Im Mannheimer Bannes: Update Juli 2017

04.07.2017 Ergänzungen: vom letzten Spaziergang auf der Reiß-Insel



Wir schreiben das Jahr 2014; Ende Juli. 

Gut zehn Monate sind ins Land gegangen seit der Erstveröffentlichung; der Rhein steht hoch zurzeit und der Rundweg auf der Reißinsel ist vom Wasser blockiert; jetzt gibt es neue Bilder als Ergänzung⇓:


Jahrzehnte brauchte es und die letzten noch übrig gebliebenen Bannwälder der Region wurden derweil geopfert: für eine Südtangente in KA, für Fischerei in Daxlanden; es bedurfte der Einsicht, dem Verständnis, dem Nachgeben. Kein Einschlag mehr. Wurde doch alles abgeholzt im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte. Und der Rhein begradigt. Jetzt wird das Überbleibsel dem Verfall überlassen. Dem Borkenkäfer, irden Fröschen, den Schnecken, den Überschwemmungen. Und der Wiederauferstehung im Restbiotop.

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Wenn der neugierige Besucher Glück hat, dann zeigt sich ihm ein kleines Paradies: Aus Zeiten, die längst passé sind und mit Gewähr nie mehr wiederkehren. Mit ein wenig Ortskenntnis öffnet sich eine Tür zur Vergangenheit, bewahrt von Projekten, die nur noch in die Zukunft schauen möchten.

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Oben: Eingang zur sogenannten Reißinsel. Wie soll es weitergehen?


Nehmen wir die Frage wörtlich! WIR gehen den Karl-Reiß-Weg lang!

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Der Bannes wird von den Forstverwaltungen als ›Urwald von morgen‹ gesehen. Der Natur belässt man alle Freiheiten, sie nimmt sie sich ungestört, abgesehen von einem kleinen Rundweg (und Streuobstwiesen), mit einer Länge von vielleicht vier Kilometern: dem Karl-Reiß-Weg. Es folgen Impressionen entlang der Wanderung:

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Die Kunst der Natur: Baumskulpturen

Der Spazierweg auf der Reißinsel dem Rhein flussaufwärts entlang
Der Spazierweg auf der Reißinsel dem Rhein flussaufwärts entlang

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Paradiesische Zustände für Flora und Fauna. Auch die eingewanderten Indischen Springkräuter fühlen sich in Mannheim wohl. Natur pur. Gegenüber am Rheinland-Pfälzer Rheinufer die moderne Zivilisation. Technik pur.


Nicht umsonst wird zu Beginn des Artikels auf die Öffnungszeiten hingewiesen. Auch dem Graureiher gibt die Verwaltung Lebensraum; und Rheinüberschwemmungen fördern das Biotop, reichlich Fische verbleiben in den Rheinarmen und finden oft den Weg nicht mehr zurück in den Fluss. Da ist der Tisch gedeckt, wenn nicht die Wanderer störten, was ja vorkommt:

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Eine Naturschutzbehörde: die sich kümmert ↓

Behördliche Kennzeichnung von Stolpersteinen mittels Flatterband, hier Metallteile von gestrandeten Schiffen...
Behördliche Kennzeichnung von Stolpersteinen mittels Flatterband, hier Metallteile von abgewrackten Schiffen…

Restbestand eines einst bewirtschafteten Areals, DSC08883

WIR bedauern sehr, dass die dem Häuschen gegenüber stehende Sitzbank (unter drei mächtigen Kastanien) ersatzlos geschliffen wurde, ein Frevel nicht an der Natur, aber von Menschen am Menschen. WIR bitten um Erneuerung!!! Info unter: Meine idyllische Gartenlaube!!!

Verdammt noch mal, wo ist die Bank???!!! Sie war vor einem Jahr total intakt. An anderen Stellen auf der Insel wurden Tische und Bänke erneuert. Hier nicht. Kann man das als Affront empfinden??? WIR verlangen Satisfaktion
Verdammt noch mal, wo ist die Bank???!!! Sie war vor einem Jahr total intakt. An anderen Stellen auf der Insel wurden Tische und Bänke erneuert. Hier nicht. Kann man das als Affront empfinden??? WIR verlangen Satisfaktion …

Update: Blick ins Atelier

Neue Bilder braucht das Land …
Skulpturen
Durchgang Küche – Arbeitszimmer

Atelier, Flurbereich, Foto Manfred Rinderspacher
Atelier, Arbeitsraum, Manfred mit seinen Jazz-Portraits, kurz vor dem Festival 2010, Foto DieRedaktion
Atelier, ein kleiner Teil der Küche, Foto Manfred Rinderspacher

Norbert Koczorski

Weil ich der Deutschen Sprache kaum mächtig bin, lasse ich Norbert den Vortritt. Irgendwann vor kurzem im August 2015 erhielt ich von ihm ein avisiertes Päckchen, darin ein Brief: 

«Hallo Franz! Anbei das versprochene Info Material. Zur Zeit viel Agitprop in Sachen Büchner. Viel Organisationskram, wenig zum Künstlern. Halt viel auch Auf- und Abbau der Ausstellung und Eröffnung mit Politik-Sprech. (…) Kaum dass ich mal zur Zeit sechs Wochen im Atelier bin. Im September geht der ganze Zirkus wieder los. Z. B. Oktober 2015: 2. – 3.10 Köln / 7.10. Berlin / 12. – 14.10. wieder Berlin etc. … Ansonsten geht’s gut, habe eine neue Liebe in Dortmund gefunden und werde demnächst nach Dortmund umziehen, sobald ich da ein Atelier gefunden habe. Wir telefonieren mal … Herzliche Grüße Norbert»

Im Diakonie Magazin Ausgabe Januar 2014 findet sich unter der Schlagzeile «Kunst, die sich mit der Politik reibt» auf den Seiten 10 – 13 ein Gespräch mit Klaus Staeck, Norbert Koczorski und Andreas Pitz über eine Ausstellung zu Armut und Obdachlosigkeit auf Postkarten (Mail Art). Das Interview führte Hannes Langbein.

 Norbert Koczorski (Zitat) zur Mail Art-Ausstellung:

«Sie brauchen ja nur einmal den Fernseher anzuschalten. Damals war die Occupy-Bewegung in aller Munde. Und als ich die Börsianer an der Wall-Street mit ihren Champagnergläsern stehen sah, während unter ihnen die Demonstranten gegen die Finanzkrise demonstrierten, da ging mir die Hutschnur hoch!»

Aber zurück ins 20. Jahrhundert, nach Darmstadt, zu Heinz-Günter Herpel und dessen Freiraum „Kunstpunkt“. Dort anno 1994 liefen wir uns über den Weg. Norbert mail artete schon damals.

Der Ernst des Lebens begann für uns beide in diesem Jahr in Basel, mit unserer gemeinsam geplanten und durchgeführten Performance Boxhenge in Zusammenarbeit mit Alexander Sutor und Jogi Weis, der uns seinen Trabant zur Verfügung stellte:

Flugblatt zum Auftritt von Norbert Koczorski, Scannen0031
Flugblatt zum Auftritt von Norbert Koczorski, Scannen0031
Kunstpostkarten von Norbert Koczorski, Scannen0028
Kunstpostkarte von Norbert Koczorski, Scannen0028
Einladung zur Performance, Scannen0029
Einladung zur Performance, Scannen0029, Entwurf Norbert Koczorski, Franz Bellmann
Norbert Koczorski (Bildmitte) während der Aktion in Basel vor dem Tinguely-Brunnen
Norbert Koczorski (Bildmitte) während der Aktion in Basel vor dem Tinguely-Brunnen, Foto Franz Bellmann

Für den Samstag, den 7. November 1998 organisierte Norbert Koczorski zum 4. Rheingauer Kunstgespräch in Geisenheim ein Happening mit dem Titel «Lügendes – Müllbild». 

Dem Antrag von Norbert Koczorski, gestellt an das Ordnungsamt der Stadt Geisenheim am 3.8.1998, wurde mittels einer Sondernutzungserlaubnis vom 3.11.1998 stattgegeben. 

Im Archiv bei mir lagert so einiges, was reproduzierbar ist, auch zwei Erinnerungsfotos mit dem in Geisenheim wohnenden Karl Dilly, der als Akteur die Performance bereicherte⇓:

Im Rheingau Echo vom 12.11.1998 stand unter „Lügendes Müllbild“ von Franz Bellmann als Performance u. a. zu lesen:

«Die Aktion sollte die Müllflut in der westlichen Zivilisation am Beispiel der Aluminiumdosen verdeutlichen und das öffentliche Bewusstsein für die Umweltproblematik schärfen, der jeder im alltäglichen Leben ausgesetzt ist. In Amerika, dem Herkunftsland der Getränkedosen, ist in der Zwischenzeit ein 5-Cent-Dosenpfand eingeführt worden, was die gedankenlose Wegwerfmentalität ein wenig eindämmen hilft.»

Postkarten Mail Art aus der Serie „Strich-Mann“ zur Vorbereitung der Performance in Geisenheim⇓:

 

Als Vorläufer zum Dosenauftritt moderierte Norbert Koczorski zwei Rheingauer Kunstgespräche. Eröffnet wurde die Reihe mit Klaus Wettstein: «Die schwierige Abtrennung der Köpfe». Es folgte Hans-Leo Rohleder mit einer Video-Performance «Nachdenken über das Nachdenken». 

Wichtige Verknüpfungen im Internet zu Norbert Koczorski⇓:

Wanderausstellung Mail-Art-Projekt

Wenn aus Post Kunst wird

Bilder

Zum vorläufigen Ende zitiere ich Norbert Koczorski (Ausstellungskonzept) aus dem Katalog «Friede den Hütten! Krieg den Palästen», ein Mail-Art-Projekt zum 200. Geburtstag Georg Büchners:

«Ende der Achtziger Jahre sah ich zum ersten Mal eine Mail-Art-Karte von Aloys Ohlmann bei einem Freund im Atelier. Spontan schickte ich darauf hin Aloys meine erste selbst gestaltete Mail-Art-Karte zu. Wie es in der Mail Art üblich ist, werden alle Adressen von Mail Artisten veröffentlicht, die sich an Projekten beteiligen. So fand ich schnell viele Freunde in der weltweiten Gemeinschaft der Mail Artisten. 

WIR arbeiten vielleicht morgen daran weiter, DieRedaktion.

Kunst + Performance

Das Schaffen in Bildern

Seit 1974 hatte Bellmann zahlreiche Einzelausstellungen, Ausstellungsbeteiligungen und Projekte in Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz. Angefangen hat der Künstler mit Walzbildern in Öl auf Leinwand, gearbeitet mit der Farbrolle. Der Walzbilderperiode folgte figürliche Malerei (Öl auf Papier), dann die Abkehr von einer klar und deutlich wiedererkennbaren Mal- und Kunstrichtung.

Neben mehreren Ausstellungen regionaler Art war die Präsentation im Städtischen Museum in Worms (Bild links oben) ein weiteres absolutes Spitzenereignis.

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Plattfahraktion 1996, LTA-Landesmuseum für Technik und Arbeit, heute Technoseum
Plattfahraktion 1996, LTA-Landesmuseum für Technik und Arbeit, heute Technoseum

Dazu zählt die Mannheimer Plattfahraktion in Zusammenarbeit mit dem Landesmuseum für Technik und Arbeit (LTA) – heute Technoseum genannt, die grosse Bilder- und Dosenvorstellung mit der Künstlergruppe DaMaKa im Mannheimer Rathaus und so weiter und so fort. Siehe auch Berichte und Artikel unter Home.

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Ein kurzer Fotoblick ins Atelier:

Im Atelier vor "Staudammbruch", Foto Manfred Rinderspacher, Franz_Bellmann03
Im Atelier vor Staudammbruch, Foto Manfred Rinderspacher
"I help you", 2005, Foto Manfred Rinderspacher, DSC_0109
I help you, 2005, Foto Manfred Rinderspacher
Pressetermin während der Ausstellung, Foto Manfred Rinderspacher, Bellmann1996_01
Pressetermin während der Ausstellung Dosenglück im Mannheimer Rathaus 1996, Foto Manfred Rinderspacher
Titelgeber der W.I.X.-Serie: "Amor mit Bauchladen", 1995, Foto Manfred Rinderspacher, DSC_0090
Titelgeber der W.I.X.-Serie: Amor mit Bauchladen, 1995, Foto Manfred Rinderspacher
"Arche Noah", WVZ 1203, 90 cm x 100 cm, 1996, Foto Manfred Rinderspacher
Arche Noah, aus dem umfangreichen Zyklus Müllbilder, WVZ 1203, 90 cm x 100 cm, 1996, Foto Manfred Rinderspacher
"Claudia im Sessel", Foto Manfred Rinderspacher, WVZ 207
Claudia im Sessel, WVZ 207, Foto Manfred Rinderspacher
"Ludwig", aus dem Zyklus "Franz Bellmanns Ahnengalerie", 2005, Bildformat 31 cm x 33 cm, Öl auf Nessel, gespachtelt
Ludwig, aus dem umfangreichen Zyklus Franz Bellmann’s Ahnengalerie (ca. 30 Werke), 2005, Bildformat 31 cm x 33 cm, Öl auf Nessel, gespachtelt, Foto Manfred Rinderspacher

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Eine Vita in aller Kürze

Franz Bellmann nahm nach dem Studium der Bautechnik beim Hochbauamt der Stadt Karlsruhe seine berufliche Tätigkeit auf. Gleichzeitig beschäftigte er sich in seinem Atelier in Karlsruhe (Schillerstrasse 17, Wandgemälde) mit der Malerei. 1985 gab Bellmann seine berufliche Existenz auf und gründete in Mannheim ein Atelier für experimentelle Malerei und Bildhauerei.

Franz Bellmanns Schaffen der letzten zwanzig Jahre umfasst Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen und Performances, wie z. B. die Performance „Dosenglück“, für die ihm der kommunale Umweltpreis der Stadt Mannheim verliehen wurde.

Seit 1974 hatte Bellmann zahlreiche Einzelausstellungen, Ausstellungsbeteiligungen und Projekte in Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz. Angefangen hat der Künstler mit Walzbildern in Öl auf Leinwand, gearbeitet mit der Farbrolle. Der Walzbilderperiode folgte figürliche Malerei, Öl auf Papier, dann die Abkehr von einer klar und deutlich wieder erkennbaren Mal- und Kunstrichtung.

Gleichzeitig begann Bellmann mit der Performance „Dosenglück“, einer eher politischen Kunst. Die beiden Arbeitsweisen, Atelierarbeit und öffentliche Auftritte, hat der Künstler bis heute beibehalten. Malen war für Franz Bellmann schon immer ein innerstes Bedürfnis, auch wegen seiner Überzeugung, dass die Malerei die Bilder in ihrer Einzigartigkeit liefert, die Flut der Bilder aus Gesellschaft, Politik, Natur, Sport usw., sie wiederholt sich – die Protagonisten sind austauschbar – die Füchse von Franz Marc nicht.

 

Stade

Mannheim⇒Hamburg⇒Stade

Das altehrwürdige Stade trägt viele Titel: Hansestadt, Kreisstadt, selbständige Gemeinde, die Elbe ist nah und das Flüsschen Schwinge mittendrin. Stade könnte meine Lieblingsstadt sein.

Station Hammerbrook
Station Hammerbrook
Nachtschwärmer
Nachtschwärmer

An einem Sonntag, dem Pfingstsonntag 2015, packte ich in Herrgottsfrühe mich und meine Utensilien zusammen und reiste mit den öffentlichen Verkehrsanbindungen in die noch ruhende Stadt. An der Station Hammerbrook in HH nur Leere, bis auf einen Nachtschwärmer, der seinen Rausch ausschlief. Ich schob mein Fahrrad in einen dafür gekennzeichneten Waggon. Von der S-Bahn aus entschwand der Hamburger Hafen. Ich fing an wie wild zu knipsen. Abschiedsaufnahmen. Ich kam mir vor wie auf Heimreise; entlang einer vorbei rauschenden Industrie-, Hafen- und Verkehrslandschaft …

 Eine Stunde Zugfahrt, über Buxtehude. Begrüsst wurde ich von der Kirche St. Wilhadi, wo zurzeit Instandsetzungsarbeiten am Aussenmauerwerk des Kirchenschiffes durchgeführt werden:

St. Wilhadi
St. Wilhadi, Stade
St. Wilhadi
St. Wilhadi

Am Wilhadikirchhof ein weiteres schönes Gemäuer, der Sitz des Amts- und Landgerichts Stade:

Amts- und Landgericht Stade
Amts- und Landgericht Stade

Gegenüber eine Gedenktafel:

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Wir riskieren einen Blick in die noch leere Fussgängerzone:

Im Bild links das Historische Rathaus, welches Mitte des 17. Jahrhunderts abbrannte und ein paar Jahre später als Renaissancebau aus den Ruinen wieder auferstand.
Im Bild links das Historische Rathaus, welches Mitte des 17. Jahrhunderts abbrannte und ein paar Jahre später als Renaissancebau aus den Ruinen wieder auferstand.

Weiter geht die City-Rundfahrt mit dem Rad und auch per Pedes:

Beliebtes Versorgungsziel für Einheimische und Touristen ...
Beliebtes Versorgungsziel für Einheimische und Touristen …

Noch herrscht Ruhe im Örtchen …

An der Schwinge ...
An der Schwinge …
Die Schwinge ...
Die Schwinge …
An der Schwinge ...
An der Schwinge …

So schwunglos die Schwinge meist ist, im Hafen geht es anders zur Sache, was am Stader Reichtum liegt:

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Für ein Abschiedsfoto (Blick zurück zur Kirche St. Cosmae et Damiani) reichte es noch. Im Hafen und dem Drumherum deutete es sich bereits an. Erstes tolles Wetter seit vielen Tagen, dazu Pfingsten, die Menschen strömten zuhauf ins Freie, in die Wirtschaften, in die Natur, auf die Strassen und  Rad- und Fusswege. 

Ich flüchtete Richtung Atomkraftwerk Stade:

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Am Strand der Elbe bot sich ein schönerer (?) Ausblick auf das stillgelegte Kraftwerk:

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An der Elbe lebt die Welt:

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Und auch an den Deichen … Der Schnitter …

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Am Ende meiner Tour landete ich am Elbgrill, da gibt es die herrlichsten Pommes frites Norddeutschlands:

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Cranz winkte zu mir herüber und ich bestieg den Bus nach Altona:

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Ende: © Franz Bellmann, morgen mache ich mit einem anderen Artikel weiter …

Elmshorn

Mannheim⇒Hamburg⇒Elmshorn

Elmshorn versteht sich als modernes Einkaufszentrum, und altwürdige Industrie liegt gleich am Hafen, wo sonst. Gespeist vom Flüsschen Krückau. Ein äusserst idyllisches Gelände mit umtriebigen KFZ-Hin- und Her. Im Hafen liegt ein Einmaster: die Gloria. In der nicht allzu weiten Ferne: eine Klappbrücke. Wo ich Unterstand fand. Während eines kurzen Schauers. Ein(e?) Ruderer müht sich durch den Regen und kommt wenige Minuten darauf zurück⇓:

Von meinem trockenen Unterstand aus aufgenommen, was für ein Zufall ... soll ja vorkommen.
Von meinem trockenen Unterstand aus aufgenommen, was für ein Zufall … soll ja vorkommen.

Na ja, soll vorkommen. Ich bin da. Wo sollte ich sonst sein. In meine Gedanken und Augen schwebt meine Liebe ein. Sie rudert grad vorbei und verschwindet in der unendlichen Ferne der Krückau. Irgendwann wird sie wieder erscheinen, dann ist die Unbill vorbei.

In Bachnähe findet der Neugierige einen Generator mit Dampfkessel und zugehöriger Maschine mit 330 PS, ausgewiesen als Industriedenkmal. Die Errichtung des Denkmals oblag einer privaten Initiative.

Dampfmaschine + Dampfkessel mit Generator: Diese hier als Industriedenkmal aufgestellte Dampfmaschine wurde 1911 von der Maschinenfabrik Ehrhardt & Sehmer  AG, heute ATLASCOPCO Saarbrücken gebaut. Von 1945-1979 erzeugte diese Anlage den gesamten Strombedarf des Säge- und Hobelwerkes Schüder & Kremer in Elmshoorn ... Die Stadt Elmshorn dankt Herrn Ernst Schuldt für seine Initiative zur Erstellung dieses Denkmals.
Dampfmaschine + Dampfkessel mit Generator: Diese hier als Industriedenkmal aufgestellte Dampfmaschine wurde 1911 von der Maschinenfabrik Ehrhardt & Sehmer AG, heute ATLASCOPCO Saarbrücken gebaut. Von 1945-1979 erzeugte diese Anlage den gesamten Strombedarf des Säge- und Hobelwerkes Schüder & Kremer in Elmshoorn … Die Stadt Elmshorn dankt Herrn Ernst Schuldt für seine Initiative zur Erstellung dieses Denkmals.

Historisierende und urlaubende Feingeister gewinnen dem wenig ab, sie reisen als Touristen lieber nach Erbach, Wissembourg oder in die Algarve, da gibt es weniger nutzbringende Einkaufsweisen und Versorgungskonsumenten als in Elmshorn zu bestaunen⇓:

 Oder: Wer fährt zum Einsiedler Hof?

Keiner!

Von Mal zu Mal erscheint mir der Keller

Hamburg – Schloss Reinbek

Mannheim ⇒Hamburg⇒Reinbek

Auf Schloss Reinbek lässt es sich romantisch leben und heiraten. Das klingt sehr nach Kommerz, ist es auch, Hochzeiter nehmen gern Kredite auf oder haben sich das Ersparte abgehoben. Oder besitzen Knete zuhauf. Für Urlauber und Hamburgbesucher eine noble Adresse. Das Schloss, die Umgebung, die Natur, der Reichtum. Wunderschön der Mühlenteich und sein Bachzulauf: die Bille. Was wirklich bemerkenswert ist: kaum ein Tourist besucht das herrliche Areal. Hier ein paar Schloss-Impressionen:

Die Ansiedlungen rund um den Mühlenteich und Schlosspark (englischer Landschaftsgarten) bieten Phantastisches, hier fünf exemplarische Aufnahmen:

Viel Spass bei einem Besuch in Reinbek!

Erbach (Odw.)

Mannheim: Touristische Bilder von Erbach? Heute besser nein! Sie sind ja eh alle bereits geschossen. Nicht, dass es mir in Erbach nicht gefallen hätte, ich befand mich zu Fuss auf der dynamischen Suche nach alternativen Angeboten. Weit weg vom Schloss und doch so nah. Mittendrin im Örtchen. Ich beginne mit einer Hommage an Anna, wer immer das auch sein mag:

Ich mag mich nicht in Lobhudeleien verlieren: Picasso lässt grüssen. Wie schön!

Am Beginn meines Besuchs in Erbach stolperte ich über die Bildhauerin Gisela Koch (Am Schlossgraben). Keine Menschenseele im Atelier. Hab‘ ich’s doch permanent mit Künstlern und Künstlerinnen. Dass sie nicht da ist, verschafft mir Enttäuschung. Das Werk ist das Eine, Einzige. Und der Mensch dahinter? Wer ist Anna, wer Gisela? So muss alles ohne fotografisches Porträt bleiben.

Frau Koch zeigt ausserhalb ihres Ateliers Holzarbeiten, die ich wiedergeben möchte:

Irgendwann wird mehr gehen. Ich versuche einen Kontakt. Das wird etwas dauern. Falls er stattfindet, wird man sehen, sofern man Augen dafür hat! Dann verknüpfe ich damit eine Radtour von Erbach über Beerfelden nach Eberbach! Mein Rechtschreibprogramm kennt nicht einen dieser Ortsnamen.

Zwischendurch mal Motive vor Ort:

Denkmal Franz I. zu Erbach-Erbach (1754-1823)
Denkmal Franz I. zu Erbach-Erbach (1754-1823)

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Das mag noch angehen, viel Aussergewöhnliches hat Erbach nicht zu bieten, wäre da nicht die Historie, an die man sich rechtschaffen klammert. Bietet sie Tourismus und damit Einkommen für die finanzschwachen Regionen. Heute – trotz Sonnenschein – keine Touris auszumachen.

Egal – ich bin Touri und freue mich über die Ruhe im Ort. Im Sommer wollte ich da nicht anlanden, das wär mir zu blöd. Sollen die Touris Eis konsumieren bis zum Geht-nicht-mehr, es lebe die Chemie.

Eine Touristin erwischten wir doch, aus Fernost (besser Fernwest: sprich Trippstadt), wo sie wohnt:

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Ich gehe anderen Dingen nach, z. B. einer Töpferei:

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Einfallsreiche Arbeiten zu erschwinglichen Preisen:

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Da wird sich der Elefanten-Siggi freuen, er besass auch einen verwunschenen Garten einst in Ludwigshafen.

Das Erscheinungsbild von Fenstern, Türen und Schlössern fasziniert mich immer wieder, das zeigt das etwas andere Erbach:

     Letzte Ausfahrt Erbach: 

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Jockrim

MANNHEIM – JOCKRIM: Auf dem Weg zu M. J. Eckrich und seiner Ausstellungspräsentation in Wörth im Alten Rathaus gleich neben dem KARL – JOSEF – STÖFFLER – PLATZ gönnten Vincent und ich uns einen kleinen Zwischenaufenthalt im malerischen Jockrim.

Josef Katus
Josef Katus

Dort trafen wir auf einen weltgewandten Kirchenvertreter, der uns offenen Herzens in seinem Gotteshaus fotografieren liess. Wir bekamen sogar eine kleine Führung mit anschliessender Gesprächsrunde. So ergab sich eine Porträtaufnahme von Josef Katus. Es war eine Stippvisite, weshalb nur erste Eindrücke von Jockrim vermittelt werden können. Was nicht heisst, dass wir dort nicht noch mal auftauchen werden. Quasi als Tagestour mit Urlaubscharakter. Gut essen und so und Wein trinken bis die Bahn kommt. Mit Fahrrad zur beschleunigten Erkundung der Umgebung.

That’s it!

St. Dionysiuskirche
St. Dionysiuskirche

DSC_0369Als extraordinäre Informationen nutzen wir öffentliche Verlautbarungen an den jeweiligen Gebäuden bzw. von deren Besitzern: hier der St. Dionysiuskirche, wovon ein paar Fotos des Inneren der Kirche zusätzlich vorliegen. Das Bild der Tafel (links) ist als historische Kurzmitteilung zu betrachten.

Nicht nur für Kirchgänger!

Für Gespräche und eventuelle Führungen steht Herr Katus gerne zur Verfügung. Hier seine Rufnummer: 07271-5646. Das ist auf jeden Fall die Nummer, die er uns hinterlassen hat.

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Es folgen zum Schluss Aufnahmen aus dem Kirchenraum und Aussenansichten von Jockrim:

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Adios …

Verantwortlich für den Inhalt nach § 55 Abs. 2 RStV:

Franz Bellmann, H7, 24, 68159 Mannheim

Eckrich – The Champion

Erst wollte ich Eckrich – ›Der Meister‹ schreiben, dann erschien mir ›The Champion‹ wesentlich passender, Eckrich ist ein Meister und ein Champion. Vincent und ich besuchten die Ausstellung im Kunstverein Wörth in der Städtischen Galerie. Eine Gemeinschaftsausstellung mit Künstlern aus Kuhardt, Neustadt, Kelkhein, Wiesbaden, Wörth, Karlsruhe und eben Schifferstadt, wo Martin J. Eckrich seiner Arbeit nachgeht. Wir beschränken uns. Wir wollen in das dargebotene Werk von Martin einsteigen und lassen die anderen aussen vor. Es wäre zuviel. Wir sind wegen Martin nach Wörth gefahren. Wegen seiner Präsentation.

Titel der Gesamtschau: »WERK KONTRÄR«.

So dunkel und düster es unterm Dach des Alten Rathauses ist: das Düstere, das Dunkel und das kaum Rezipierbare ist definitiv Bestandteil von Martins Ausstellungskonzept. Morbid, der Welt entrückt, schattenlos im Dämmer. Malereien, Skulpturen, Objekte – in der Gesamtheit eine fast letale Komposition.

Die Schwierigkeiten beginnen mit der Fotografie. Ich musste einen Vertreter des Kunstvereins bitten, vorübergehend das Licht in der Dachkammer einzuschalten. Das war deutlich gegen Martins Konzept gerichtet, ich wusste es nicht besser, wie hätte ich handeln sollen (?), als Alternative: Bildbearbeitung im Nachhinein! Alle folgenden Bilder habe ich einer Überprüfung zugeführt. Hoffnung ist kein schlechter Ratgeber. Zumindest im Detail den Künstler finden. Einige Einzelteile fotografisch darstellen. Für eine vage Vorstellung des Ganzen. Das blieb meine einzige Chance. (Das gezeigte umfangreiche Œuvre bedarf einer Filmkamera!)

Vincent zeigte sich von Martins Präsentation begeistert. Ein Herzkasper. Auch bei mir, zum Schluss, kurz vor unserem Abgang – wir folgten einer Einladung zum Mittagessen ins Atelier von Christine und Ludwig – klopfte es bei mir während eines abschliessenden Gesprächs mit Martin im Innersten. Das bleibt unvergessen.

Martin erläutert seine Vorstellungen mit einem im Raum ausliegenden schriftlichen Statement, ich gebe seinen Text hier der Öffentlichkeit preis:

*

Die Flucht

Refugee welcome?
Refugee welcome?

Wäre ein Haus ein Gehirn, so sei (?) das Unterbewusstsein im Dachgeschoss. Die sich dort befindende Rauminstallation ist als ein grosses Gebet zu sehen. Ein afrikanisches Wohnhaus, das als die Kinderwiege und der Rückzugsort für ein funktionierendes Leben galt, ist zerstört und niedergerissen. Bilder, die ich mit Kindern gemalt habe, liegen dort am Boden. Ein altes Fenster ist geschlossen. Darüber hängt ein Kinderbild aus goldenen Zeiten Afrikas. Darunter steht Jesus (als persönlicher Zugang), durch den das Kind zu einem Erwachsenen heranwächst.

Gott wo bist Di?
Gott wo bist Du?

Er verlässt die Wiege der Menschheit. Doch seine Flucht ist sein Sterben. Das starke Boot – die Arche – ist über den Flüchtenden hoch und unerreichbar zu sehen. Im Zentrum lockt ein heller Turm mit seinem weisen Licht. Durch ein zerbrochenes Fenster ist der Weg nach oben offen. Der Ertrunkene sendet seinen Geist in die Höhe. Es ist der Moment der Verwandlung. Seine mit flüchtenden Menschen sind porträtiert, um Ihnen zu gedenken und Sie zu würdigen. Sie schweben im Raum, indem Sie nicht mehr leben können. Symbolisch für Gebete liegen rote zum Teil verbrannte Kerzenhüllen in den Ecken. Der Raum, den Alle angestrebt hatten, liegt – von Folie abgetrennt – über Ihnen. Hoch wie ein Meeresspiegel. Es bleibt Ihnen das Tageslicht als Wirklichkeit, die Sie im Speicher des Rathauses finden. # M. J. Eckrich 2015

*

Das mitmenschliche Trümmerfeld
Das mitmenschliche Trümmerfeld

 *

PORTRÄTMALEREI

OBJEKTE / SKULPTUREN

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THE END OF THE WORLD?

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*

Ich hoffe, man und vor allem Martin ist mit mir einigermassen zufrieden …

E-Mail von Martin Eckrich vom 20.04.2015:

Lieber Franz, ich bin sehr angetan von deinem Bericht und der Auswahl der Bilder, das dich sicher viel Zeit gekostet hat!

Eine sehr gelungene Darstellung, mit der ich sehr zufrieden bin. Ich freue mich, dass meine Arbeit mit der Installation gut angekommen ist! Vielen Dank dafür!

Grüße Martin

E-Mail von Rolf Dammel vom 24.04.2015:

Hallo Franz – für die tollen Anregungen in der neuesten Ausgabe zum Blog Dir herzlichen Dank! Absolut spitze- überzeugende Arbeit! Weiter so. Beste Grüße aus Speyer R.Dammel

Meine Anfrage an Rolf vom 25.04.2015:

Hallo Rolf, freut mich sehr: Dein Schreiben! Habe mich etwas umgetan im Netz. Und bin z. B. auf Deine pdf gestossen. Und aufs Urlaubstagebuch. Mein Dank an Dich. Hast Du was dagegen, wenn ich Deine E-Mail unter Eckrich – The Champion veröffentliche? Das war mein letzter Artikel zur Ausstellung in Wörth. Martin gefiel er sehr gut. Ateliergrüsse aus Mannheim Franz

E-Mail vom 25.04.2015 von Rolf:

Hallo Franz, ich habe absolut nichts gegen die Veröffentlichung meiner Mail, falls es Dir zunutze kommt. Mit Martin bin ich auch gut bekannt – da gibt es keinerlei Berührungsängste. Weiterhin viel Erfolg! Rolf

 

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