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Mahnwache (Wahnmache) vor „Dosengrab“ in Heidelberg

Dieses Dosenmahnmal gegen Umweltverschmutzung, genannt „Der Dosensarg“, wurde Anfang der Neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts konzipiert und 1993 in Heidelberg vor dem Riesenhaus mit genau 1001 Sargdosen in der Fussgängerzone zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert. Mit dabei zeigten sich dosenverkleidete KünstlerInnen und engagierte Bürger am Anatomieplatz. Stelen, die manche für Kerzenständer hielten, formten den Auftritt zu einer kleinen Beerdigungszeremonie. (Siehe mehrere Artikel im MM, der RNZ, usw., Auszüge folgen, die Aktion fand am 17.11.1993 statt, DieRedaktion.)

Alle Aufnahmen dieser Galerie mit freundlicher Genehmigung durch Manfred Rinderspacher, DieRedaktion.

Mannheimer Morgen in Kultur Regional vom 23.11.1993, Die hohe Kunst der sinnvollen Abfallverwertung:

…Für die Performance „Dosenglück„…hatte Bellmann die ausgebrauchten Blechbehälter zu kuriosen Gehängen verarbeitet, die an den Kopfputz von Indianern erinnern…Mit der Anhäufung…stellt der Künstler die Gewohnheiten unserer Konsumgesellschaft auf originelle Weise in Frage.

RHEIN-NECKAR-ZEITUNG vom 22.11.1993

…Mit dieser Aktion wollte der Künstler vor dem sorglosen Umgang mit Ressourcen und einer Müllinflation warnen…

(Der copy-right Stempel der obigen Konstruktionszeichnung stammt aus der Zeit in der das Werkverzeichnis – WVZ – geschrieben wurde, DieRedaktion.)

Antrag bei der Stadt Heidelberg, Amt für öffentliche Ordnung, Sondernutzung Fussgängerzone, vor dem Riesenhaus, Performance „Dosenglück“ mit Mahnwache am Dosengrab

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit bitte ich Sie um Erlaubnis, am Mittwoch, den 17.11.1993 (Buss- und Bettag) mit meiner Performance „Dosenglück“ von ca. 14:00 Uhr (Aufbau) bis ca. 16:30 Uhr (Abbau) in der Heidelberger Fussgängerzone gastieren zu dürfen.

Erstellt wird ein Hügelgrab aus 1001 Dosen verschiedener Hersteller (z. B. von Fruchtsäften, Erfrischungsgetränken, Bieren etc.), welches nach den beiliegenden Unterlagen aufgebaut wird.

Nach erfolgtem Aufbau des Dosenhügels soll eine 30 Minuten dauernde Mahnwache abgehalten werden, an der drei Personen beteiligt sind, welche jeweils ein bizarr anmutendes Körpergehänge, wiederum aus Getränkedosen hergestellt, tragen. Die Gehänge setzen sich zusammen aus je einem Dosenhelm unterschiedlicher Anfertigung, sowie den zugehörigen Schleppen, die an den Helmen befestigt werden.

Nach Beendigung der Wache (spätestens gegen 16:00 Uhr) werden die zur Stabilität des Dosenhügels am Boden befestigten Vierkanthölzer gelöst, sodass der Hügel seitwärts auseinander rollt.

Danach werden alle zur Verwendung kommenden Blechdosen wieder eingesammelt und der Platz, wie angetroffen, verlassen.

Mit der Bitte um Genehmigung und freundlichen Grüssen…Unterschrift, Anlagen.

(Das vorliegende, handgeschriebene Schriftstück ist nicht datiert, es muss Anfang/Mitte Oktober 93 verfasst worden sein, DieRedaktion.)

Zwei Schreiben der Stadt Heidelberg, Amt für öffentliche Ordnung vom 20.10.1993 und 08.11.1993

Sehr geehrter Herr…,

nach § 16 Strassengesetz…wird Ihnen in jederzeit widerruflicher Weise die Erlaubnis erteilt, am Mittwoch, dem 17.11.1993…zu nutzen. Bedingungen, Auflagen, Hinweise, Sondernutzung, Gebühr, Verwaltungsgebühr,…Wir bitten, die Gebühren erst nach Übersendung der Zahlungsaufforderungen zu entrichten. Rechtsbehelfsbelehrung…Unterschrift. Anlage: Genehmigungsausweis, Hinweise für Berechtigte.

Sehr geehrter Herr…,

gemäss…erteilen wir Ihnen die Erlaubnis…mit Ihrem Fahrzeug KA-EE 519 und KA-A 6905 oder MA-DP 354 öffentliche Verkehrsfläche im Fussgängerbereich Altstadt zu befahren…

Zu dem Auftritt in Heidelberg liegen uns mehrere Dokumentationsfotos vor, die allerdings noch digitalisiert werden müssen, Geduld, DieRedaktion.