HANHOFEN am Woogbach / Pfalz

Hanhofen wird ein Kurzbericht, das ist verständlich bei lediglich ca. 2500 Einwohnern. Uns geht es einzig und allein um die heruntergekommene und nicht mehr funktionierende Schlossmühle. Dort wurde der Betrieb eingestellt. Auf Anfrage durften wir aufs Gelände. Für uns sind die Aufnahmen ein Beleg dafür, dass sich Renovierungen gleich welcher Art lohnen könnten.

Der Woogbach / die Schlossmühle

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Sicht auf ehemalige Fabrikgebäude

Dem Verfall überlassen ...
Dem Verfall überlassen …

 

Ein View in das Innere der nicht mehr funktionierenden Produktionsanlagen

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Das illustre Umfeld

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In den Aussenbezirken der Schlossmühle

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Die Gebäude der Mühle vom Woogbach aus gesehen 

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Ein versöhnlicher Abschied …

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Bis demnächst in der Pfalz …

ALZEY

Die Vorgehensweise ist klar: Projekte brauchen Konzepte. Bis zur Abnutzung, bis zum Überdruss. Wenn es soweit ist, beerdigt man die Projekte besser, sonst wird man zum Gefangenen seiner selbst. Neue Projekte finden mit neuen Konzepten, mit XX Mini wird es noch ne Weile so weitergehen: das Umland scheint schier unendlich, da sind wir nach wie vor hellauf begeistert.

Alzey - Stadt der Nibelungen
Alzey – Stadt der Nibelungen

Und wenn wir mal die Zahl 50 Mini Berichterstattungen erreichen, dann ist das Umland noch längst nicht ausgeblutet. Also zwei Jahre kann das gut und gern noch so weitergehen mit diesem Projekt und dem entsprechenden Konzept: MA – Bahn – Radtour – fotografieren – radeln – fotografieren – u.s.w. – Bahn – MA. Ein Beispiel! Und mit XX Maxi ebenso, allerdings mit leichten Variationen, denn manchmal berichten andere. Und die Entfernungen sind weltläufiger. Weniger Rad, mehr Jet. Mehr Rad und Bahn, so lief es in der Hauptsache heute jedenfalls: MA – Worms – ALZEY. Mit der Regionalbahn. Danach radeln. Im Ort, nach Schafhausen (Vorort von Alzey), Framersheim, Dittelsheim-Heßloch, Bechtheim (Kleinod im Wonnegau), Osthofen, Herrnsheim (Schloss – das nächste Mal), Worms, DB, MA. C‘ est la vie.

Das Problem: keiner/keine hat Lust, mitzureisen/zu radeln. Da waren Anfragen. Ich muss keinem/keiner hinterherrennen. Die Welt ist riesig und Menschen gibt’s en masse. Meistens prügeln sie sich gegenseitig. Angefangen in Ehen bis hin zu kriegerischen Auseinandersetzungen. Da scheint ein Boxkampf eine Lappalie.

Ging gut ab heute. Frühstück mit Genosse Günther in der Platte. 09:16, Gleis 2 ab MA-Hbf, diesmal Gleis 1, da ICE nach Berlin eine Dreiviertelstunde zu spät kam, also erst hier hin, dann wieder dort hin, die DB jagt die Rentner über die Bahnsteige, eine wahre Pracht. Pünktliche Abfahrt, pünktliche Ankunft in Worms, RB 13518 gegenüber auf Gleis 4. Man hat den Eindruck, die Bahn revolutioniert die Krawatten. Müssen die doch 45 Minuten warten. Und mitansehen, wie ihre Termine flöten gehen. Die letzte Chance: ein Händie. Doch mitunter schliesst sich die Tür, wo man doch noch raus wollte: Nächste Haltestelle: Ludwigshafen(Rhein) Mitte. So ein Pech. Hat zwar nichts mit der ICE-Verspätung zu tun, aber mit Fehlleitungen und idiotischen Absprachen.

ALZEY liegt auf mindestens sieben Minihügeln. Wenn man darin herum radelt, ist es, als wär‘ man betrunken. Kaum genussreich in der Senke angekommen: Hügel hinauf. Na ja, da kam mir doch ein bronzener Gaul vor die Linse mit einer Maid der Nibelungen drauf, das Foto muss Verbreitung finden:

Nibelungen-Maid mit Schwester bei der Tränke
Nibelungen-Maid mit Schwester bei der Gaul-Tränke auf dem Weg zu den Ritterspielen in Worms

Dass das Senke ist, sieht man am Wasser. Es existieren auch jede Menge Türme und Türmchen, eine kleine Auswahl kann nicht schaden:

Für jeden Geschmack ein Angebot. Da machen wir – in Verbindung mit anderen Türmen und Türmchen in Rheinland-Pfalz – bald ein Preisausschreiben. Mit Gewinn. Alzey bietet zudem, was Fassaden angeht, reichlich zu fotografieren. Die Aufnahmen bleiben des Respekts den Besitzern gegenüber ohne Informationen:

Wir brechen auf, d. h. wir verlassen das schöne Alzey und begeben uns in hügelige Landschaft, zunächst nach Schafhausen, einem Vorort. Wegweisend waren die Auslassungen einer Verkehrspolizistin, die mir den Weg haargenau schilderte. Leider besitze ich von ihr keine Aufnahme, das war mir zu riskant, und eine Frage wäre abschlägig beschieden worden. Jedenfalls musste ich die L406 lang. Für Radler eine Wegstrecke mit gewaltigen Schwierigkeiten (Autobahnzubringer). Nach dem letzten zu überwindenden Verkehrskreisel beruhigte sich die L406 und ich kam ungeschoren nach Schafhausen. Noch immer begleitet mich das Motorengedonner im Ohr. Mit jedem Meter fährt der Lärm mit dem Auto mit und endet erst in der Garage oder auf den Trottoiren. Bis es neu gestartet wird!

Mehr war nicht in Schafhausen
Mehr war nicht in Schafhausen

Eine kurze Station. Auf dem Weg nach Framersheim. Wie geplant. Vor Schafhausen hinab zur Selz – einem graugefärbten Bächlein. Über die Äcker, Wiesen und der Natur zurückgegebene Areale↓

und vorbei an einem kleinen Hofgut (Foto mit Traktor) landen wir im kleinen Örtchen: Framersheim. Es bietet die üblichen paar Pfälzer Spitzen↓,

die Sakral- und Wehrbauten sind saniert, im Ortskern Verfall. Da kurven wir gern weiter. Obwohl: Zeit wäre gewesen – Rathaus, Weckmühle, Kriegerdenkmal, mehrere Hofanlagen etc. pp., vielleicht Wasserbehälter …

Wir treten weiter in die Pedale nach Dittelsheim, 3 km von Framersheim. Auf halber Strecke etwa: doch noch ein Wasserbehälter↓, dazu Blicke in die Umgebung↓ und auf den Wegesrand↓.

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Womit wir klaro in Dittelsheim wären↓:

Über Fassaden und deren Gestaltung liesse sich gut und gern ein Bilderbuch schreiben. Nur Mut Ihr Pfälzer!

Wir fahren durch den Wonnegau nach Bechtheim↓:

Gegenüber im Hessischen das AKW Biblis mit seinen Sicherheitsbehältern und Kühltürmen.

In Bechtheim spricht man von Weinbau seit 875 n. Chr., und man hält sich für das Kleinod im Wonnegau. Nun gut, wir akzeptieren und gehen zu Tisch: Schnitzel, Pommes und Salat. Im Gasthof DÜRKES, der genauso im Internet zu finden ist; zum Schluss ein paar Impressionen aus Bechtheim↓:

Unsere Radeltour endet eigentlich hier, ab jetzt wird nur noch gefahren: Über Osthofen, Herrnsheim nach Worms. Für Worms nehmen wir uns später Zeit, zwei, drei Tage oder so.

In Worms – kurz vorm Bahnhof – eine kleine Sensation↓:

Bis irgendwann … tschüüüüss … mit langem »ü« und kurzem »s«.

HAMBURG – von Blankenese über Finkenwerder an die Este

Bei der Ankunft in Blankenese an der Fährstation wurde schnell klar: ein direktes Übersetzen nach Cranz ist nicht möglich, weil Ebbe. Die Fähre schipperte nach Finkenwerder, auch in Ordnung, dann eben mit dem Bus nach Cranz. Der freundliche Fahrer genehmigte die Radmitnahme. Das klappt nicht immer, ein Kinderwagen zum Beispiel geniesst Vorfahrt, da müssen Räder draussen bleiben. Das kann man gut verstehen und nachvollziehen, diese faulen Radler, nicht mal sieben Kilometer kriegen sie getreten. Aber es sollten ja noch mehr werden. Am Ende der Tagestour ergab eine überschlägige Zusammenfassung eine Wegstrecke von ca. 40 km. Für einen alten Haudegen wie mich ein ganz besonderer Tag.

Unter der Voraussetzung der Seetauglichkeit würde ich morgen damit losschippern
Unter der Voraussetzung der See- und Flusstauglichkeit würde ich morgen damit über die Elbe schippern

Eigentlich führe ich gerne mit dem eigenen Kutter oder dergleichen, mit der See – segeln etwa – habe ich jedoch nichts am Hut. Da ist auf erfahrene Seeleute, wie die Fährmänner es sind, Verlass. Und die Anlegemanöver sind vom Feinsten. Das ganze Boot voll mit Bikes meist ausländischer Touris. Es herrscht der Sommer und Gott und die Welt radelt. Gott vielleicht nicht, der ist zu alt, nun wirklich, was soll er auf ’nem Drahtesel, wenn es im Himmel echte gibt. Man stelle sich mal vor, Gott käme mit ’nem Esel daher und möchte auf der Fähre nach Cranz einchecken. Auch wenn der Umweg über Finkenwerder eingeschlagen werden muss. Da führe er doch mit, und der Fährmann betete ein Vaterunser, dass das Ziel ohne Komplikationen erreicht werde. Doch zwei der Mitreisenden entpuppten sich als Kontrolleure. Gott besitzt jedoch eine einwöchige Hamburg-Flexi-Karte, womit er ein willkommener Fahrgast ist. Man bittet lediglich höflich um die sorgfältige Entsorgung der Häuflein. Das macht der Gott doch gerne, er kennt dies von einigen Hundebesitzern und weiss deshalb, wie es funktioniert.

Das ist alles nicht so einfach. Schon sonntags zuvor wollte ich nach Cranz übersetzen, war bereits auf der Fähre, als der Fahrdienst mich aufklärte, dass an Sonn- und Feiertagen Gebühren zu entrichten seien. Da ging ich wieder und radelte an der Elbe entlang zurück nach Hamburg zum Fischmarkt. Wo ich mich verköstigte.

Nun ja: Das ist jetzt der zweite Versuch, nicht grad berauschend, weil Ebbe. Aber immerhin, die Este kam ins Sichtfeld:

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Wo genau das gewesen sein soll, ich weiss es nicht mehr (Estebrügge?); das ist fast einen Monat her, wie soll der Mensch sich da noch exakt erinnern können. Das ist wie mit der Geschichte. Meist will man an nichts mehr denken. Das betrifft vor allem die, die denken können müssten. Weil sie dran teilhatten und Geschichte schrieben, weil sie mitmachten. Aber kein Wort danach.

Die Este, auf die Este schaute ich zufälligerweise auf einem Hamburg-Plan. Ich war begeistert. Mündung direkt gegenüber von Blankenese, eine Fährverbindung, da müssen wir doch einen Blick aufs Örtchen und die Anlegestelle der Fähre werfen:

Blankenese mit Fähranleger
Blankenese mit Fähranleger

Schwierig, wie soll ich eine Este – diesen jämmerlichen Bach – beschreiben, wenn man sie kaum zu Gesicht bekommt. Da bleibt zunächst nur das Umfeld der Fährstation und die Tour nach Finkenwerder: Von Cranz radeln wir dann peu à peu Richtung Buxtehude, wohl wissend, dass wir da nie ankommen werden:

Finkenwerder Industries
Finkenwerder Industries
Kurz vor der Einfahrt in den Finkenwerder Kutterhafen
Kurz vor der Einfahrt in den Finkenwerder Kutterhafen
Anlegesteg Finkenwerder
Anlegesteg Finkenwerder

Ab hier nehmen wir den Bus. Die Haltestelle befindet sich gleich um die Ecke. Am Gelände der Flugzeugbauer vorbei geht es am Hauptdeich entlang nach Cranz:

Aufnahme aus dem fahrenden Bus heraus
Aufnahme aus dem fahrenden Bus heraus

Die ersten Eindrücke der Cranzer Umgebung: Obstplantagen, soweit das Auge reicht!!!

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Und örtlicher Reichtum:

Die Bronzefigur soll »DE OLE SCHIPPER« darstellen, Entwurf und Modell: Carsten Eggers.

Die Este:

Na ja, 2,1 km vor Buxtehude bog ich nach Rübke/Ovelgönne ab. Buxtehude läuft mir nicht davon, in einem Jahr werde ich wieder in HH sein. Immerhin war’s ein tolle Tour bis hierhin. Richtung Ovelgönne befand ich mich bereits auf dem Rückweg. Und kam dort an, wo ein hungriger Radler ankommen muss:

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Currywurst mit Pommes und Salat!!! Und ein Bier, zwei, drei, vier…

Danach Erlebnisse pur:

Blick von Blankenese über die Elbe. Drüben ist Industrie (u. a. Airbus), das Sperrwerk und die Brücke bei Neuenfelde, Nähe Cranz, zu sehen. Man beachte die Fahrräder!
Blick von Blankenese über die Elbe. Drüben ist Industrie (u. a. Airbus), das Sperrwerk und die Brücke bei Neuenfelde, Nähe Cranz, zu sehen. Man beachte die Fahrräder!

 

Auf Wiedersehen!

TONIS war’n in ISRAEL

Ja, Tonis waren in Israel. Auf Kurz- und Info-Trip. Für zwei Wochen. Wir haben einen Fotostream erhalten, woraus wir wie abgesprochen einiges veröffentlichen. Mit Beschriftungen sind wir diesmal zurückhaltend, denn erstens: die Impressionen sprechen für sich. Zudem zweitens: waren wir noch nie in Israel und werden da auch nie hinkommen. Kennen uns also nicht gut genug aus. Für ortskundige Menschen dürfte die geografische Einordnung der Aufnahmen unproblematisch sein, für Israel-Interessierte zumal: ein Zusatz an Bildinformationen.

Sonne über Nahost...
Sonne über Nahost…

 

Eingereicht am 24.12.2013 um 18:00 Uhr von einem Unbekannten zu diesem Bericht (eingesetzt am 25.12.2013, DieRedaktion)

 

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Last Foto:

Der Hüter der Steine
Der Hüter der Steine

 

PORTUGAL / ALGARVE by MATTHIAS PLATH

DieRedaktion erhält ab und zu Berichte und Fotos aus fernen Ländern. Matthias schickte uns im März 2014 UrlaubsBilder aus Portugal. Sie sollen als Informationen gelten zu Städten und Ortschaften und deren Status im gesellschaftlichen Sein. Dazu Landschaften der Region, den herrlichen Küsten zumal. Mat hatte sich für zwei Wochen in Lagos niedergelassen. Von dort bereiste er die Südküste Portugals. Was uns zu tun bleibt, ist ein Konzept für die Veröffentlichung zu schaffen. Nicht nur geografisch gesehen, auch textmässig. Als Hauptorientierung bieten sich die Städte an – PortimãoLagos / Faro usw. – wir beginnen mit Foto-Impressionen aus Lagos, chronologisch vom Urlaubende her gesehen:

»Mein letzter Abend in Lagos (11.03.2014): Hallo lieber Franz, ich kann es nicht glauben, meine Zeit hier im Süden ist fast rum. Habe mir heute einen erholsamen Tag in Lagos gemacht. Morgen um 6:45 Uhr geht es zum Flughafen Faro, ich fliege dann nach Lissabon und anschließend nach Frankfurt. Es war ein sehr schöner, erholsamer Urlaub, bei dem die Bewegung im Vordergrund stand, ich habe in 12 Tagen 267,67 km zu Fuß zurückgelegt, also so 22 km am Tag und habe mich sehr über die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Portugiesen gefreut. Außerdem ist es schön hier, die blühenden Pflanzen, das Meer, die Sonne und günstig ist es auch. Melde mich morgen Abend nach Ankunft in Ludwigshafen. Liebe Grüße, Mat.«

…so habe ich die Bilder aus einer Snack-Bar auf die Reise geschickt, zum Beispiel das von den beiden Musikanten:

2014_03_1119_04_424182_in der Snackbar     2014_03_1113_28_344152_in Lagos

Landschaften und Meer dominieren die Seelen nicht nur der Einheimischen, der Urlauber weiss, warum er in den Süden fährt.

Schmale Wanderpfade, schroffe Küsten:

2014_03_1110_22_374075_lagos man muss aufpassen     2014_03_1110_17_124071_lagos meine wege am morgen

10.03.2014: Je mehr Fotos und Nachrichten aus dem Süden Portugals bei uns eingehen, desto mehr verspüre ich Reiselust. Es gibt so wundervolle Flecken auf unserer Erde!!! Ich muss mich beeilen, ehe man mir mein Grab schaufelt.

Lieber Franz, heute morgen war ich am Praia da Dona Ana. Sehr beliebter Strand an der Goldenen Küste von Lagos. Bizarre Felsformationen, ein Ausflugsziel für Grottenfahrten mit dem Boot.

09.03.2014 / 12:54 Uhr unter Betreff: Kosten an der Algarve↓

Zu Tisch in Portimao...
Zu Tisch in Portimao…

Guten morgen Franz, mache heute einen faulen Tag, es ist stark bewölkt, bin mit dem Zug nach Portimao gefahren. In einigen Snackbars gibt es günstiges Tagesessen, zum Beispiel, wie das auf dem angehängten Bild: Diesen Fisch mit Reis, Salat und 3 Bier (0,33 l.) 8,- Euro. Das Bier aus der Flasche kostet in diesen Snackbars zwischen 1,- bis 1,20 Euro. Man kommt also bequem mit 20 – 30 Euro am Tag aus. Liebe Grüße, Mat. Diese Nachricht wurde von meinem Android Mobiltelefon mit GMX Mail gesendet.

09.03.2014 / 13:03 Uhr: vielleicht solltest du in diesem Jahr bei deinem Geburtstag auf die üblichen Geschenke verzichten und eine Spendendose aufstellen, Motto „Auch der Künstler braucht mal Urlaub“. Viele Grüße Mat. Diese Nachricht wurde von meinem Android Mobiltelefon mit GMX Mail gesendet.

Antwort um 14:52 Uhr: Du wirst es kaum glauben: Komme grad von einem G.-Tag (Klaus). Er hat exakt darum gebeten. Ich habe natürlich keine Geldgeschenke gemacht. Nur: Du erinnerst den G.-Tag von Dieter, er wollte ja ebenfalls eine Geldspende für eine Kur… Da ist nicht viel zusammen gekommen, wie er mir später irgendwann versicherte. Grüsse Dich, Franz.

E-Mail um 15:01 Uhr: Hi Mat, kann auf dem Foto keinen Fisch erkennen. Ist das Fischreis???

Antwort um 15:16 Uhr: So ist es, der sehr lecker geschmeckt hat, zur Auswahl stand noch portugiesisches Steak. Ansonsten gibt es immer noch viele andere Kleinigkeiten, wie zum Beispiel Omelett mit Käse oder Toast usw. Ich gehe da immer gern rein, man sieht ständig neue Menschen, die Portionen sind nicht zu groß, keine drei Kellner, die ständig um das Wohl des Gastes bemüht sind. Ja dann: für ganz toll WLAN inklusive.

Zum Geburtstag muss man sich eben die richtigen Gäste einladen, dann kommt auch ein wenig Geld in die Spendendose.

Ich glaube schon, dass du die richtigen Gäste einlädst. Wäre da an deiner Stelle optimistisch. Liebe Grüße, Mat. Diese Nachricht wurde von meinem Android Mobiltelefon mit GMX Mail gesendet.

Retour um 15:30 Uhr: Da werde ich zu meinem 68. G.-Tag die Angela und die Ursula einladen. Geschenkbedingung an Kanzlerin + Verteidigungsministerin: Übergabe eines Spendenkoffers zu Reise-, Urlaubs- und ReportageZwecken. Da schreiben wir dann Berichte bis zum Gehtnichtmehr.

Neue Nachricht um 17:02 Uhr: Franz, du hast genau die richtige Idee, vielleicht darfst du sogar ihr Flugzeug nutzen. Mag übrigens den Udo Lindenberg. Ein schönes Video gibt’s auf YouTube. Liebe Grüße, Mat.  Diese Nachricht wurde von meinem Android Mobiltelefon mit GMX Mail gesendet.

Antwort 17:40 Uhr: Hey Mat Mann, super Gedanke…Der Udo muss her. Er bringt auch gleich die Angie mit. Im Privatjet: HH→MA²!!! Was für ne Gaudi…

Schluss um 22:05 Uhr: Lieber Franz, mache mir heute einen gemütlichen Fernsehabend, melde mich morgen. Gute Nacht. Liebe Grüße, Mat. Diese Nachricht wurde von meinem Android Mobiltelefon mit GMX Mail gesendet.

Nachricht vom 10.03.2014: Lieber Franz, hier ein paar Bilder von gestern aus Portimao und Lagos. Viele Grüße, Mat.

08.03.2014: Hallo lieber Franz, heute habe ich mit der Bahn einen Ausflug nach Tavira gemacht. Liebe Grüße, Mat.

Tavira: altgeschichtliche Siedlung, bestimmt 2000 Jahre alt, Phönizier /Kathager / Römer / Mauren. Zerstörung durch Erdbeben Mitte des 18. Jahrhunderts. Wiederaufbau. Im vergangenen Jahrhundert verlor der Fischfang nach und nach an Wichtigkeit. Wirtschaftlicher Ersatz ist seit mehreren Jahrzehnten der Tourismus.

Hier eine Auswahl der von Mat übersandten Fotos:

Hi Mat, schön da unten. Kann man sich Fahrräder leihen? Grüsse Dich, bei uns knallt zurzeit die Sonne schon fast wie im Sommer. (E-Mail um 23:07 Uhr)

Natürlich, das wäre was für uns beide. Ich bin auch überrascht, wie günstig hier das Leben ist. War heute wieder für 8,00 Euro Mittag essen, da waren aber 3 Bier dabei. Vielleicht können wir uns die Tour für nächstes Jahr vornehmen. Diese Nachricht wurde von meinem Android Mobiltelefon mit GMX Mail gesendet. (23:14 Uhr)

07.03.2014: Hallo Franz, gestern, am 06.03.2014 habe ich in Lagos einen Morgenspaziergang gemacht. Viel gibt es dazu nicht zu berichten, ich genieße die Ruhe, das Grün und das Meer. Marodes und Verfallendes gibt es reichlich am Wegesrand. Liebe Grüße, Mat:

06.03.2014 Lagos – Nachmittag und Abend – War ein schöner Tag, gute Nacht.

Lagos, wovon Mat immer mal wieder Fotos schickt, weil er Lagos zu seinem Zentrum gemacht hat, liegt so ziemlich im Südwesten von Portugal und besitzt eine Jahrhunderte alte Geschichte – Seefahrt / Sklavenhandel / Fischerei. Heute dominiert der Tourismus.

07.03.2014 Lagos – ein Tag am Strand – ein Tag am Strand eben:

06.03.2014:↓Hallo Franz, am 04.03.2014 war ich mit dem Zug von Lagos nach Olhão unterwegs. Beim Zwischenstopp in Faro sind diese Bilder entstanden. Liebe Grüße, Mat:

↓Bilder von der Ankunft in Olhão; Mat war sehr überrascht, aber auch angetan, dass eine Gruppe von Frauen fotografisches Interesse an Zügen und Bahnanlagen hatte. Arbeitet er doch als Ausbilder für Lokführer. Schade, dass er kein Interview führen konnte. Der Bahnhof soll ja denkmalgeschützt sein. Olhão ist ein kleines Städtchen mit vielleicht 15.000 Einwohnern. Der Bahnhof liegt im Zentrum, mit Verbindungen nach Faro (westlich) und nach Vila Real de Santo Antonio (östlich) am Rio Guadiana, der Grenze zu Spanien.

Fotos vom Markt in der Stadt Olhão:

Impressionen aus Olhão:

2014_03_0411_53_533034 in Olhão     2014_03_0411_59_103041_keine Bettlerin

2014_03_0411_58_463040_kein Geld mehr     2014_03_0413_39_503075_in Olhão in den Gassen

2014_03_0414_06_123095_in Olhão in den Gassen     2014_03_0414_05_513094_in Olhão in den Gassen

2014_03_0414_08_233098_in Olhão in den Gassen     2014_03_0414_14_573106_in Olhão Wäsche am Gleis

2014_03_0414_38_043110_in Olhão in der alten Fabrik     2014_03_0414_39_253114_ in Olhão in der alten Fabrik

2014_03_0414_40_203116_in Olhão in der alten Fabrik     2014_03_0414_41_273118_in Olhão in der alten Fabrik

2014_03_0414_46_253126_in Olhão in der alten Fabrik     2014_03_0416_23_553145_in Olhão in den Gassen

Alle Fotos↑ vom 04.03.2014!!!

↓Weitere Aufnahmen: Eingang 06.03.2014, Fotos vom 05.03.2014!!!

Hallo Franz, am 05.03.2014 habe ich erst mal eine kleine Wanderung in Lagos gemacht. Liebe Grüße, Mat.

Portimao/Ferragudo und Umgebung:

»Anschließend bin ich mit dem Zug nach Ferragudo gefahren, um nach Portimao zu wandern.

Hier die Bilder aus Ferragudo

Portimao I:

Portimao II:

Portimao III:

Dahinter ist das Lager. Selbst für grossflächige Werbeplakate fehlt das Geld.
Dahinter ist das Lager. Selbst für grossflächige Werbeplakate fehlt das Geld.
Das Lager
Das Lager

Wir sind gespannt, was uns morgen über die schnelle Datenautobahn so zufliegen wird. Einstweilen liebe Grüsse und eine glückliche Hand beim Fotografieren. Franz.

05.03.2014: Mat ist schwer in Bewegung. Von Städtchen zu Dörfchen, von Weilern bis zum Ende von Portugal. Dabei entsteht ein Panorama der südlichen Region des Landes: von der Algarve. Heute sank er wohl ermattet in die Falle, nach den Umtrieben der letzten Tage. Wir wünschen erholsamen Schlaf und ein Erwachen in alter Frische, so wie wir ihn kennen.

Mat hat, wie er schreibt, einen Salattag eingelegt. Er war im Hafen von Ferragudo. Und ist dann nach Portimao gewandert.

Hier zwei Aufnahmen vom heutigen Tag:

Im Hafen von Ferragudo
Im Hafen von Ferragudo
Ferragudo
Ferragudo, man beachte den Ort rechts im Hintergrund…

 

Morgen meldet sich Mat ausführlicher, hat er zumindest versprochen…

04.03.2014: War heute in Olhão…Kann heute leider immer nur ein Bild schicken. Olhão, ein wunderschöner Ort mit vielen Gassen. Beim Fotografieren hat mich ein netter Mensch entdeckt und mich gleich in diese wunderschöne Kneipe gewunken. Ich war begeistert. Liebe Grüße Mat —Von WhatsApp gesendet. Diese Nachricht wurde von meinem Android Mobiltelefon mit GMX Mail gesendet.

Beim fotografieren des Schildes (Kneipenwerbung) wurde ich beobachtet und so kam ich in die SportlerKneipe.

See you tomorrow… (Alle Aufnahmen vom 04.03.2014)

2014_03_0210_29_282649_der morgen blick aus Hotel03.03.2014: Erste Nachricht um 20.02 Uhr, Fahrt nach Faro: Guten Abend Franz, gestern bin ich mit dem Zug nach Faro gefahren. Nach dem Frühstück hat mich der Regenbogen überrascht, anschließend bin ich zum Bahnhof gelaufen und bin in den Zug nach Faro gestiegen. Schade, dass nur noch die klimatisierten Züge fahren, leider kann man kein Fenster öffnen, die Fenster sind zum Teil bemalt. Liebe Grüße Mat.

Mat schreibt über zwei Wochen hinweg von seinen Exkursionen in den Süden von Portugal: in die Region Algarve. Dabei besucht er die an der Küste gelegenen Städte, bisher: Lagos, Portimao, Faro… Täglich schildert er seine Eindrücke. Land und Leute. Stadt und Kunst. Die Küche Portugals. Randnotizen und kritische Betrachtungen. Und nebenbei Urlaub und Erholung vom beruflichen Alltagsstress in Deutschen Landen.

Zweite Nachricht per E-Mail um 20.09 Uhr, Betreff – Unterwegs zur Kunstausstellung: Folgende Dateien oder Links können jetzt als Anlage mit Ihrer Nachricht gesendet werden: 2014_03_0213_31_382678_unter der Eisenbahnbrücke.jpg, 2014_03_0213_19_262671_Hund am Weg.jpg, 2014_03_0213_25_142674_Kunstwerk am Hafen.jpg, dazu die Fotos der 2. Nachricht:

Dritte Nachricht um 20:30 Uhr wieder per E-Mail unter Betreff: In diesen Hallen in Faro…findet eine Kunstausstellung statt. Der Künstler ist unbekannt. Habe die Ausstellung durch Zufall entdeckt. Bin froh, dass jemand den Zaun zur Halle entfernt hat. Hier die fotografische Info(4):

Vierte Nachricht um 20:36 Uhr unter Kunstwerke in der Halle (17 Bilder, 13 übermittelt, 9 freigegeben) als inoffizielle Ausstellung:

Fünfte Nachricht (Kunsthalle 1), 20:57 Uhr, vielleicht war die Mail zu groß? Jetzt die nachgereichten Fotos, die nicht importiert werden konnten:

Geile Entdeckung!!! Kannst Du den Künstler / die Künstlerin ausfindig machen? Ein Portrait? Ein Interview? Ein Atelierbesuch? Was weiß ich? Bin gespannt. Einfach rumfragen, wer kennt wen? Kunst in der Halle. Wer kuratiert? Ausstellungsleitung? Bürgermeister? Kunsthallen-Direktorin? Wenn das geht, kriegst Du ’nen Orden: Pour le Mérite!!!

Grüsse Dich, Dein Franz.

Nachtrag: Fotos der ersten E-Mail:

Sechste Mitteilung (21:14 Uhr) unter Marodes aus Faro und Gute Nacht (16 Aufnahmen):

Verdammt: Nicht nur Portugal, die gesamte EU und auch Deutschland (!), alle dem Verfall preisgegeben…

Alle Aufnahmen vom 02.03.2014!!!

02.03.2014: Eingang der ersten Nachricht um 21:53 Uhr: Müll, hallo Franz, du als alter Müllexperte interessierst dich vielleicht für das portugiesische Müllkonzept. Finde diese „Tonnen“ mit unterirdischen Behältern sehr schön, hoffe, dass ich die Abholung demnächst fotografieren kann. Daneben ist gleich ein Hundekotauffangtütenspender, ist das nicht toll? Allerdings ist da daneben gleich Hundekot, vermutlich von einem herumstreunenden Hund, der den Spender nicht bedienen kann. Übrigens sind in fast allen Bildern GPS-Daten enthalten, vielleicht kannst Du dir den Standort anzeigen lassen. Viele Grüße Mat. Dazu die Aufnahmen, Nachträge von Fotos vom 01.03.2014:

Eingang der zweiten Nachricht um 22:00 Uhr: Kunst im Kreisverkehr, diese Idee finde ich nicht schlecht. Fast in jedem Kreisverkehr sind Kunstwerke. Dazu die Fotos:

Eingang der dritten Nachricht um 22:21 Uhr: Marodes findet man in Portimao vieles, darum will ich bei besserem Licht noch mal hin. 13 Aufnahmen:

Alle drei E-Mails stehen unter dem Betreff: Nachtrag zu gestern, 01.03.2014 in Portimao!!! Danke lieber Matthias, bis morgen in alter Frische!!!

01.03.2014: Hallo liebe Vicky und hallo lieber Franz,

Aufstehen in Portugal
Aufstehen in Portugal

heute morgen habe ich überlegt, ob ich überhaupt aufstehe (Bild Aufstehen Hotelfenster↑), aber man darf sich von so einem Schauer nicht entmutigen lassen, denn das Wetter ändert sich schnell.

Kaum im Zug, lachte schon wieder die Sonne, leider konnte ich nicht viel sehen (schlechte Aussicht), denn auch an der Algarve gibt es KÜNSTLER, die Scheiben besprühen.

Schlechte Aussicht durch Graffiti versprühte Fenster
Schlechte Aussicht durch Graffiti versprühte Fenster

Ich hatte unterwegs keine Lust mehr, mit so einem Zug bis nach Faro zu fahren, irgendwie langweilig ohne Aussicht, also bin ich in Portimao ausgestiegen. Bin erst mal in eine typische Snack-Bar, wir würden vielleicht Bistro sagen, gegangen, so sind die Bilder benannt:

RechnungMein Mittagessen Pica-Pau (scheint ein Gulasch gewesen zu sein), 3 Bier, 1 Medronho http://de.wikipedia.org/wiki/Medronho hat dann 7,10 € gekostet siehe Rechnung links:

Auch wenn mein Pica-Pau klein aussieht, ich war satt und super geschmeckt hat es auch.

Die Snack-Bars sind sehr interessant, das Essen ist sehr unterschiedlich zubereitet, aber alles selbst gemacht und die Gäste wechseln minütlich.

Alles Einheimische, manche kommen 20 mal für kurze Zeit, alles schön zu beobachten und dabei original portugiesisches Fernsehen inklusive. Den Rest zu Portimao können wir uns bei mir daheim mal anschauen. Liebe Grüße, Mat.

28.02.2014, Beginn der Reportage: Hallo lieber Franz, ich hoffe, dass es Dir gut geht. Hatte einen sehr schönen Tag, nachdem mich heute morgen die Sonne geweckt hat, habe ich mich entschieden, hier in Lagos zu bleiben und eine längere Tour an der Steilküste zu machen. Wenn die Sonne scheint, muss man es ausnutzen, denn das Wetter schlägt schnell um, Regen gibt es zwar selten, aber es ist dann eben bewölkt. Ansonsten ist es einfach schön, wenn ich um 9:00 Uhr los ziehe, sind die Strände leer, zwei Stunden später auch noch. Die Portugiesen sind sehr nett und hilfsbereit, nie hat man den Eindruck über den Tisch gezogen zu werden, das war in Istanbul anders. Hier ist Frühling, die Kombination aus Steilküste, Strand und Stadt ist ideal, dazu kommt noch: es ist über all sehr sauber. Außer Hundekacke, die herumstreunenden Hunde hinterlassen sie gern auf Fußwegen, da muss man aufpassen.

Für mein Mittagessen (siehe Bild Essen) mit Säbelfisch, Salat und 2 Bier (0,5 Liter) habe ich im Strandrestaurant 14,75 € bezahlt, also fast wie in der Platte. Der Antonio ist echt gut, ein Bild findest du hier↓:

Essen am Strand
Essen am Strand

Heute Abend sitze ich in einem Bistro, da zahle ich inklusive WLAN und original portugiesisches Fernsehen 1,20 € für ein 0,3 Bier. Also einfach schön. Liebe Grüße Mat

Eine Kneipe zum Wohlfühlen:

Lokale wie ich sie mag
Lokale, wie ich sie mag

Graffiti: 

Verlassener Ort
Verlassener Ort

Die Stille: 

Verlassener Ort
Einsamkeit

Die Küste: 

Allein am Strand
Allein am Strand
Allein am Strand
Freiheit

 

Matthias Plath und DieRedaktion berichten zwei Wochen lang täglich als Journal mit Fotos und Text!!! Habe bei der Arbeit selbst noch zwei Biere mit gezwitschert und freue mich auf die nächsten Urlaubstage von Matthias…

Fünf Ansprachen zu Ausstellungseröffnungen

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Wir haben die Ansprachen lediglich namentlich gegliedert, nicht temporär, nicht auf Örtlichkeiten bezogen und nicht auf Prioritäten geachtet. Reger Austausch fand ab und an mit Christel Heybrock (eine Ansprache) statt. Zu Susanne Kaeppele (zwei Ansprachen) ergaben sich mitunter Kontakte bei anderen Ausstellungseröffnungen oder Führungen, z. B. in der Kunsthalle Mannheim. Frieder Brender (eine Ansprache) würden wir gerne wiedersehen, leider fehlen uns die auf die Person bezogenen Zugangsinformationen. Mit Aloisia Föllmer (eine Ansprache) hatten wir texthalber intensiven Arbeitskontakt. Viel Freude beim Lesen der Einführungen, DieRedaktion.

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F R I E D E R    B R E N D E R

Einführende Worte zur Eröffnung der Ausstellung „Dosenglück und Tatrablick“ von Franz Bellmann am 12. März 2001 im Kulturtreff Altes Rathaus Feudenheim e. V.

Als ich vor einiger Zeit gebeten wurde, einführende Worte zur Eröffnung der Ausstellung „Dosenglück und Tatrablick“ und zum Künstler Franz Bellmann hier bei uns in Feudenheim zu sagen, habe ich mich sofort an meine erste Begegnung mit Franz Bellmanns Dosenglück erinnert.

1995, am 12. Juli genau, rief Franz Bellmann im Mannheimer Jungbusch zum ersten Anti-Dreck-Tag auf, zu einer Performance ganz besonderer Art: http://franzbellmann.de/?p=3457

„Idealisiertes System für ein Dosengrab“, 1993, Foto Manfred Rinderspacher

Hinter einem Dosensarkophag, der aus exakt 1001 Dosen bestand, die alle ihre eigene phantastische Geschichte mitbrachten, demonstrierten eine Menge von Kindern, die Schule, Kindertagesstätten, das Gemeinschaftszentrum und wir Lokalpolitiker als Dosenmenschen gegen die gesellschaftliche Entwertung der Dose. Natürlich sammelten wir die Dosen am Strassenrand, auf dem Kinderspielplatz, im Hafen auf und führten sie einer neuen Bestimmung zu.

Auf dem Rathausvorplatz, Foto Manfred Rinderspacher

Wir machten alle die Dosen, die wir fanden, glücklich. Sie hatten ihre materielle Existenz verloren, und erhielten durch ihre Beteiligung an dieser oder einer anderen künstlerischen Aktion eine neue, sinn-hafte Bestimmung.

Vielleicht stehen einige vor ihnen jetzt in den Stelen auf unserem Rathausvorplatz.

Seit über zehn Jahren arbeitet Franz Bellmann an dem Projekt Dosenglück.

Ende der achtziger Jahre, nachdem Franz Bellmann seine berufliche Existenz an den Nagel gehängt hatte und sein Atelier und seinen Lebensmittelpunkt in die Westliche Unterstadt nach Mannheim verlegte, ergänzte es seine Malerei durch diese Form der Projektkunst:

Künstlerische Auftritte im öffentlichen Raum, Happenings und Performances auch zur Finanzierung seiner gesellschaftlichen Verwertungsideen als Ausgangspunkt neuer Kreativität.

„Er wolle jetzt den Menschen ihren Müll verkaufen“, meinte dereinst eine treue Sammlerin seiner figurativen Ölbilder.

Seine Arbeits- und Lebensgefährtin formulierte dies in einem Vorwort zur Ausstellung „Terra Deponia“ in Worms so: „Franz Bellmann erzeugte für sich eine „Hans im Glück“-Situation, und der permanente Wechsel und Wandel im Werk…fand im Laufe der Jahre eine zentralperspektivische Vereinigung, um in Dosenstelen, Skulpturen und Müllbildern zu kulminieren.“

Die Dosen, der Müll werden aus den Winkeln und unter den Sträuchern hervorgeholt; den Menschen wird ihr Dreck und Abfall vor Augen geführt.

Zwangsläufig erwachsen daraus Forderungen an die Gesellschaft und die Politik. Die Forderungen nach einem Verbot von Dosen oder mindestens der Einführung eines Dosenpfandes. Franz verstand es auch immer, die bürokratischen Institutionen und die politischen Akteure zu einem Teil seiner Performances zu machen.

Die heutige Performance, meine Damen und Herren, muss wahrscheinlich nicht eröffnet werden, sie hat schon begonnen. Die Begrüssung durch Christine Schäfer, die Rede vom Umweltminister der Bundesrepublik Deutschland Jürgen Trittin, seine Ankündigung, dass Pfand auf Dosen eingeführt wird, meine Worte und ihre Anwesenheit sind vielleicht schon Teil der künstlerischen Aktion.

Vielleicht gehören sogar die vorbereitenden Arbeiten, die Anmeldung der Ausstellung, die gemachten Erfahrungen im Umgang mit den Behörden, zur gesamten Performance, zumal die Provokation in Dosen bei verschiedenen Institutionen durchaus Wirkung entfaltet. So musste Franz Bellmann seine Ausstellung in Worms früher als geplant abbauen, weil sich Lokalpolitiker durch den „Dreck im Stiftshof“ angestossen fühlten.

Sicher ist – um auf die Frage von Christine Schäfer eingangs zur Zukunft des Dosenglücks zu kommen – es schliesst sich mit der Ausstellung hier in Feudenheim ein Kreis im künstlerischen Schaffen Franz Bellmanns. Dennoch, mit seiner ihm eigenen Ironie und seinem hintergründigen Lächeln lässt uns Franz mit der von mir jetzt formulierten Betrachtungsweise allein. Aber in seinem Lächeln finden wir den Bogen, der sich über die beiden Teile der Ausstellung spannt. Nicht nur in seinen Dosenskulpturen, fast noch mehr in seinen Bildern, versucht uns Franz Bellmann den Blick hinter das vordergründig Sichtbare zu öffnen, als Bedingung für die Fortentwicklung der materiellen Existenz in die der Vorstellungskraft.

„Tatrablick“
Foto Kupsch/Wondra

Die Phantasie, die wir entwickeln, wenn wir im Sommer im Gras auf dem Rücken liegen und in die Wolken schauen, die Reiter, die wir entdecken, die Gesichter in den Wolken, dies ist der Tatrablick. Am eindringlichsten erfahren wir diesen Blick in den malerischen Arbeiten von Franz Bellmann, von denen hier 25 Bilder seines nunmehr über 2000 Arbeiten umfassenden Werkes ausgestellt sind.

Eine Arbeit auf Schrumpelpapier
Foto Manfred Rinderspacher

Der Malgrund der meisten hier ausgestellten Bilder besteht auch wieder aus Restmaterial. Die Restrolle Papier, die beim Zeitungsdruck nicht mehr verwendet werden kann, findet bei Franz Bellmann künstlerische Verwendung. Das Papier wird mit Dispersionsfarbe eingeschlemmt und dreilagig übereinander zusammengeklebt. Durch Zusammenschieben der einzelnen Lagen entsteht ein – wie Franz es nennt – Schrumpelpapier. Nachdem dieses Papier getrocknet ist, hat Franz eine reliefartige Malunterlage, die ihn zur farbigen Entwicklung seiner figurativen Ölbilder inspiriert. Ausgangspunkt seiner Arbeit bildet also der Tatrablick auf dem Schrumpelpapier. Aus diesem Tatrablick heraus entsteht der Farbauftrag der abstrahierend gemalten Ölbilder, wie wir hier sehen.

Bevor ich nun das Wort zur Eröffnung der Ausstellung wieder an Christine gebe, möchte ich mich – ich denke im Namen von uns allen – bei denen bedanken, die diese Ausstellung und die heutige Eröffnung hier in Feudenheim ermöglicht haben, bei den Mitgliedern des Kulturtreffs Feudenheim, bei May-Britt Hiemenz und Christine Schäfer, auch bei Jürgen Trittin, der zur Eröffnung hierher gekommen ist, bei Rose Michel, die die Einladungen gestaltet und verschickt hat und natürlich bei Franz Bellmann und seinen glücklichen Dosen.

Hoffentlich nehmen viele Feudenheimer und Feudenheimerinnen die Aktion auf dem Rathausplatz zum Anlass, hier in die Räume zu schauen, ich denke es lohnt sich.

Fürs Dosenglück wünscht sich Franz, zumindest kenne ich ihn so, folgende Reaktion der Feudenheimer und Feudenheimerinnen:

Beifall ist nicht notwendig, Nachdenken genügt!

Frieder Brender

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A L O I S I A    F Ö L L M E R

Text Einführung zur Ausstellungseröffnung „Grosse Papiere“ am 18. Januar 1992 bei Gasser Computer Consulting & Training GmbH

Meine Damen und Herren,

ich begrüsse Sie herzlich zur Auseinandersetzung mit einem Künstler, der sich seit 1986 seinen Weg in der Kunst gesucht hat.

Geboren 1946 im Bayrischen Wald, wuchs Franz Bellmann in Karlsruhe auf, machte dort das Abitur und studierte Bautechnik am Technikum in Karlsruhe mit dem Schwerpunkt Schweisstechnik. Er arbeitete ca. acht Jahre bei BBC im Bereich der Kraftwerkstechnik mit Planungs- und  Ausführungsüberwachungsfunktionen.

Aloisia Föllmer spricht vom Atelier in Karlsruhe in der Schillerstrasse 17, dort entstand das Wandgemälde zur minoischen Kultur, 1977

Franz Bellmann, der schon während seiner Berufsausbildung ein Atelier geführt hatte, entschloss sich, nachdem er sich für einen gewissen Zeitraum einen finanziellen Rückhalt zugelegt hatte, für die freie künstlerische Tätigkeit.

Starkfarbige, ja ich möchte sagen aggressivfarbige Arbeiten kennzeichnen seine Anfangsphase. Er verwandte sowohl die Pinsel als auch die Rolltechnik. Diese zuletzt genannten Werke, mit Walze, Schablone und Farbe hergestellt, unterscheiden sich in ihrem unterkühlt-glatten, ästhetisierten Erscheinungsbild von den Arbeiten, die Sie heute hier erleben können. Kennzeichnend für den Autodidakten Bellmann ist die kreative Auseinandersetzung mit der klassischen Moderne zu Beginn dieses Jahrhunderts.

Eine der Bezugsquellen der heute zu sehenden Bilder ist der Kubismus. Die kubistische, oft brutal wirkende Manier der Aufsplitterung der Objekte wird von Bellmann in malerisch-spielender Variante angewandt.

Im liegenden, blauen, weiblichen Akt dominieren runde, organische Formen zu den eckig-kleinteiligen der Augenpartie. Inhaltliches und Formales decken sich in den Werken Bellmanns. So erhält der Akt des Ruhens durch die vorwiegend geschwungenen Formen eine Dynamik, die dem Aspekt der Muße nur scheinbar widersprechen. Nach Henri  Matisse ist die Muße oder die Meditation die höchste Aktivität im Geiste. In diesem Sinne gehen die aktiven Formdynamismen eine eindrucksvolle Symbiose mit der Farbe Blau der Farbe des Geistigen ein.

Die Zerlegung eines hochgezogenen Frauen- bzw. Männerkörpers einmal in Grün, das andere Mal in Braun ist fast als klassisch im kubistischen Sinne zu bezeichnen. Die grazile Leichtigkeit der Linienführung sowie die spontan-assoziativ gefundenen Formen ergeben eine stilisierte Rhythmik, die die Nähe zur ästhetischen Überhöhung auf der einen Seite und zu leichter Komik auf der anderen Seite suggerieren. Es lohnt sich einen genauen Blick auf die technische Darstellung zu werfen.

Der leicht dumpfe Gesamtklang dieser Arbeiten erfährt eine Durchbrechung durch die absichtsvolle Betonung des Kontrastes zwischen der schwarz vibrierenden Bleistiftlinie und dem hellen Malgrund. Dieser begleitet also die Zeichnung in Form von markanten Helligkeitsspuren.

Das Thema bedrohlicher Gegensätze und Spannungen greift Bellmann im Werk mit dem Titel „Mann und Frau“ auf. Überdimensional im Vergleich zur Darstellung des Mannes wirkt die sitzende Frauengestalt, die nach kubistischer Manier doppelgesichtig ist. Lediglich ein rundes Ballongesicht unter ihrem aggressiv-harten Arm sowie die lineare Andeutung eines Körpers markieren den Mann. Die apparatehafte Frau, die wie verschmolzen wirkt mit dem Sessel, scheint alle Macht und Kraft zu besitzen. Kontrastive Elemente kennzeichnen sie wie auch die Frauendarstellung mit dem Titel „Die schöne Cyklopaia“. Es sind Kontraste wie Melancholie und Aggression, Maschinenhaftes und Figürliches, die sich auf diesen Werken die Waage halten. In der formalen Ausgestaltung finden diese Gegensätze ihre Entsprechung im Wechselspiel organischer sowie geometrischer Formen.

Nie dominiert das Aggressive, das Düstere in den Werken Franz Bellmanns. Trotz aller drastischen Aussagen verliert er nicht den Sinn für die Geschlossenheit des Bildausdrucks, eine Tatsache, die ich mir mit seiner gezielten Auseinandersetzung mit der Kunstgeschichte erkläre. So ist auch das Liebesgespräch zwischen der an Picasso-Figuren erinnernden Frau und dem Vogel trotz aller farblich-formalen Gegensätze von bestechender Ausgewogenheit.

Einigen heute zu erlebenden Werken haftet eine naiv-poetische Ausstrahlung an. Aber die farblich reizvolle Wirkung der Bilder kaschiert den Ausdruck latenter Bedrohung. Im Bild „Der Lauscher an der Wand“ beabsichtigt Franz Bellmann eine Anspielung auf die Bespitzelung der ehemaligen DDR Bürger durch die Stasi. Und so sehen sie als Schlüsselfigur den zentralen Kopf mit dem ausgefahrenen Beobachtungsgerät. Gesichter bestimmen das Bild, überall tauchen diese eckig-unmenschlichen, meist rasterförmigen Köpfe auf. Sie werden zu Symbolen der Bedrohnis. Wirklichkeit wird in ihrer Doppelbödigkeit entlarvt.

Bellmann präsentiert ferner Werke, die in der Abwendung von der naturalistischen Farbgebung sowie im Spontanen des oft schlierenhaften Farbauftrags in der Tradition der expressionistischen Kunst stehen.

„Tanz fünftausend vor der Wende“, Privatbesitz

Das Ölbild „Tanz fünftausend vor der Wende“ ist als Rückblick auf die 1982 erhoffte politische Wende zu verstehen. Die Dominanz der aufreizenden Farbe rot, in Verbindung mit der ekstatischen Tanzbewegung ist Ausdruck der emphatischen, auf die Wende bezogenen Erwartungen.

Meine Damen und Herren, auch wenn man diese Darstellungsabsicht des Künstlers nicht kennt, empfindet man die Farbintensität, die in Verbindung mit der Deformation des Körpers für ein übersteigertes Lebensgefühl steht.

Diese „wilde“ Arbeit ist Zeugnis eines in der Glut der Farbe hervorbrechenden Gefühls. Die Darstellung der Büglerin dagegen verweist allein in der Verwendung der dem Geistigen zuzuordnenden Farbe Blau sowie durch die Körperhaltung auf Verinnerlichung.

An diesen Arbeiten ist nachzuvollziehen, dass von Franz Bellmann Farbe nach expressionistischer Manier pastos als Farbmaterie eingesetzt wird. In der Abwendung von aller naturalistisch-abbildenden Farbgebung erreicht er den Ausdrucks- und Gefühlsgehalt der Bilder.

Die „Dame mit Jojo“ verkörpert in ihrer drallen Nacktheit und mit ihren erotischen Attributen der roten Brustwarzen und dem übergrossen roten Mund die gefährliche femme fatale. Ihr Jojo entlarvt sich auf den zweiten Blick als mittelalterliche Waffe.

„Nevermore“, Privatbesitz

Die unverhohlene Erotik der Akte Franz Bellmanns verbindet seine Kunst mit dem Expressionismus. Der kraftvolle männliche Akt aus dem Jahre 1990 steht in seiner archaischen Ausstrahlung konträr zum weiblich-zarten Gegenstück, dem Akt „Nevermore“. Diese Hommage an Gauguin bedeutet im wahrsten Sinne des Wortes eine Verkehrung von Gegebenem. Bellmann drehte den Akt einfach um. Zu sehen ist also der Öldurchschlag, die Rückseite, deren pastellige Tonalität zwischen zartem Buttergelb sowie hellen Grün- und Grautönen anzusiedeln ist. In der Zartheit seiner Farbgebung bedeutet dieser weibliche Akt eine weitere Umkehrung zu den intensivfarbigen Südsee-Werken Gauguins bei Beibehaltung eines zentralen gauguinschen Themas, nämlich der weiblichen Erotik.

Den wilden Arbeiten ist ferner das Fragmentarische gemein. So liegt im Unvollkommenen die Aussagestärke des sitzenden männlichen Aktes mit dem überbetonten Geschlechtsteil. Sein Ober- und Unterkörper bildet die Form eines Stundenglases, sein Leib ist mehr Gerüst als Körpersubstanz. Ausgehöhltes, sinnentleertes Dasein seiner Hinfälligkeit sowie die Macht der Erotik auf der anderen Seite sind die Gegenstände auf die das Werk reflektiert. Implizit spielen die Arbeiten damit auf die fundamentalen Gegensätze des Lebens schlechthin an, auf Eros und Tod.

Fast alle hier zu sehenden Arbeiten sind mit Hilfe von Spachteln verschiedener Breite hergestellt. Dadurch ergibt sich ein pastoser Farbauftrag, der den Bildern einen rudimentären, fast archaischen Charakter verleiht. Es sind Arbeiten, die in ihrer mehrschichtigen Anlage stets unter der Oberflächenfarbe ein anders farbiges Darunter erahnen lassen. Der Reiz dieser Bilder liegt im Wechselspiel von dichter Farbmaterie einerseits und ihrem teilweise brüchig wirkenden Farbcharakter andererseits, denn Bellmann schabt die vorhandenen Farbpartien im halbnassen Zustand mit der Spachtel ab.

Die Farbe wird zum Thema, der Gegenstand entschwindet immer mehr. Doch selbst die abstraktesten Arbeiten lassen stets das Motiv erahnen. Im grünfarbigen Figurenbild sowie im Werk mit dem Titel „Schweißtuch“ ist der Gegenstand vorhanden, obwohl er sich gleichsam unseren Blicken entzieht.

Mit diesen beiden Darstellungen wird möglicherweise der Mensch als Bildmotiv hinterfragt. Die Forderung Max Frischs „Du sollst Dir kein Bildnis machen“ drängt sich mir auf. Sowie im Werk mit dem Titel „Schweißtuch“ lediglich nur Spuren des Individuums zurückbleiben, so entzieht sich jedes Bildnismachen jeglicher Erfassung der Gesamtpersönlichkeit.

Bellmann geht damit auf die Schwierigkeit ein, die für den Künstler im Porträtieren liegt. In diesem Zusammenhang sind für ihn folgende Worte Rudolf Hausners über das Porträt bedeutsam geworden:

„Der Doppelgänger“, 1990, Ausschnitt, Bild zum nebenstehenden Zitat, nur zur Information

„Aber einmal passiert es, dass ich vor ihm stehe und nicht vorbei kann. Er bittet mich, sein Porträt zu malen und stellt mir die Frage: Wenn Du mich malst, malst Du dann mich oder Dich? Ich erwidere: Ich werde uns beide malen.“ Hierin können wir eine der Ursachen für die Auflösung der äußeren Realität in den Arbeiten Franz Bellmanns erkennen. Die äussere, faktische Realität, die sich damit als die nicht allein existente Form der Wirklichkeit entlarvt.

Im Schwebezustand zwischen objektiver Realität und subjektiver Aneignung der Wirklichkeit, zwischen Gegenständlichem und Abstraktem drückt sich in den Arbeiten Franz Bellmanns das Spannungsverhältnis von Realem und Irrealem, von Traum und Wirklichkeit aus. So sind seine Arbeiten Ausdruck der polaren Spannungen des Lebens,  wobei die Diskrepanz zwischen Ich und Welt aufgrund persönlicher Lebenserfahrungen zu einem vitalen Motor seiner Malerei wird.

Textende

Es folgt eine Übersicht der 1992 bei CC&T GmbH ausgestellten „Grossen Papiere“, DieRedaktion.

„Tanz fünftausend vor der Wende“, WVZ 4, 90 cm x 60 cm, 09.90, Öl/Papier/Spachtel, Privatbesitz Karlsruhe.

„Liebesgespräch“, WVZ ?

„Mann in Grün“, WVZ 61, ohne Daten, Privatbesitz Weinheim.

„Die schöne Cyklopaia“, WVZ 62, keine Formatangaben, 07.91, Öl/Papier/Spachtel, Privatbesitz Weinheim.

„Die Büglerin“, WVZ 68, 90 cm x 60 cm, 09.90, Öl/Papier/Spachtel, Privatbesitz Weinheim.

„Der Lauscher an der Wand“, WVZ 75, 60 cm x 90 cm, 11.90, Öl/Papier/Spachtel, Privatbesitz Mannheim.

„Akt, männlich“, WVZ 76, 60 cm x 90 cm, 09.90, Öl/Papier/Spachtel, Privatbesitz Mannheim.

„Studie über eine glückliche Schmusekuh“, WVZ 114, Rahmenformat 70 cm x 100 cm, 07.91, Öl/Papier/Spachtel, Privatbesitz Mannheim.

„Spaziergang“, WVZ 1409, Bildformat 85,5 cm x 58 cm, Blattformat 88 cm x 63,2 cm, Rahmenformat 100 cm x 70 cm, 09.90, Öl/Papier/Spachtel.

„Dame beim Jojo“, WVZ 1509, Bildformat 80,7 cm x 57,5 cm, Rahmenformat 100 cm x 70 cm, mit Passepartout, 09.90, Öl/Papier/Stift/Spachtel/braun poliert.

„Mann mit angeschwellter Wurzel“, WVZ 1523, Bildformat 81,2 cm x 49,4 cm, Rahmenformat 100 cm x 70 cm, mit Passepartout, 05.91, Öl/Papier/Stift/Spachtel/rot poliert.

„Beobachtende“, 07.91, keine weiteren Daten.

„Ruhende“, WVZ 1532?, 01.91, keine exakten Daten.

„Mann und Frau“, WVZ 1392?, 04.91, keine exakten Daten.

„Torso“ (grünlich), keine Daten.

„Torso“ (bräunlich), keine Daten.

„o. T.“, keine Daten.

„o. T.“, Stadtansicht, keine Daten.

„Nevermore“, keine Daten.

„Schweißtuch“, keine Daten.

Wir forschen weiter, DieRedaktion.

VITA

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C H R I S T E L    H E Y B R O C K

Text Einführung zur Ausstellung „Dosenglück und Malerei“ zusammen mit der Gruppe DaMaKa in der Rathaus-Galerie der Stadt Mannheim vom 01.02.-01.03.1996

Meine Damen und Herren,

unübersehbar sind wir in der Fasnachtssaison. Wer überzeugt ist, diese Jahreszeit zeichne sich dadurch aus, dass einfach mal alles kopfstünde und die Narren – anders als sonst – die Welt regierten, der irrt gewaltig. In der Fasnacht zeigt vielmehr die Welt, die nämlich normalerweise verkehrt ist, vorübergehend ihr wahres Gesicht. Die Maske wird ihr nicht aufgesetzt, sondern vielmehr heruntergerissen. Niemand von uns hielte diesen Anblick aus, wenn er nicht kurzfristig und nach überschaubarer Zeit wieder vorbei wäre.

Girlanden im Treppenauge im Rathaus Mannheim (1996), Foto Manfred Rinderspacher

Meine Damen und Herren, hier hat es gescheppert, und hier wird es scheppern. Zwanzigtausend Dosen hat Franz Bellmann in diesem ansonsten seriösen Hause untergebracht, ganz zu schweigen von dem Gewicht des Gewandes , in dem er sich Ihnen  selbst vor Augen führt. Dreiviertel Stunden, so bekannte er mir, könne man die zwölf Kilo, sprich bis zu 800 Dosen auf Helm und Mantel aushalten, aber so lange will ich ja nicht

Mit Dosenhelm und Schleppe beim „1.Anti-Dreck-Tag“ in Mannheim, Foto Ursula Steinmetz

reden. Ich stelle nur die Frage, ob Franz Bellmann womöglich zu den Obernarren gehört mit dieser Verkleidung. Er beschränkt sich schliesslich nicht auf die Fasnachtssaison damit, sondern hat in ähnlicher Aufmachung und zu normalen Zeiten die Passanten auf den Planken, in der Heidelberger Hauptstrasse oder am Basler Tinguelybrunnen, aber

„Boxhenge“ vor Tinguely Brunnen in Basel

auch die Besucher des Wormser Tiergartens sowie einer Darmstädter und der Galerie Hartmannstrasse in Ludwigshafen beeindruckt, ganz zu schweigen von seinen Dosenplattfahraktionen (deren Ergebnis Sie hier in Form der Dosenstelen sehen können), von Dosenspaziergängen und Umzügen unter anderem im Mannheimer Jungbusch: Schon 1993 haben unsere Stadtväter gemerkt, was sie an diesem hartnäckigen Narren hatten und ihn mit einem Umweltpreis ermutigt.

Es ist ja nicht viel, was einen Künstler von einem Narren unterscheidet: Beide halten der Welt einen symbolischen Spiegel vor und zwingen sie, selber mitunter vor Verzweiflung kichernd, endlich mal hinein zu sehen. Und zum Lachen ist das fast nie, was als Erkenntnis, als nur zu genaues Wiedererkennen dabei herauskommt. Die Vorraussetzung dieser vorgeblichen Possenreißereien ist weniger ein unerschütterlicher Hang, die Dinge leicht zu nehmen, als vielmehr die Distanz zu ihnen. Deshalb, meine Damen und Herren, die unverblümte Frage an Sie: Wann haben Sie die letzte Getränkedose ausgeschlürft und gedankenlos weggeworfen (hoffentlich wenigstens in den gelben Sack)?

Im Rathaus Mannheim, Foto Manfred Rinderspacher

Oder hätten Sie jemals, und zwar unter einschneidender Korrektur Ihres Konsumverhaltens, darüber nachgedacht, welche unglaubliche Energie- und Ressourcenvergeudung  dem Griff ins Dosenregal vorausgeht? Und auch darüber nachgedacht, was dem Ex – und – hopp – Mechanismus folgt? Wo in aller Welt denn die Millionen Dosen bleiben sollen, nachdem die Mülldeponien bekanntlich überfüllt sind und das Aluminiumrecycling fast ebenso umweltschädlich und luftbelastend (auch Ihre Atemluft belastend) ist wie die Aluminiumherstellung? Nein, darüber haben Sie nicht nachgedacht, und Sie verspüren auch keine Lust dazu, weil Sie nicht so negativ und destruktiv denken wollen?

Sehen Sie, mitunter ist es schon verblüffend, wie verdreht die ganz normalen Verhältnisse sind: Das Nachdenken über den täglichen Ressourcenmißbrauch ist ja nicht destruktiv. Man empfindet es aber so, weil es einen in seiner blinden, gedankenlosen Vitalität behindert. Nach irgendeinem verhängnisvollen biologischen Gesetz kommt uns gerade diese Gedankenlosigkeit ganz phantastisch vor, und bestärkt werden wir noch dadurch, dass wir ja Gottseidank nicht sehen, wie die Dosenberge und all der andere Müll irgendwo wachsen. Wir lesen das manchmal in der Zeitung oder hören es als kurze Meldung im Fernsehen, bevor der Krimi oder die Talkshow anfangen. Wir akzeptieren diese Informationen ja geduldig, wozu haben wir schliesslich Politiker gewählt, die das gefälligst in den Griff kriegen sollen? Die Deponien wachsen jedenfalls nicht vor unserem Wohnzimmerfenster, das wäre ein Skandal, der Folgen bei der nächsten Kommunalwahl hätte.

Meine Damen und Herren, wenn ich über unser aller kindische Kurzsichtigkeit nachdenke mit der Distanz der Narren und Künstler, dann kann ich fast nicht glauben, was doch alltägliche Wirklichkeit ist. Das Sehen also, die augenfällige Erscheinung fehlt uns, um Fehlverhalten zu korrigieren? Nun, dann sehen Sie hier einfach mal hin, auf diesen verschwindenden Bruchteil einer Materialvergeudung, die ihren Sinn in nichts anderem als in den fünf Minuten hat, die man jeweils braucht, um eine Bierdose zu leeren. Zwanzigtausend Dosen, so gigantisch diese Zahl auch klingt und so voll damit das Atelier Franz Bellmanns wurde, sind ja ein Klacks gegen das, was täglich allerorten dazu kommt und in der Industrie weiter produziert wird. Ging in früheren Zeiten die Kunst ahnungsvoll und manchmal fast visionär den Verrücktheiten der Wirklichkeit voraus, so kann sie heute nur noch mit einem Bruchteil dessen, was Realität ist, hinterherkeuchen. Das, was wir angerichtet haben, ist unser eigenen Erkenntnisfähigkeit längst über den Kopf gewachsen.

Die Position der Narren wie der Künstler diesem Sachverhalt gegenüber ist ein trotziges Dennoch, und es ist der einzige Standpunkt, der uns vielleicht noch retten kann. Das klingt unzeitgemäss, aber welche Verdrehungen hat der Zeitgeist nicht schon hervorgebracht! Dass Künstler heutzutage zur kritischen Erkenntnis und nicht zur Wanddekoration über der Wohnzimmercouch beitragen, es ist völlig altmodisch und ebenso närrisch wie selten geworden. Vor dreissig Jahren, ja, damals lag so ein Anspruch voll im Trend. Nur: vom Trend hat damals niemand gesprochen, es war Betrachtern und Schöpfern klar, dass es um Grundsätzliches und nicht um etwas ginge, was man heute vertreten und morgen vergessen könne. Franz Bellmann hat damals noch Soziologie, Politik und dann 1970 Bautechnik studiert, und es dauerte bis 1985, dass er den Brotberuf an den Nagel hängte und die enormen Risiken einer freien künstlerischen Tätigkeit auf sich nahm – noch dazu einer Tätigkeit, deren Ergebnisse sich ja nicht einfach in klingende Münze umwandeln lassen, denn seine Dosen-Installationen kann man nicht kaufen. Er hat, kunsthistorisch gesehen, eine Tradition kritischer Avantgarde wieder aufgegriffen und weitergeführt, deren Vertreter fast von der Szene verschwunden sind: Man kann Aktionskünstler wie HA Schult und den Ihnen allen wohl bekannten Verfremder Otto Dressler dazu rechnen, um die vielen anderen, die damals unerhörterweise die Wirklichkeit im Kunstwerk analysierten , ist es still geworden.

Umso grösser Franz Bellmanns Mut, sich mit dieser Perspektive erneut zu Wort zu melden,  und zwar nicht nur mit ironisch arrangierten Dosengebirgen, sondern auch mit Müllbildern,

„Mein Eiland“, WVZ 1205, 177 cm x 177 cm, 1996, Foto Manfred Rinderspacher, Materialbild

in denen Sie bei genauerem Hinsehen so manchen vertrauten Gegenstand entdecken, Putzlappen zum Beispiel, Kronenkorken, Zigarettenschachteln, Milchtüten. Die Kunst Franz Bellmanns besteht darin, uns aufs Glatteis zu führen mit kunsthistorischen Konventionen. Da ist das jahrhundertealte Tafelbild, das bei ihm zum Materialbild wird und achtlos Weggeworfenes in ganz neuem Licht erscheinen lässt. Da sind die Stelen und Girlanden aus Dosen, Motive, die sich in der Menschheitsgeschichte Jahrtausende zurückverfolgen lassen.

„Waggonkupplung“, Stele mit Kupplungsstück, WVZ 1718, 2005, h = 155 cm

Stelen gibt es bereits in der Steinzeit und im alten Babylon. Die Girlande wanderte vom flüchtigen Zierrat aus Zweigen und Blumen, mit denen Fürsten und Könige begrüsst wurden, sogar in die Architektur, indem man sie als Dekormotiv in Stein gehauen benutzte. All diesen konventionellen Errungenschaften gibt Franz Bellmann einen neuen Sinn, einen neuen Anspruch auf Aufmerksamkeit, indem er als Material das benutzt, was ihm buchstäblich vor die Füsse fällt. Wir haben es weggeworfen, vergessen es, kaum dass es im Abfall oder in der „Wertstoffsammlung“ gelandet ist, und bilden uns ein, es sei dann irgendwie nicht mehr da. Dabei wächst und wächst es zu Gebirgen hinter unserem Rücken, die benutzten Dinge sind dabei, uns einzukreisen.

Ein Schnappschuss aus jüngster Zeit, Kinder spielen in einer soeben geleerten Papiertonne, Foto DieRedaktion

Kurz, ich wünsche Ihnen, meine Damen und Herren, dass Sie den Anblick des hier ausgebreiteten „Dosenglücks“ und das Geräusch des Schepperns nicht so bald vergessen und dass er sich Ihnen ins Gedächtnis schiebt, wenn Sie morgen Ihren Einkaufskorb im Supermarkt füllen. So phantastisch es hier auch aussieht: Auf den Deponien entsteht etwas anderes als Kunst.

Christel Heybrock

Weitere Informationen siehe: http://franzbellmann.de/?m=201201 aus dem Archiv für den Monat Januar 2012.

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S U S A N N E    K A E P P E L E

Text Einführung Franz Bellmann (Konkordienkirche) (2002)

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kunstfreunde,

ich werde nun versuchen, Ihnen eine Einführung in das Werk Franz Bellmanns zu geben. (Er ist übrigens anwesend und freut sich auf Ihre Fragen!) Dazu ist es allerdings nötig, dass ich Ihnen auch über Werke erzählen werde, die Sie jetzt nicht direkt sehen können, sondern erst nach dieser Einführung. Aber da müssen Sie durch!

Schon der Titel der Ausstellung „Dosenglück – Bilder und Objekte“ zeigt, dass Franz Bellmann seit vielen Jahren zweigleisig arbeitet: Er malt, gegenständlich und abstrakt, und beschäftigt sich mit Dosen in vielen Variationen. Er heißt heute gar der Mannheimer Dosenkünstler. Hier sind die Dosenwerke im Garten installiert, die Gemälde in der Kirche.

Banner vor der Konkordienkirche, Foto Manfred Rinderspacher

Beginnen möchte ich mit den Gemälden in der Konkordienkirche selbst. Auf den ersten Blick sehen wir seine großen Gemälde an den Wänden, sie sind auf dünnem Nessel gemalt, hochrechteckig, abstrakt, Farbgewitter. Die kleinen Formate hingegen sind zumeist mit Öl auf Papier gearbeitet, eine eher nicht gebräuchliches, unakademisches Verfahren. Franz Bellmann trägt die Farbe mit dem Spachtel auf, variiert zwischen pastos, also sehr dicker Farbe, und lasierend, ziemlich verdünnt. Ich will jetzt das gerade mal an einem meiner Lieblingsbilder demonstrieren: Es hat keinen Titel, entstand schon 1991 – es hängt an der linken Wand relativ weit hinten und ist mit Ölfarbe auf Papier gemalt. Am Rand erscheinen wie ausgeschnitten unregelmäßige Formen, die in Bleistift nachgezeichnet und ausgefüllt sind. Darunter liegt ein gelber Farbton, aber nur an den langen Seiten des querrechteckigen Blattes. Im Zentrum stehen abstrakte, hochrechteckige Farbformen, die am ehesten noch an Baumstämme erinnern. Diese Formen setzen sich aus vielen verschiedenen Farbtönen zusammen: hellblau, grün, bräunlich, gelblich, wenig rot, türkis. Bei näherer Betrachtung, zu der ich Sie nur auffordern kann, sieht man, dass diese Farbspuren in einer dicken Schicht übereinanderliegen. Franz Bellmann hat das so beschrieben: Mit dem Spachtel, an dem auch mehrere verschiedene Farben kleben können, geht er über die schon aufgetragenen Farbschichten. Je nach Trocknungsgrad liegen die einzelnen Spuren dann darüber auf oder mischen sich mit darunterliegenden, noch nicht trockenen Tönen. Auf diese Weise entsteht quasi ein dicker Farbteppich. Eine hellblaue Spur zieht sich diagonal über das Bild und lässt die Farben umso mehr funkeln. Ich sprach zu Beginn über einen gelben Farbton am Rand des Bildes: dieser entsteht durch das Durchschlagen des Öls auf dem Papier, das Öl wirkt also wie ein neuer Farbton und wird wahrscheinlich im Laufe der Jahre immer dunkler werden.

„Engel und Heerscharen“, Öl auf Lw., 160 cm x 160 cm, 1998, Foto Manfred Rinderspacher

Es sind hier viele Bilder aus unterschiedlichen Zeiten in unterschiedlichen Stilen zu sehen. Manche sind figurativ, die meisten abstrakt. Bellmann arbeitet häufig in Serien. Es gibt Bilder, die im typischen Allover-Stil der abstrakten, amerikanischen Maler nach dem 2. Weltkrieg gemalt sind, auch mit dem Heruntertropfen der Farbe. Unter den gegenständlichen Werken fällt hier eine seiner erotischen Arbeiten auf, auch aus einer Reihe von Arbeiten, – ich bin mal gespannt, ob Sie sie finden! – Weiterhin existieren noch lustige Männlein, die mich an Jean Dubuffet, den berühmten Art-Brut-Künstler erinnern – Art brut = Außenseiterkunst. Dazu gehört zum Beispiel das Gemälde mit dem Titel „ich bin zu fett“ an der rechten Wand ganz hinten am Altarraum: Im Profil sieht man in erster Linie einen dicken Bauch in Orange, an dem ein dünner, kleiner Arm herunterhängt, und einen roten Schmollmund. Der Stil ist kindlich-naiv, darunter steht der Titel „ich bin zu fett“ in Schreibschrift. Sich selbst kann der Künstler damit aber nicht meinen!

Von den großen Leinwänden möchte ich den Blick auf eine Arbeit lenken. Sie heißt „Vergessene Welt“ und hängt in der Mitte an der rechten Wand. Das Gemälde ist abstrakt und mit wasserhaltiger Farbe und Bitumen, sprich Asphaltfarbe gemalt.

Der Zusammenstoss: provoziert durch Mischtechnik, Foto Manfred Rinderspacher.

Der Zusammenstoss, den Bellmann zwischen diesen beiden Malmaterialien herbeiführt, hat zur Folge, dass die wasserhaltige Farbe und das ölhaltige Bitumen sich gegenseitig abstoßen, dabei entsteht eine Art Krakelée, sprich man sieht quasi die Verdrängung der Farben. Sehr schön ist das Durchschimmmern anderer Töne wie Blau und Rot in dem Gelb und das heftige Heruntertropfen der schwarzen Asphaltfarbe. Wenn man sich das Gemälde eine Weile ansieht, hat man das Gefühl, in einen gelben Himmel zu schauen, in eine Tiefe, vor der rote und blaue Farbflecken schweben.

Doch zurück zu den kleineren Arbeiten auf Papier. Eine Gegenständliche möchte ich noch erwähnen, die den Titel trägt: Die Jagd, von 1992. Sie hängt an der linken Wand relativ weit hinten. An Höhlenmalerei erinnert das Tier mit Hörnern, vermutlich ein Stier, der von einer unklaren Figur getragen wird. Bräunliche Töne wechseln sich ab mit schwarzen Linien. Erst bei näherer Betrachtung stellt man fest, dass die schwarzen Linien Zusammenstöße von Papier betonen: Hier verwendete Bellmann Makulaturpapier, sprich Papier für den Zeitungsdruck, vom MM hier gegenüber, das ja sehr dünn ist. Dieses Papier hat der Künstler zusammengeleimt, mit Wandfarbe bemalt und noch feucht weiter bearbeitet, sprich es hat sich dann zusammengeschoben, das dünne Papier. Die entstehenden Grate wurden zum Teil schwarz bemalt. Erstaunlicherweise betont diese Technik den archaischen Charakter des Bildes: es sieht tatsächlich aus wie eine Höhlenzeichnung.

Generell kann man zu den Gemälden feststellen, dass Franz Bellmann hier seit Jahren experimentiert, erfinderisch mit verschiedenen Materialien umgeht, dass er sucht, immer wieder ernsthaft um die Form ringt. Für uns, die Betrachter, bedeutet dies, dass man sich Zeit lassen sollte, um in die abstrakten Gemälde einzudringen, einzutauchen, um sie dann, eigentlich in einer Art Meditation, aufzunehmen und letztendlich zu verstehen. Kunst ist, um das immer mal wieder zu sagen, ein Weg, um die Welt besser zu verstehen, das Unsagbare zu sehen und zu fühlen, um vollständig einzutauchen in ein Anderes.

Doseninstallationen

Ich komme nun zu den Doseninstallationen draußen, für die Franz Bellmann bekannt geworden ist und bei denen eine ganz andere Motivation eine Rolle spielt. Das Ausgangsmaterial für diese Arbeiten sind leere Getränkedosen. Getränkedosen bestehen aus Weißblech und Aluminium, (Weißblech ist mit Zinn bedampftes Stahlblech), manche nur aus Aluminium. Aluminium ist ein extrem teurer und kostbarer Rohstoff, der hauptsächlich in Bauxit vorkommt und daraus mittels Elektrizität gelöst werden muss. Bauxit kommt vorwiegend in der Karibik und Westafrika vor, sog. 3. Welt-Ländern, die mit Aluminium ihre Schulden an die sog. 1. Welt bezahlen.

„Der Dosenhelm“, genutzt als Garderobenständer, Foto Matthias Plath.

Franz Bellmann hat 1989 mit dem Sammeln von Dosen angefangen. Daraus bastelte er verschiedene aufsehenerregende Dinge: Berühmt geworden ist sein Dosenhelm aus plattgequetschten Dosen, den der Künstler auf Perfomances trug, wenn er behängt mit klappernden Dosen durch Innenstädte zog. Hier in der Dosenhelmstele draußen zu sehen. Erinnert werden soll an die große Plattfahraktion 1996 am Landesmuseum für Technik und Arbeit, bei der Bellmann eine riesige Menge Dosen von einer historischen Dampfwalze plattfahren ließ. Interessiert hat sich kürzlich Bundesumweltminister Jürgen Trittin für den Mannheimer Dosenkünstler, weil ja eines seiner vordringlichen Anliegen die Einführung von Dosenpfand ist, das ja nun erfreulicherweise am 1.1.2003 kommt.

„Die Achtlosigkeit“, FotoDieRedaktion

Eigentlich knüpft Bellmann an die politischen Aktionen der Künstler der 60 und 70er Jahre an, die wie Wolf Vostell und letztendlich auch Joseph Beuys auf die herrschenden, gesellschaftlichen Verhältnisse aufmerksam machen wollten. Durch die Verarbeitung, Deformierung oder Ironisierung von Alltagsgegenständen erregten sie in Aktionen und Happenings Aufsehen. Genau das tut auch Franz Bellmann: mit seinen Doseninstallationen und Aktionen darauf hinzuweisen, dass wir täglich unendlich viel vermeidbaren Müll aus wertvollen Rohstoffen produzieren und dann einfach wegwerfen.

Schirmstele „Maria mit dem Jesuskind“, Foto Manfred Rinderspacher
„Schirmstele mit Illumination“, Foto Manfred Rinderspacher
„Der Dosenster“, Foto Manfred Rinderspacher

Hier im Garten stellt Franz Bellmann nun verschiedene seiner Arbeiten mit und aus Dosen aus: Von der einfachen Reihung der Dosen oder dem sog. Dosenster, gemeint ist das Raummaß Ster = 1 m x 1 m x 1 m, für Holz im Wald, hier allerdings in 2 m x 1 m aufgebaut, geht es zur häufig vorkommenden Dosenstele, die z. T. rostig sind und auf die unschöne Verrottung aufmerksam machen. Dann gibt es die Hockerstele, bei der als Fuß ein Hocker dient und die weit verbreitete, bei deutschem Wetter sehr beliebte Schirmstele. Der Kern besteht zumeist aus plattgequetschten Dosen, oft zu Unkenntlichkeit deformiert und dann in vielen bunten Farben bemalt. Manchmal sind Gelbe Säcke (aber eingefärbt) darüber gezogen, manchmal Hasendraht, um die Dosen zu festigen. An den Dosenkern können sich ebenfalls ökologisch problematische Plastikteile anlagern, z. B. Rührschüsseln oder Farbeimer, aber auch Schlittschuhe, Kuchenbleche oder Schlappen dienen als Ausdehnung der Stelenform in die Breite. Erweitert ist das Programm an der „Schirmstele mit Illumination“ durch, wie der Titel schon sagt, Beleuchtung. Gerade diese Stele ist sehr vergnüglich zu untersuchen: dort gibt es z. B. Eiswürfelschalen, Kleiderbügel und tropfende Farbe zu sehen.

Generell kann ich Sie nur dazu auffordern, sich alle diese Stelen in Ruhe anzuschauen, weil es ein kindliches Vergnügen bereitet, die verschiedenen Gegenstände unter der Farbe zu entdecken! Witzig ist auch die „Apfelstele“, oder besser „Die Vetreibung aus dem Paradies“ vorne am Zaun: am gepressten hellblauen Dosenkern schlängelt sich ein Kabel hoch und züngelt an den täuschend echten Kunststoffapfel.

„Maria mit dem Jesuskind“ als Detail einer Schirmstele, Foto Manfred Rinderspacher.

Den Bezug zum Ausstellungsort stellt auch eine schwarze „Maria mit Jesuskind“ am Gitter her. Interessant ist desweiteren das Arrangement aus dem „Wegeskreuz“ und dem „Berufsradfahrer“: bei letzterem thront ein aus dem Neckar gezogener Fahrradrahmen auf Dosen, Plastikeimern und Schneeschippe. Alles ist braun angemalt und zeigt durch Titel und Farbe, was der Künstler besonders verachtet.

Die Titel vieler Werke verweisen auf ein weiteres Merkmal von Bellmanns Arbeiten: Wenn man etwa „Dosenorden“, „Mahnwache am Dosengrab“, der Titel einer Performance oder „Dosengericht“ hört, muss man schmunzeln, sprich Bellmann ist bei aller Ernsthaftigkeit des Themas immer auch der Ironie fähig.

„Wohlstandsmüll“ in einem Privatgarten, Foto Manfred Rinderspacher

Generell besteht die ganze Installationskunst von Bellmann aus recyceltem Material: seine Farben erhält er von einem Farbenhändler, der ihm angebrochene oder vermeintlich leere Dosen schenkt; einmal erhielt er mehrere leere Feuerlöscher, die in einer Stele verarbeitet sind. Viele Gegenstände in den Installationen entstammen dem Sperrmüll oder Schrottplätzen, sprich Franz Bellmann macht Kunst aus Wohlstandsmüll, er hilft mit, wie Trittin, den Müll ordentlich zu entsorgen, aber verglichen mit dem Dosenpfand ist Kunstrecycling bestimmt die schönere und lustigere Form mit weniger gesellschaftlichem Widerstand!

Ich wünsche Ihnen nun viel Vergnügen beim Entdecken und danke für Ihre Aufmerksamkeit.

Susanne Kaeppele

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Einführung Franz Bellmann (Cornelienhof, 7.12.03) 

Sehr geehrte Damen und Herren,

Sie kennen ihn alle als den Dosenkünstler, aber parallel zu seinen Installationen arbeitet er schon lange zweidimensional, sprich, er malt. Schon lange in verschiedenen Stilen, häufig düster, manchmal gegenständlich, oft abstrakt.

Die Ausstellung hier heißt jetzt „Neue Bilder“. Die Basics sind immer gleich: Format 34 x 50 cm, Rahmen immer weiß, Rahmenmaß 50 x 70 cm, immer Querformate, immer Öl auf Papier, Material Zeitungspapier, von der Rolle, 3 Lagen geleimt, mehrfach übermalt, kosten alle 199 Euro.

„Mannheim“, Foto Manfred Rinderspacher.

Alle Bilder entstanden diesen Sommer, der, wie Sie sich alle erinnern, ein außergewöhnlich langer, warmer und sonniger war. Franz Bellmann stand auf der Terrasse in Edingen mit Blick auf den Garten und malte seine „Neuen Bilder“. Aber Malen ist nicht der rechte Ausdruck: er lief um seine Blätter herum, die auf dem Boden lagen, natürlich vorher zusammengeleimt und freundlich grundiert, und schleuderte mit seinem Pinsel Farbe auf das Bild.

Franz Bellmann steht hier in einer erfreulicher Tradition: 1942 arbeitete der große Max Ernst das erste Mal mit der sogenannten „dripping“-Methode, sprich er füllte ein Dose mit Farbe, machte unten ein Loch hinein, befestigte die Dose an einer Schnur und schleuderte sie herum. Das Ergebnis ist hoffentlich heute in der Mannheimer Kunsthalle zu bewundern – hoffentlich, weil man nicht weiß, wo die Bilder gerade sind, seit Lauter da ist – nämlich „Junger Mann durch den Flug einer nichteuklidischen Fliege beunruhigt“. Diese Dripping-Technik interessierte die jungen Maler in den 40er Jahren sehr, und für Jackson Pollock, den widerborstigen Amerikaner, einen Hauptvertreter des Abstrakten Expressionismus in Amerika, wurde sie ab 1947 die Technik seines Lebens, zumeist in düsteren Farben.

Franz Bellmann macht jetzt aber fröhliche Dripping-Bilder, aus denen der Sommer spricht. Er erzählte mir kürzlich, dass die Wärme auch gut war für die Konsistenz der Farbe, die nur dann richtig tropft, wenn sie flüssig genug ist, aber wenn sie zu flüssig ist, funktioniert es auch nicht richtig. Er arbeitet nicht mit der Dose wie Ernst, sondern mit dem Pinsel, sprich er schlenkert die Farbe aus dem Pinsel auf die Bildfläche. Zumeist dominiert eine Farbe und manchmal hat er Buchstaben unter den Drippings aufgetragen.

Ein „Slinging“, für Otto Dix, Foto Manfred Rinderspacher.

Sie sehen hier jetzt, hinter mir, hängen drei zusammen, OTTO – DIX – GROSS, aber ob das ein Urteil über den berühmten Vertreter der Neuen Sachlichkeit bzw. des Expressionismus ist? Lustig finde ich, dass auf dem Bild hier vorne, GEZ, also Gebühreneinzugszentrale, zu lesen ist, darüber blaugrüne, diagonal geführte Driplinien mit schwarzen Punkten, grünen Schlenkern und roten Spritzern. Soll das ausdrücken: Für alle was dabei? Oder geht es, wie ich vermute, einfach um die fast dadaistische Kombination von geometrischen Großbuchstaben, die manchmal einen Sinn ergeben können, aber manchmal trotz Sinn sinnlos sind, etwa bei HAM da drüben: warum Schinken? Plausibler unsinnig erscheint mir das  da drüben, eine transzendente reelle Zahl (für die Berechnung des Flächeninhalts eines Kreises, 3,141592653…) im Gewirr bunter Linien, der richtige Ort für die Mathematik, oder? Insgesamt drängt sich der Eindruck auf, dass die Buchstaben einen konstruktiven Zweck haben, die Bilder in sich zu stabilisieren, da sie ja sonst als Drippings keinen Anfang und kein Ende haben, wie schon Pollock feststellte.

Ganz wichtig ist, dass man sich die Bilder aus der Nähe und aus der Ferne ansehen sollte. Aus der Nähe sieht man immer wieder Neues, wie die Driplinien selten abreißen – Franz Bellmann achtet darauf, dass sie durchlaufen über die Bildfläche – , aber manchmal reißen sie ab, das ist dann sehr überraschend. Oder plötzlich kommen dicke Farbflecken, in Blau und Grün wie da hinten, oder ganz feine Spitzer in Rot und Hellgelb. Lange könnte man verweilen, und fände immer wieder Neues, ich denke, an diesen Bildern kann man sich nicht satt sehen. Manche enthalten viele gerichtete Linien horizontal übereinander, andere Diagonalen, manche sind ganz zart gesprenkelt, andere heftiger, aber alle sind vergnügt. Aus der Ferne entwickelt sich dann eine erstaunliche Tiefe, man erkennt, wie die Schrift dahinter liegt, es eröffnen sich richtige Bildräume, obgleich keinerlei perspektivische Anzeichen oder Hilfen dafür vorhanden sind. Ein Bild, beim ersten Sichten trug es die Nr. 18, erschien wegen dem unter den kleinen, gelben Sprenkeln liegenden Rasters in Grau wie Segelschiffe im Winter. Sie sehen, beim längeren Hingucken öffnen sich neue Horizonte in den neuen Bildern von Franz Bellmann.

Nun soll ich noch sagen, dass es sich hier um eine Verkaufsausstellung handelt, Frau Knippel hier oder der Künstler selbst nehmen Ihnen gerne ein Bild von der Wand, genieren Sie sich nicht und sagen Sie es Franz Bellmann oder Frau Knippel, wenn Sie ein Bild wünschen, es sind noch weitere da, die gleich aufgehängt werden können. Und wenn alles verkauft wird, was zu hoffen ist, hängt Franz Bellmann eine ganz neue Serie auf!

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und schauen Sie genau hin

Dr. Susanne Kaeppele

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S U S A N N E    K A E P P E L E 

Ausstellungseröffnung Franz Bellmann IT Consult 14.3.04:

„Geklaut“ und weitere Serien

Sehr geehrte Damen und Herren,

Franz Bellmann ist ein ganz ungewöhnlicher Maler, schon von seiner Biografie her. Jahrgang 1946 hat er zunächst in den wilden 60er Jahren Soziologie und Politologie in Tübingen studiert, sattelte dann 1970 auf etwas sichere Fächer um, nämlich Bautechnik in Karlsruhe, schloss als Bautechniker ab und arbeitete dann u.a. bei ABB. Schon 1972 hatte er ein Atelier in Karlsruhe, dann 1985 in Mannheim in H 7, 24, also der westlichen Unterstadt. 1985 gab er den Broterwerb auf und versuchte seine Glück als Künstler. Berühmt wurde er hier im Raum in erster Linie durch seine Arbeiten mit den Dosen. In der Dosenzeit – so nenne ich sie mal, denn heute macht er das nicht mehr, seit Trittin das Dosenpfand eingeführt hat, erscheint es ihm überflüssig – also in dieser Zeit entstanden sehr viele Ausstellungen, Performances wie die Sammel- und Plattfahraktion im Hafengebiet, das „Dosenglück“, „Dosengericht“, „Dosenfix“ oder „Die Kruzibüchsen“. An den Titeln sehen Sie schon: Franz Bellmann ist witzig.

Diese Ausstellung bei IT consult präsentiert nun verschiedene seiner Serien von Gemälden. Franz Bellmann ist sehr produktiv, er arbeitet wie die meisten großen Künstler in Serien, und hier sind nun viele seiner „Walzbilder“, dann etliche aus der Serie „Geklaut“, einige aus der Reihe der „Fensterbilder“ und ein paar „Figurative Zeichnungen“ ausgestellt. Dazwischen hängen noch einzelne große Gemälde. Nun möchte ich Ihnen die einzelnen Serien und daraus Bilder vorstellen, die Sie sich dann nachher genauer selbst anschauen können.

„Dusch-Collage“, Foto Manfred Rinderspacher

Beginnen wir hier im Foyer mit den „Walzbildern“. Sie tragen ihren Namen nach dem Arbeitsmittel: Bellmann benutzte hierzu ganz gewöhnliche Heizkörperrollen, aber die aus Vlies. Und mit diesem Werkzeug wurde er ein Spezialist. Wenn Sie sich etwa seine „Dusch-collage“ von der Einladung anschauen, dann merken Sie das gleich, vielleicht auf den zweiten Blick. Zunächst fand Franz Bellmann Formen, die eigentlich ein Halbkreis, Viereck etc. sind, dann aber einen Duschkopf in Rot meinen, eine Duschwanne in Graubraun, dann etwas, das wie eine Schiebetüre an der Dusche wirkt. Dieses blaue Teil ist aber aus Wasser gemacht, also ein Wasservorhang! Das allein fände ich schon genial und witzig, aber noch besser finde ich die Art und Weise, wie er es gemacht hat: die Wassertropfen, Wasserschlieren sind in Blau mit der fast trockenen Rolle abgewalzt worden. Hier sieht man schon zwei wichtige Bellmann-Charakteristika auf einmal: Witz und Erfindungsgeist. Denn Franz Bellmann verwendet immer wieder neue und andere Techniken.

Ein weiteres Beispiel: „Umbruch“, Foto Manfred Rinderspacher

Wir bleiben in der Reihe und sehen dort „Park in Blau II“. Auf blaugefärbtem Grund hebt sich links eine Art abstrahierter Baum ab, dahinter oder daneben sehen wir vorwärtsstrebende Dreiecke, die Beete andeuten können. Dahinter steckt eine sehr originelle Technik: Franz Bellmann fertigt sich Schablonen, mit deren Hilfe er bestimmte Formen wiederholen kann. Diese Muster können umgekehrt scherenschnittartig wirken und sie erinnern manchmal an Kunst aus den 50er Jahre, an Grafiken von HAP Grieshaber oder die Arbeiten von Pablo Picasso. Aber Bellmann setzt die Schablonen originell ein, so wie man es bei anderen Künstlern noch nicht gesehen hat.

Wieder sehr witzig ist sein „Minos of Taurus“ (direkt darunter): Achten Sie unbedingt auf die Titel, die immer beziehungsreich sind, hier wird der Minotaurus aus der griechischen Sage zerlegt und eine eigenartige Stierdame mit dicken roten Lippen und roten Hufen daraus. Sehenswert ist unbedingt das flauschiges Fell, das der Künstler der Stierdame mithilfe seiner trockenen Walze schenkt.

Ganz anders ist das Bild „Wie wird man am besten verrückt“: Oben und unten zwingen breite, rote Streifen das mit Letrasetbuchstaben angerichtete Chaos zusammen. Letrasetbuchstaben kennen wahrscheinlich heute gar nicht mehr alle, die Buchstaben und Zahlen zum Anreiben hat Bellmann hier sehr schön angeordnet: Wie sich die Zahlen berühren, wie sie leicht aufgelöst sind, wie sie sich überlagern, das wird sehr intensiv und lässt die Angst vor dem Verrücktwerden spürbar werden. Teilweise sind sie einfach nicht komplett angerieben, sondern nur partiell. Interessant für Sie ist hier die Häufung von 0 und 1: Sind das nicht wichtige Zahlen im IT-Bereich?

Kommen wir zur titelgebenden Serie „Geklaut (hier links um die Ecke): Franz Bellmann hat für diese Reihe von Arbeiten in Öl auf Nessel Motive aus der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts kopiert. Aber bei näherer Beschäftigung damit muss man feststellen, dass das so nicht stimmt: Grundsätzlich sind es natürlich Repliken, Kopien von mehr oder minder bekannten Werken der Kunstgeschichte, die Bellmann irgendwann, irgendwo begegnet sind, die ihn angesprochen haben. Aber: Bellmann hat sie zumeist verfremdet und nur in selteneren Fällen ganz übernommen. Und dann handelt es sich dabei um ganz unbekannte Werke, so dass es eigentlich weniger Kopieren im Sinne von geistigem Diebstahl, sondern eher von Bekanntmachen der Kunstwerke ist. So wie bei Rudolf Müllers „Flötenspieler“ von 1935, der hier ganz unten hängt. Ein Mann mit blauen Augen spielt auf der Flöte, daneben glotzt ein Riesenkopf, die ganze Szene ist vollständig surreal, sehr intensiv und völlig unbekannt. Meines Erachtens ist es Bellmanns Verdienst, ganz im Gegensatz zur gängigen Auffassung von Kopie oder Plagiat, dass er dieses Bild promotet, dass er die Betrachter darauf aufmerksam macht, dass ein unbekannter Künstler namens Rudolf Müller 1935 so erstaunliche Dinge malte und dass er es mit dessen Namen präsentiert.

„Hommage à Lucio Fontana“, Foto Manfred Rinderspacher

Ansonsten hat er häufig die Gattung ausgetauscht, so hat etwa Lucio Fontana eine Skulptur produziert und Bellmann malt die Idee, sie wurde so zum Gemälde. Dann hat er mehrfach die Grundidee der Vorlage abgewandelt, etwa bei Joan Mirò: Frau mit drei Haaren, bei Bellmann hat sie vier Haare. Oder bei den Delaunays: Das Gemälde von Sonja und Robert Delaunay gibt es so nicht, Bellmann hat verschiedene Farben und Formen gemalt, die auch von den Delaunays sein könnten, es aber nicht sind. Der Mannheimer Künstler macht sich aber auch lustig über die berühmten Kollegen: Ernst Barlachs „Geistkämpfer“ steht normalerweise als Denkmal in Kiel und hält sein Schwert über dem Kopf. Bellmann hat daraus eine Karikatur gemacht: Der Mann auf dem Gemälde trägt einen Tirolerhut, stützt sich auf sein Schwert und hält in der Hand eine Pistole, deren Kopf wie der Deutsche Michel mit Schlafmütze wirkt. Da könnte man natürlich argumentieren, dass es nicht recht ist, einen toten Künstler zu karikieren, aber wie viele berühmte Kollegen vor Bellmann haben das getan? Denken wir an Marcel Duchamps, der die Mona Lisa von Leonardo da Vinci veräppelte, überhaupt die Mona Lisa: Kaum ein Kunstwerk wurde so häufig angegriffen, da muss es sich auch ein Barlach gefallen lassen. Und wieder ist es so, dass der Künstler eigentlich aufgewertet wird dadurch, dass man sich über ihn mokiert, denn es zeugt von seiner Bedeutung.

Aus dem Zyklus „Geklaut“: Gemalt nach Heinz Braun – „Lieber Idiot als Beamter“, Foto Manfred Rinderspacher

Zwei Beispiele aus dieser Serie möchte ich noch besprechen: das Bild von Heinz Braun: Lieber Idiot als Beamter. Dieses Bild ist wieder sehr beziehungsreich: Den Titel hat Bellmann aus dem „Stern“; der Künstler Heinz Braun wiederum war Postbote und ist schon 1986 gestorben. Er hatte sein Postbotenbeamtendasein irgendwann leid und wurde Maler. Bei ihm heißt das Gemälde „Kraftakt“, es entstand 1984 und zeigt denselben muskelbepackten Typen, der aber eine Kuh durch die Luft schleudert, nicht ein Schwein wie hier. D. h. Bellmann hat das Original wieder ein bisschen verändert und mit dem Titel, der immer wichtig ist, in den für ihn wesentlichen Zusammenhang gestellt. Und dieser Zusammenhang wertet auch den anderen Künstler wieder auf, der sein Beamtendasein an den Nagel gehängt hat, um Maler zu werden, so wie Bellmann den sicheren Job bei ABB aufgab..

Jean Dubuffet – „Lalbinos“, Foto Manfred Rinderspacher

Das andere Bild, das ich noch besprechen möchte, ist von Jean Dubuffet, es hängt auch an dieser Wand. Jean Dubuffet ist ein großes Vorbild von Franz Bellmann und war der Verfechter und Erfinder der Art brut, der rohen Kunst, damit ist die Kunst von Kindern, Geisteskranken oder außerhalb der Gesellschaft stehenden Menschen gemeint. Dubuffet kam in den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts, also vor dem 2. Weltkrieg, zu dem Schluss, dass diese Kunst wie kaum eine vorher geeignet sei, das heutige Leben auszudrücken, denn nicht die akademischen Riten an den Kunstschulen, nicht der Kommerz mit Auftraggebern und deren teilweise absurde Vorstellungen interessierten ihn. Seine Orientierung an Kinderzeichnungen teilte nach ihm die Gruppe COBRA, genannt nach den Städten Copenhagen-Brüssel-Amsterdam, in denen die Künstler Asger Jorn, Karel Appel, Constant, Corneille u.a. sich 1948-1951 einer freien und sehr bunten Malerei widmeten. Und eine solche macht auch Franz Bellmann und das sehr, sehr gut, wie ich finde. Schauen Sie sich etwa das Bild rechts hinter dem Eingang von dem Büro hier rechts an: Ich habe es „Indianerbild“ getauft wegen des Indianers rechts, links ist der Häuptling zu sehen, der witzigerweise ein schwarz-rot-goldenes Stirnband trägt. Alle sogenannten Fensterbilder in diesem Raum sind lebhaft bunt in fast reinen Farben gemalt: Rot, Blau, Grün, Gelb. Franz Bellmann sagte mir, dass er seine Farben nicht auf der Palette mische, sondern auf dem Bild selbst. An diesem Gemälde können Sie auch Malerei pur erleben: wie etwa an der Figur links oben ein Stück Leinwand freigelassen ist, wie sich die Farbe pastos verdichtet und dann wieder ganz dünn auftritt, entweder mit Malöl verdünnt oder abgestreift, das ist alles ganz stark, lebhaft, lebendig und kraftvoll. Oder wie Bellmann einen einzelnen Kopf in dem Zimmer aus verschiedenfarbigen Schlieren mit dem Spachtel aufträgt, das ist ganz frei und ganz unabhängig von anderer Kunst entstanden und auch so zu sehen und zu bewerten.

Ähnlich verhält es sich mit seinen „Figurativen Zeichnungen“ in dem Zimmer links neben dem Flur: Mit starkem schwarzen Strich auf beigem Papier gezeichnet, frech und witzig. Die drei Figuren, wir könnten sie durchaus auch die drei Grazien nennen, kommunizieren nicht miteinander, stehen frontal da, die schwarzen Striche sind mit Titanweiß gehöht, das zeigt ganz deutlich Franz Bellmanns Temperament: Witz und Erfindungsgeist habe ich vorhin genannt, man müsste seinen Sinn für Schönheit noch dazunehmen, auch wenn er es selbst nicht so sieht.

„Zirkuskünstler“, Foto Manfred Rinderspacher, Privatbesitz

Und auch seine großen Gemälde zeugen von Ausdruckskraft, Ideenreichtum und Erfindungsgeist: an dem „Zirkusbild“ kann man sehen, wie er mit dem Pinselstiel in die noch nasse Farbe gezeichnet hat, eine originelle Variante der Zeichnung in der Farbe.

Zum Schluss möchte ich Ihnen noch ein sehr stimmiges Zitat von Jean Dubuffet mit auf den Weg geben, das wie ich meine, sehr gut zu Franz Bellmann und seiner Kunst passt. Jean Dubuffet, der große Art brut Künstler, sagte einmal:

„Die Malerei arbeitet mit Zeichen, die nicht abstrakt und unkörperlich sind wie Wörter. Die Zeichen der Malerei sind den Gegenständen selbst sehr viel näher. Darüber hinaus manipuliert die Malerei Materialien, die selbst wiederum lebende Substanzen sind. Deshalb erlaubt sie es uns (die Malerei), in der Annäherung an Dinge und deren Beschwörung viel weiter zu gehen, als Worte dies tun.“

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und viel Spaß beim Betrachten der Bilder.

Dr. Susanne Kaeppele

Areal der ehemaligen SickingerSchule liegt brach

Derzeitiger Bauzustand auf T4/T5 (30. Juni 2017)

 


WIR fassen die drei nachfolgend genannten Seiten aktuell zu einem stellvertretenden Bericht zusammen!

Die drei aufgeführten Seiten↓ wurden GELÖSCHT und sind nicht mehr aufrufbar!!!


1.)  Ein letzter Blick: SICKINGERSCHULE Mannheim

2.)  Endgültig fini: SICKINGER (WERK-REAL) SCHULE Mannheim

3.)  Sickingerschule Mannheim – archäologische Grabungen T4/T5, Führungen: Dr. Klaus Wirth


Die folgenden Informationen stammen aus der gelöschten Seite N° 1

Heute ist das Quadrat eine Brache, die so vor sich hin schlummert, wir zeigen, wie es dazu kommen konnte, mit Bildern vom Abriss und einiges mehr:

Impressionen vom Abriss der Sickingerschule in den Quadraten T4/T5 in Mannheim, Fotos ohne Kommentare, DieRedaktion.

Infos unter:

http://www.mannheim.de/nachrichten/sickingerschule-schliesst

http://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Anton_Sickinger,

Graffiti in der Sickingerschule auf facebook – addictz.de

„Bei einer Veranstaltung des CDU Arbeitskreises Stadtentwicklung war zu hören, dass man sich gegen eine Aufwertung der Östlichen Unterstadt ausspricht. Es geht um das Schaffen einer Grünfläche in T4/T5, (MIT – Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU), (…) dem Viertel drohe ein Abrutschen in Jungbusch-Verhältnisse.“

D i e   S c h u l e   w i r d   g e s c h l i f f e n

Ein Blick auf das Gelände T4 / T 5 in Mannheim²

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Materialverwertung, meist Eisenschrott, auch Holz und Kunststoffe; Stahlbeton wird recycelt

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Graffitis

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Die Gewalt der Geräte

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Die folgenden Informationen stammen aus der gelöschten Seite N° 2

Der Erdaushub hat schon begonnen. Der Abriss nahezu beendet. Eine kurze Foto-Session der Überbleibsel. Die Schleifung der StahlBetonSchule dauerte über ein Vierteljahr. Ein komplettes Mannheimer Quadrat liegt jetzt brach. WIR versuchen, die anstehenden Arbeiten bis zur Fertigstellung der Neubauten zu begleiten. Alle Aufnahmen: DieRedaktion.

      

    Rückgewinnung von Rohstoffen: Glasbausteine, DSC08877

     

BauArbeiterAmbiente

WIR werden wieder kommen. Auf ein Wiedersehen. Bis zum Wiederaufbau

↑Dieses Foto wird es kein zweites Mal geben
↓Erdaushub in T 4/T5: Am Beginn einer neuen Zeitrechnung


Die folgenden Informationen stammen aus der Seite N° 3

Dr. Klaus Wirth,

Abteilungsleiter Archäologische Denkmalpflege und Sammlungen, Reiss-Engelhorn-Museen,

stellt dem interessierten Publikum die Grabungsarbeiten vor:

Dr. Klaus Wirth bei der Einführung für die Besucher der Grabungsstätte T4/T5, im Vordergrund  Dr. Esther Baumgärtner (li.) vom Mannheimer Quartiermanagement Unterstadt

Es folgt ein kleiner Fotobericht, ohne Kommentar.

↑Panorama-View auf U4/U5/T6
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     DSC09483     DSC09488

     

     

     

Panorama View auf U4/U5

Alle Aufschlüsse sind mittlerweile wieder verfüllt.

Ausführliche Informationen:

Dr. Klaus Wirth
Abteilungsleiter Archäologische Denkmalpflege und Sammlungen
Reiss-Engelhorn-Museen
Büroadresse: D 6.3, 68159 Mannheim
Postadresse: Museum Weltkulturen D5, 68159 Mannheim
phone +49 (0) 0621-293.3168
fax      +49 (0) 0621-293.3170
mobil:             0162-2938768
klaus.wirth@mannheim.de
www.rem-mannheim.de


Aktualisierung vom 21.09.2014, Nachricht von Dr. Esther Baumgärtner vom 10.09.2014:

Liebe Netzwerker,

am Montag, 29.09.2014 um 16.00 Uhr treffen wir uns noch einmal zur Vorbereitung unseres 1. Kulturspaziergangs 2.0 unter dem Motto Kunst und Kulturen.

 Unsere TOP’s:

          Detailplanungen 1. Kulturspaziergang 2.0 am 14.10.2014

          Öffentlichkeitsarbeit

          Vorüberlegungen 2. Kulturspaziergang 2.0

Ganz herzlich möchte ich Sie dazu in den Besprechungsraum im Erdgeschoss von K 1, 7-13 einladen.

Mit besten Grüßen

Esther Baumgärtner

+++ Unsere neue Mailadresse: e.baumgaertner@ma-unterstadt.de +++ Homepage: http://www.ma-unterstadt.de+++

 Dr. Esther Baumgärtner

K 1, 7-13 I 68159 Mannheim

Tel: 0621 293 – 3476

Mail: e.baumgaertner@ma-unterstadt.de

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Reisen ins Umland: LADENBURG

Ladenburg braucht man nicht mehr zu fotografieren, nicht mehr zu filmen. Zumindest das Alltägliche ist reproduziert. Ladenburg bietet die entscheidende Kulisse für gut belichtete digitale Fotos und Filme, was gibt es nicht an Broschüren, Werbeblättern und Verlautbarungen. Selbst der Stadtplan quillt davon über. Der historische Stadtrundgang: eine bebilderte Augenweide. ›Ladenburg – Leben und Erleben‹ heisst es kurz und prägnant voller Fotografenlust. Und Veranstaltungen das Jahr über: jede Menge.

So dachten wir uns halt: »Weniger könnte vielleicht mehr sein« und beschränken uns im Artikel N° 1 über Ladenburg auf private, berufliche und geschäftliche Hinweise bzw. Hinweisschilder, die es eben in der vorgefundenen Art nur in Ladenburg gibt. Wenn es bisweilen leicht werbemässig daherkommen mag, wir gehen lässig darüber hinweg.

Hier der erste Wandanschlag:

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Da die jeweiligen Aufnahmen zum Beispiel übers Internet oder durch Spaziergänge durch die Ladenburger Altstadt jederzeit zugeordnet werden können, ersparen wir uns bzw. unterbleibt eine exakte Ortsbeschreibung. Obiger Hinweis befindet sich natürlich in Kanzleinähe.

Wie ein Wirbelsturm geht die Fotografie über uns hinweg. Gefräßigen Heuschrecken gleich verlassen Fotoapparate die Fabriken. Überall macht es klick, wir klicken mit und bekommen Appetit, einen Leo wollen wir nicht verspeisen, vielleicht werden im Restaurant ›Zum Goldenen Löwen‹ seine in feine Scheiben geschnittenen Hoden gereicht, sie sollen ja – wie mündlich überliefert – der Steigerung der männlichen Potenz dienen, wie bei Viagra, aber auf natürliche Art und Weise; oder müsste man diese wundersame erigierende Wirkung nicht besser den Geschlechtsteilen der Säbelzahntiger zuschreiben? … 

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So drehen wir Runde um Runde, neben mir eine Voyeurin mit silbernem Kasten zwischen Hand und Auge; die vermeintliche Konkurrenz. Ihr Alter dirigiert sie, hebt den unvermeidlich gewordenen Zeigefinger, den wir aus der Politik so gut kennen, und schon sichert sie ein neues Objekt: einen Wasserturm. Da wollen wir nicht hintanstehen, und knipsen ebenfalls, gehört er nun mal in Verbindung mit der Stadtinformation zu den vielen Wahrzeichen von Ladenburg. Und wie bei sogenannten biblischen Foto-Katastrophen zu unserem Artikelschwerpunkt der Hinweisschilder prompt gesehen und erkannt!!! Dazu ein paar kleinere aber zu vergrösserndere Aufnahmen aus der unmittelbaren zentralen Umgebung des mittelalterlichen Ortes:

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Dass wir Werbung machen für eine Musikgruppe und einen Künstler sei Hinweis genug!!! Und einige Millionen Euro gewinnen, ist wöchentliches Handwerk nicht nur von Kunden und Spielern, der Staat verdient durchaus kräftig mit. Klaro, anhand der reproduzierten Aufnahmen wird ersichtlich, wie abhängig wir von Hinweisen geworden sind. Man denke nur an die Beipackzettel der pharmazeutischen Industrie. Oder an Bedienungs- bzw. Gebrauchsanleitungen. Oder an Interpretationen von Gesetzen und deren Auslegung… Hinweise endlos.

DSC07964 - Arbeitskopie 2Die Pilze, siehe Bild Mushroom, sind – zur Vorsicht sei es erwähnt – nach wie vor atomar vergiftet!!! Und werden es bleiben!!! Zumindest in Gebieten starken radioaktiven Fallouts nach Tschernobyl. Kann es einen deutlicheren Tipp geben???

DSC07969 - Arbeitskopie 2Den Wettergockl fotografierten wir auf dem Heimweg von Ladenburg nach Mannheim bei Neckarplatten. Dazu gehört auch diese unsägliche Kleingartenkultur mit den Ton- und Plastikfiguren↓:

Hinweis auf nicht gering zu achtende Bewußtseinsorientierung
Hinweis auf nicht gering zu achtende Bewußtseinsorientierung

 

Wichtige Infos und Tipps zur besseren Orientierung in der Kleinstadt Ladenburg, zum Beispiel für Zecher, sind die Schilder für Biergärten (Beispiel beim Goldenen Hirsch). Für Kauf- und Konsumlustige finden sich originelle Beispiele (Domhof Galerie). Extravagante Briefkästen zählen schon immer zu unseren Faibles. Mode und Frisur sollen nicht unerwähnt bleiben↓.

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Spannend wird es beim Bildhauer Karl Ulrich Nuss aus Weinstadt-Strümpfelbach. Ihn kennen wir aus Feudenheim, einem Vorort von Mannheim. Eigentlich sollte sein Ladenburger Hauptwerk (Brunnen am Domhofplatz) einem zweiten Bericht über Kunst vor Ort vorbehalten sein, aber wir machen doch noch ein bisschen Schleichwerbung, so nach dem Motto: Die Zeit heilt alle durch Streitereien hervorgerufene Wunden↓:

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Wir möchten zum Ende des Berichts weitere Fotozeichen setzen zu unseren Schildern und Hinweisen↓:

Für Anregungen und Kritiken sind wir sehr dankbar. Nur Mut bei der Nutzung der Kommentarfunktion. Und tschüss…

Spezialinfo zum Schluss – Ausstellungseröffnung in Ladenburg: siehe Foto links, daneben die Örtlichkeit…

Die angegebenen Daten (Terminangabe) auf dem ersten Bild unten sind mit Vorsicht zu geniessen!!!

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Reise ins Unbekannte: HOMBURG (Saar)

Die Homburger Meinung

Gründonnerstag, 17.04.2014

Eines muss für immer und ewig klar sein: hier bei uns in Europa sind wir gnadenlos durchorganisiert. Jawohl, das erleichtert das Leben. Auch wenn einige meinen, sie müssten Quatsch machen. Das ist schändlich, sehr schändlich, wenn nicht gar verwerflich. Das muss bestraft werden. Banken-Spekulationen auf Kosten von Steuerzahlern und Staatsgeldern – nein! Steuerhinterziehung – viele Jahre über ein Kavaliersdelikt – wird inzwischen so behandelt, wie sie behandelt werden muss. Wer unseren Staat betrügt, betrügt unsere Gesellschaft. Er betrügt Dich und Mich! Letztendlich betrügt er sich selbst: 3 1/2 Jahre Knast. Mindestens. Und keine Erholung; und keine Kneipp-Kur. Abspecken ist angesagt, nicht nur körperlich: geistig. Herr Gott: Ich habe gesündigt!!! Am Vorabend der Kreuzigung Jesu, nein, schlimmer kann’s nicht sein. Wurden sie nicht ans Kreuz genagelt: die Hinterzieher, die Betrüger, die Schleimer und Einflüsterer, die Separatisten??? Da gehörten viele hin. Und Schäuble wollte sie begnadigen, das muss man sich mal vorstellen, Schäuble wollte Verbrecher begnadigen, Gnade von höchster politischer Stelle, statt Verfolgung und Aburteilung… Zahl Verbrecher, zahl. Und du wirst frei sein für ewig und immerdar.

Infos siehe Text rechts
Infos siehe Text rechts

Lassen wir das, dass der Mensch schlecht ist, sauschlecht ist: ist zur Genüge bekannt. Und wird der Kampf um Freiheit und Rechte für alle nicht seit Jahrhunderten gelebt? In Homburg existiert ein Brunnen, der diese Historie vergegenwärtigt: ›Der Freiheitsbrunnen‹.

Eingeritzt in Bronze steht geschrieben: »ZUR ERINNERUNG AN DAS VON SIEBENPFEIFFER UND WIRTH AUSGERUFENE HAMBACHER FEST 1832 UND DIE DEUTSCHE EINHEIT 1990 GESTALTET VON BONIFATIUS STIRNBERG IM AUFTRAG DES STADTRATES HOMBURG IM OKTOBER 1992 REINER ULMCKE OBERBÜRGERMEISTER«

Wir haben bewusst nur obigen Ausschnitt gewählt, da die Brunnenanlage schwierig zu fotografieren ist. Siehe Infos im Artikel XX 6 Mini über die Wegbereiter der Demokratie.

DSC07494 - Arbeitskopie 2Auch der neugierig-interessierte Lesende – in Bronze gegossen – ist DerRedaktion bereits in Neustadt an der Weinstrasse in einer etwas abgewandelten Ausführung bekannt geworden. Info unter: XX 14 Mini. Wie in Neustadt fanden wir vor der Stadtbücherei von Homburg keinen Hinweis auf den Urheber des Kunstwerkes. Dass die Gegend mal zu Bayern zählte, ist lange her. Man stelle sich vor, das wäre heute noch so; und Seehofer wäre der Landesherr. Da gäbe es höchstwahrscheinlich jede Menge Münchner Großstadtatmosphäre in Homburg.

So langweilt uns die karge und wenig persönliche Note verströmende bayernlose Örtlichkeit und wir radeln nach Zweibrücken, wo’s genauso langweilig sein wird, wie in Homburg, das ich in meinen ungenügenden geografischen Vorstellungen irrigerweise mal für ein Kurbad hielt. Schwarzenacker und Einöd nicht der Rede wert.

DSC07499 - Arbeitskopie 2Nur als Beweis, dass wir am 17.04. 2014 auf Stadtbesichtigungen verzichteten und uns stattdessen zu einer ca. 50 km lange Radtour entschlossen, ein Foto von einer etwas anderen Wandgestaltung als der heute so üblichen und meist üblen Spühdoserei. Das mag sehr konservativ klingen: Wir haben nichts gegen Wandmalereien. Dazu gibt es auf unserem Blog einige Beispiele; erstens und zweitens und so weiter und so fort.

Wir kurven herum, der Radwanderweg muss immer wieder gesucht und erfragt werden. Mitunter findet sich eine gut sichtbare Kennzeichnung nicht, bzw. sie lässt zu wünschen übrig, weil verdreckt und bemoost. In bergigen Regionen behalten die Menschen das Rad eher zu Hause in der Garage oder im Keller… Und der Normalo reist lieber in Gruppen auf Schusters Rappen. Die Hügel bekamen wir zu spüren, das ist schon heavy, wenn man kein Tour de France Teilnehmer ist und sich allein ohne Zugpferd den Hand hinauf quälen muss. Am Ende steht immer die Abfahrt (falls es keine Zielankunft oben am Berg gibt). Wir haben heute keine Ankünfte, außer der in Pirmasens, und rasen und treten wie die Irren der Frankreich-Tour zu Tal, dass der Lenker und die Arme vibrieren.

Landschaftlich-dörfliches Idyll Richtung Einöd
Landschaftlich-dörfliches Idyll Richtung Einöd

 

Hübsches Anwesen auf dem Weg nach Zweibrücken
Hübsches Anwesen auf dem Weg nach Zweibrücken

Wenn das so geblieben wäre, hätte ich mir keine Sorgen machen müssen. Das Bild täuscht, es ist schon eine sehr zerfranste Gegend. So ne Art Vierländereck: Saarland / Rheinland-Pfalz / Lothringen / Luxemburg. So dampfen wir möglichst geschwind an Zweibrücken vorbei, quer hindurch und weg: Richtung Contwig, entlang dem Schwarzbach. Nun, wahrscheinlich unterliege ich einem Vorurteil, was die Ortschaften angeht. Aber heute war die Radl-Lust größer als irgendwelche Ortsbegehungen. Und aus der relativen Ferne betrachtet gab’s kaum Reizpunkte. Auftauchen werden wir hier so bald nicht wieder, es sei denn unter Anleitung und Führung. Und das nicht nur als Tagestour. Denke schon, dass es einiges zu entdecken gibt. Die Raritäten, so kommt es uns vor, liegen weit verstreut in der Landschaft und in den Orten und Städtchen verborgen. Da bedarf es zusätzlich eines Mopeds mit Sitzbank für eine Begleitperson, damit die Unternehmung nicht zu einöd wird. Nun gut, egal, die Zweibrücken Stadt liegt hinter uns und wir erreichen endlich Contwig. Zuvor noch ein paar Eindrücke so nebenher:

Herzogplatz in Zweibrücken
Herzogplatz in Zweibrücken am Schwarzbach, wo wir am Ufer entlangfahren nach Contwig…

So richtig interessant und spannend wurde es an der Kreisstrasse 6 (K 6). Bei Windsberg. Zu Pirmasens gehörig, Stadtteil. Bunker in Pfälzer Erde. Aus den 30er / 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Später Lagerstätten der Amerikanischen Armee. Versorgungsgüter, wie zu hören war; falls wir jemals wieder in diese Gegend kommen sollten, werden wir um die Schlüssel bitten; ↓Aufnahmen von Bunkereingängen:

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Die Region längs des Westpfalz-Radwanderweges besitzt viel landschaftlichen Reiz, oft allerdings getrübt durch mittelschwere Umweltsünden:

Das ist unserem Pfälzer Großbauern nicht so wichtig. Er bewirtschaftet das umliegende Land und ist ein ausgemachter Fan Steyrischer Traktoren, Motoren und anderer landwirtschaftlicher Gerätschaften, er kam grad von der Feldarbeit (Dünger verstreuen):

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Irgendwie gelangten wir nach Pirmasens, am frühen Abend. Der Regionalzug nach Kaiserslautern stand abfahrbereit auf Steig 1. Ich konnte locker zusteigen. DieRedaktion meldet sich morgen, um den Artikel abzuschliessen, Frohe Ostern…