Gabi Haag

Smartphone ade?

Fast jeder Bundesbürger hat inzwischen eins. Diese üppig ausgereifte Frucht der Informationstechnologie, dieser handliche  Alleskönner, ist weltweit bei über 2,5 Milliarden Menschen verbreitet. Er erscheint nicht nur jungen Menschen als äußerst schmackhaft, sondern wird auch von Senioren gern genutzt  Die korrekte Handhabung erfordert allerdings geschickte Finger und gute Augen, denn die Tastatur ist zierlich und das Bildformat auf ein Minimum beschränkt. 

Ich selbst nutze diese kleine Intelligenzbestie hauptsächlich zum Telefonieren, Fotografieren und für WhatsApp-Kontakte mit Freunden. Notgedrungen muss ich mit dem Smartphone auch meine Bankgeschäfte erledigen, weil meine Internetbank das voraussetzt. Alle anderen Funktionen, die wohl auch nützlich sind, delegiere ich an meinen Computer, weil dies für mich viel komfortabler ist. Weitgehend unbehelligt von Außenreizen, bequem an meinem Schreibtisch sitzend, kann ich am PC konzentriert lesen, schreiben, mich informieren oder in meiner Bildergalerie stöbern. Auch Kaufangebote im Internet lassen sich in aller Ruhe vergleichen und übersichtlich handhaben und bestellen.  

Mehr als 80% der Menschen, die mir in der Stadt begegnen, schauen mir nicht mehr ins Gesicht, sondern auf ihr Smartphone. Selbst wenn sie ein Headset im Ohr und das Handy in der Tasche haben, sind sie mit mehr als der Hälfte ihrer Persönlichkeit abwesend. Sie geben der Kommunikation mit fernen Gesprächspartnern den Vorrang. Das, was direkt vor ihren Augen liegt, nehmen sie nur insofern wahr, als es ihnen noch gelingt, einer tatsächlichen Begegnung oder einem Zusammenstoß rechtzeitig auszuweichen. 

Mir ist das Smartphone nicht nur wegen seiner fast unbegrenzten Funktionalität unheimlich, sondern auch deshalb, weil durch seine intensive Nutzung menschliche Fähigkeiten allmählich verloren gehen. 

Die Orientierung im Raum erledigt Google Maps. Die Orientierung in der Zeit ist mittels Uhr, Kalender und Taschenrechner ebenfalls kein Problem.

Menschliche Kommunikation mit gleichzeitig allen Sinnen reduziert sich auf die Informationen, die das Smartphone hergibt. Gefühle sind das nicht.

Über QR-Codes werden auf eine dem Menschen unverständliche und unzugängliche Weise Informationen transportiert, die sich der Kontrolle durch den gesunden Menschenverstand entziehen.

Durch die zunehmende Digitalisierung der Welt , die das Smartphone hervorgebracht hat, findet ein Prozess der Entfremdung vom eigentlichen Menschsein statt. Der Gebrauch von Smartphones fördert zwar einerseits die global vernetzte Kommunikation von Menschen über sämtliche Grenzen hinweg, andererseits liegt in seiner Nutzung auch die Gefahr der unkontrollierten Datenübertragung von Informationen nicht nur privater Natur. Auch hat die ständige Verfügbarkeit, die mit dem Benutzen des kleinen Gerätes einhergeht, ihre Schattenseiten. Man kann nicht in Ruhe und Gelassenheit bei einer gerade aktuellen Tätigkeit bleiben, weil man ständig unterbrochen werden kann. Die so verzettelte Energie verbraucht psychische Resoursen und führt schlimmstenfalls zu entsprechenden Erkrankungen.

Klaut mir jemand mein Smartphone oder ich verliere es, bin ich aufgeschmissen. Wichtige Daten sind verschwunden und damit Informationen ein für allemal verloren, die ich zu meiner privaten Lebensführung unverzichtbar benötige. Kontaktadressen, Telefon-nummern, Bilder von erlebten Szenen, Spuren vergangener Kommu-nikationsereignisse sind dann entweder in fremden Händen oder eben ganz weg. 

Zweifellos ist ein Smartphone auch bequem und in vielerlei Hinsicht nützlich. Diese praktischen Vorteile überlagern die ethischen und sozialen Gesichtspunkte jedoch in einer gefährlichen Weise. Das gesamte Gefühlsleben eines Menschen wird umgewandelt in Bits und Bytes, die einem realen Kuss oder einer realen Umarmung nicht das Wasser reichen können. Die menschliche Fähigkeit, Empathie zu empfinden und real auch zu leben, gerät zunehmend in den Hintergrund. Es findet eine Verrohung der Umgangsformen statt. Missverständnisse und Fehlinterpretationen sind an der Tagesordnung. Hasstiraden, Drohungen und Verschwörungstheorien verbreiten sich in Windeseile vorwiegend über die sozialen Netzwerke. 

Wie konnte es dazu kommen ? Das gesamte Feld der Digitalisierung beinhaltet unwiderruflich einen Prozess zunehmender Entmaterialisierung, der in esoterischen Kreisen in Zusammenhang mit den Charakteristika des Wassermanzeitalters gebracht wird. Papierkram verschwindet, Wälder brennen ab, Tiere sterben aus, Bargeld ist bedroht, das Gletschereis verflüssigt sich. Dürren und Überflutungen machen menschlichen Überlebensraum zunichte. Rohstoffe gehen durch exzessive Nutzung durch den Menschen allmählich zur Neige. Der sogenannte Klimawandel – welch eine zärtliche Umschreibung der sich anbahnenden Klimakatastrophe ?! – treibt die Umwandlung natürlicher Gegebenheiten in rasendem Tempo voran. 

Das bisherige Wissen der Menschheit – das durch ein Smartphone leicht abgerufen werden kann – füllt nicht mehr Bibliotheken, sondern passt auf  einen USB-Stick.  Ob durch die Auslagerung von Wissen dem menschlichen Gehirn durch Unterforderung Schaden zugefügt wird sei dahingestellt bzw. erscheint (mir) naheliegend. Eigenständiges Denken und Schlussfolgern werden jedenfalls nicht gefördert.

Durch die aktuelle, weltweite Corona-Pandemie und deren Folgen wird dieser Auflösungsprozess gefördert und beschleunigt. Neben den gesundheitlichen Aspekten sowie den zahlreichen Todesfällen sind es vor allem die wirtschaftlichen und sozialen Effekte dieser „Heimsuchung“ (!), die gewohnte Strukturen auf allen Ebenen zerbrechen.  

In der Astrologie wird diese Zerstörungskraft dem Planeten Pluto zugeschrieben. Dieser steht zur Zeit noch über Jahrzehnte hinaus im Tierkreiszeichen des Steinbocks, welches u.a. für das Strukturgebende zuständig ist. Wenn man auf diesem kosmischen Hintergrund das Weltgeschehen betrachtet und interpretiert, erscheinen viele Ungereimtheiten, die sich aus einer rationalen Betrachtung von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ergeben, verständlich.

Mir selbst scheint es so, als habe Gott bei seinem Ausatmen die Welt der Erscheinungen geschaffen und nimmt sie nun beim Einatmen wieder zurück. Das Universum, die Zeitalter, die Dimensionen von Raum und Zeit dürfen sich gegenwärtig in einem allmählichen Prozess des Dahinschwindens transformieren.

Wohin? 

Diese Frage können nur die Religionen beantworten. Es ist eine Frage des Glaubens oder der metaphysischen Einsicht, wie man sich das Göttliche vorstellt. Jesus Christus z.B. sagt jedenfalls: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“. 

Vielleicht kommt die Menschheit ja letztendlich wieder dahin, von wo sie hergekommen ist: als Sternenstaub in den Weiten kosmischer Unendlichkeit. 

Verantwortlich für diesen Artikel: Gabriele Haag

Vielen Dank für die Genehmigung der Veröffentlichung!