne Squaw wird schon gar nicht aus mir, das Wort entstammt der Algonquin-Sprache und hat bei den Lakota die Bedeutung einer Schlampe, das wollen wir doch nicht. Übrigens ist es ähnlich mit Wörtern wie Wigwam oder Manitou – nix Sioux, bei denen sind das ein Tipi (dieses Rundzelt) und Wakan Tanka – unübersetzbar bezeichnet der Begriff eine unsichtbare und letztlich nicht erklärbare kreative Energie – die personalisierte Gottesvorstellung (etwa der bärtige Typ da über den Wolken, der umringt von Fanfare blasenden Engelchen auf dem Thron sitzt) kennen die Lakota nicht. Mit Wakan Tanka dürften sie der physikalischen Realität sehr nahe kommen.

Abkehr von der Zivilisation? Nein, ich lerne bei den Lakota gerade eine wirkliche Zivilisation erst kennen. Bin aber noch nicht lange dabei, erst wenige Monate. Und zurück ins 19. Jahrhundert? Wie soll man das denn machen ? Und warum – es war – jedenfalls für die indigenen Völker weltweit – ein Jahrhundert der Kolonisierung und des Grauens. Dahin will niemand zurück. Stattdessen müssen erst mal wir Kolonisatoren anfangen zu lernen, während die Indigenen langsam den Kopf heben. Das ist phantastisch und unglaublich spannend. Ich sitz jeden Tag vorm PC, lese meine Mails aus Lakota Nation und drücke die Daumen, dass es weiter geht. Und habe Angst vor den nächsten Wahlen in USA – Donald Trump ist ja nicht vorbei, der Albtraum hält an.

Wir starten ausgeruht ins Neue Jahr, kein Silvesterlärm, kein Gestank, kein Dreck für die Müllabfuhr, keine Verletzungen, keine Klinikeinweisungen usw. … Wir überwinden Mitternacht.

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Frage an Frau Dr. Christel Heybrock am 31.12.2021 um 21:30 Uhr:

Würd gerne sukzessive unseren E-Mail-Verkehr veröffentlichen.
Sobald genug Material vorhanden.

Antwort hey um 21:50 Uhr:

Ist okay, alles bestens. Ähm – ich fürchte mit den richtigen Fragen hör ich nicht mehr auf zu quasseln.

—–Original-Nachricht—–

Antwort und neue Frage von Franz am 31.12.2021 um 22:02 Uhr:

Sorry, hier wird nicht gequasselt – wir sprechen eine deutliche Sprache. Auch wenn es weh tut.

Zur Politik in USA: 
So weit ich persönlich weg davon bin, 
ein rechtsextremes Revival scheint mir undenkbar. 

Siehe die Vorgänge in Chile bei den letzten Wahlen. 

Wie schätzt Du das genauer ein?

Ausführliche Replik von hey am 01.01.2022 um 16:27 Uhr:

Also, das erstaunt mich, dass Sie ein Trump-Revival für undenkbar halten, auch die Situation in Südamerika ist völlig instabil, das geht seit Jahrhunderten so. Seit die spanischen und anderen Eroberer die vorigen Kulturen zerstört haben, ist nie mehr eine Stabilität zurück gekommen. Unter anderem die USA haben ja auch immer wieder dafür gesorgt – siehe Chile und den Sturz der Allende-Regierung.
Und dass in USA Donald Trump eine richtige Bewegung auf die Beine gestellt hat, hinter der die Republikaner aus purem Machterhalt voll und ganz stehen – damit muss man rechnen. Die Mentalität der gesetzlosen Eroberer, die nur auf die eigenen Interessen setzen und sich auch von einem Staat nicht „gängeln“ lassen wollen, die ist ja nicht vorbei, und wenn Trump sein „America first“ in die Welt trompetet, dann meint er diese Mentalität. Ich fürchte, da stehen noch viele weitere Auseinandersetzungen bevor – mit höchst ungewissem Ausgang, aber der wird uns alle betreffen.

—–Original-Nachricht—–

In der Zwischenzeit ergaben sich organisatorische Fragen (z.B. Urheber- und Verwertungsrechte) per E-Mail. Auf die Wiedergabe dieser hier im Interview wird verzichtet, wir fahren mit dem Frage-Antwort-Spiel fort.

Zuvor noch ein Nachtrag bzw. eine Ergänzung zur am 31.12.2021 um 21:27 Uhr gestellten Frage und HEY’s Antwort um 21:49 Uhr zum Thema Lakota-Sprache und Tipi; die Nachricht kam am 01.01.2022 um 23:15 Uhr:

Hier ist ein Tipi, Gemälde des Schweizer Malers und Fotografen Karl Bodmer (1809-1893), von Wikimedia runtergeladen. Weil die Frist für Reprorechte vorüber ist, ist die Wiedergabe gemeinfrei. Das Bild stammt von 1833, als die Welt der Plains-Indianer noch in Ordnung war. Heute werden Tipis nur noch bei Powwow-Veranstaltungen errichtet, die Menschen in den Reservaten leben in meist erbärmlichen „eckigen“ Häusern.
Ich überlege immer mal, ob es nicht sinnvoll wäre, heutzutage Tipis in runden Holzkonstruktionen für Wohnzwecke zu bauen – sie würden auf jeden Fall den Stürmen besser standhalten als so eine schnurgerade Hausfront, die dem Wind jede Menge Angriffsfläche bietet.

Gemälde (1833) des Schweizer Malers und Fotografen Karl Bodmer (1809-1893)

Am 02.01.2022 um 06:26 Uhr ging folgendes an HEY:

Hi hey, 
wir schreiben bereits den 02. Januar 2022, da kann ich nur feststellen: Wie die Zeit vergeht!
Bitte zurück zum Interview.
Du schreibst am 31.12.2021: 
„… Ich sitz jeden Tag vorm PC, lese meine Mails aus Lakota Nation und drücke die Daumen, dass es weiter geht. Und habe Angst vor den nächsten Wahlen in USA …“
Führst Du Deine Korrespondenz auf Lakota? Egal wie, ob auf Deutsch, Englisch, würdest Du uns Mails aus Lakota Nation zur Veröffentlichung zur Verfügung stellen? Vielleicht auszugsweise? Was genau soll weitergehen? Handelt es sich um Restitutionen? Rückgabe von Land? Etc. …
Spielen Repressionen eine Rolle?
Grüsse Dich
Franz
P.s.: Habe inzwischen weiter veröffentlicht.

HEY antwortet am selben Tag um 13:45 Uhr:

Okay, dies hier erst mal als Anfang. Ich bin nach langer Suche nach seriösen Connections auf das Netzwerk von Evelin Cervencova gestoßen:

Evelin Červenková  
Begründerin der  Lakota Oyate Information in (Ost)Deutschland
http://www.lakotaoyateinfo.keepfree.de/indianersprachen-online.de-chronologiecervenkova.htm

Darin sind zahlreiche Institutionen enthalten, darunter das Lakota People’s Law Project und das Nachrichtenmagazin Native News Online. Es gibt eine Verbindung zu einem Sprachinstitut (Lakol), man kann Patenschaften für Menschen in den Reservaten Pine Ridge und Rose Bud abschließen – die Informationen sind alle kostenlos, aber Spenden eigentlich ständig erwünscht, denn die Reservate sind in so elendem Zustand, dass man glaubt, so was könne es in USA gar nicht geben. Der Status entspricht dem einer Dritten Welt, und das ist natürlich traditionell politisch gewollt. Unter Obama wurde es etwas besser, teilweise wurden weitere industrielle „Erschließungen“ in den Reservaten verhindert, teilweise etwas Land zurück gegeben. Trump hat das rückgängig gemacht und wird es wieder tun, wenn er erneut gewählt wird. Biden versucht, zugunsten der Indianer die Trump-Maßnahmen rückgängig zu machen… so geht das immer weiter und eine stabile Situation ist in weiter Ferne. Es gibt Schulen in den Reservaten, darunter eine Waldorf Schule (die sich die Lakota gewünscht haben) und ein Jesuiten-Institut, das St. Josephs Hilfsprojekt, na ja, ich weiß nicht, angeblich bekommen die Schüler dort Unterweisungen in ihren eigenen kulturellen Traditionen, aber ich bezweifle, dass die Sioux traditionell Jesuiten waren…

Das Netzwerk von Evelin funktioniert in Deutsch und Englisch, wobei die Infos in Englisch natürlich zahlreicher sind. Ach, und wenn es ein Powwow gibt, posten die Lakota alles auf Youtube, da sind die munter dabei.

Das Problem mit der Sprache ist für uns völlig ungewohnt, denn noch vor wenigen Jahrzehnten wurde den Lakota ihre eigene Sprache verboten, die Kinder in den Schulen wurden geschlagen, wenn sie Lakol sprachen, die wurden auf Englisch dressiert, mit traumatischen Folgen. Nun müssen die Lakota ihre eigene Sprache erst wieder lernen – eine Chance für Weiße, die da auch eintauchen möchten. Aber, herrjeh, einfach ist es nicht, es ist eine andere Art zu denken.

Ich glaub, für heute haben Sie genug, oder? Und dann fangen Sie auch noch mitten in der Nacht an zu arbeiten, Gott im Himmel, 6 Uhr dingsbums, da bin ich gerade in der Falle.

02.01.2022, 16:11 Uhr: Patenschaften für Menschen in den Reservaten Pine Ridge und Rose Bud, ich mag Dir nicht zu nahe treten: Bist Du Patin?
Powwow – Stammestreffen wie vor 200 Jahren?

Antwort hey um 20:27 Uhr:

Ich werd das in nächster Zukunft entscheiden und denke, dass ich vor allem einen älteren Menschen unterstützen werde. Ich möchte aber noch mehr Rundum-Informationen einsammeln, damit ich die Situation insgesamt besser beurteilen kann, zum Beispiel die Frage nach der medizinischen Versorgung, Alkoholproblemen und der Suizidrate.

Die Powwows sind heute natürlich etwas anders und weniger rituell, aber es scheint, dass es den Teilnehmern nicht nur um Spaß und Tänze, sondern auch um Informationsaustausch und gestärktes Bewusstsein für Traditionen geht. Vor allem junge Natives werden mit eigenen Bands und Diskussionsbeiträgen herangezogen. Soll ich Ihnen eine Info schicken, wenn das nächste Powwow ansteht? Könnte sein, dass zu  Frühlingsanfang um den 20.März wieder was losgeht.