Tönning

Tönning/Mannheim anno 2016

Ich spazierte durch Tönning. Wie verschlug es mich in diese Stadt? In St. Peter-Ording, dem Ort meiner Unterbringung, nur Ording, Bad, Dorf und Böhl, die vier Ortsteile, in denen ich drei Wochen zu leben hatte, die Frage: Was tun an einem freien Tag, dem Neujahrstag? Der glasklare Entschluss: im Bummelzug nach Tönning!

Fototasche gepackt, mich in warme Kleidung gesteckt und zu Fuss zum Bahnhof Bad St. Peter-Ording geeilt. Abfahrt 9:33 Uhr, Gleis 1, es existiert DSC_0609nur ein Gleis. Knappe Zeit, ohne Fahrschein, der Zugführer wollte los und liess mich ohne einsteigen. Ich solle in Tönning nachlösen, er vermutete wohl, ich wolle nach Husum. In Tating, zwei Stationen nach St. Peter, stieg ich aus, verabschiedete mich vom Zugpersonal und begab mich in kleinurbane Einsamkeit. Eine Stunde bis zur nächsten Verbindung nach Tönning. Ab Tating mit Fahrkarte. Ganz regulär und ohne zu schummeln.

DSC_0613Nichts Aufregendes zu entdecken, ich bin hier schier im Niemandsland, in Nordfriesland auf der Halbinsel Eiderstedt! Viel Böllerkram in den Strassen und am winzigen Bahnhof. Die im Städtchen untergebrachten Touristen, die es an Silvester zum offiziellen Feuerwerk nach Bad St. Peter zog, bereiten bereits ihre Abreise vor. Ab nach Hamburg und sonst wo hin.

Mein Zug ist wieder da. Über Garding, Katharinenheerd und Kating nach Tönning.

In Tönning rumspaziert: Eindrücke sammeln, die Stadt erkennen lernen, Öffnung ins Visuelle. Fotoapparat umgehängt in Bereitschaft, meine Augen fast blind vor Appetit. Im Schlosspark eine kurze Ruhepause, einen Apfel zur Stärkung, einen Deich erklommen, weit schweifender Blick zum Hafen:

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Die Wege sind kurz, weil Städtchen klein, Ballung im Zentrum um Marktplatz und Hafengelände. Das Flüsschen Eider nährt den Hafen, in der Nähe führt die Bundesstrasse 5 vorbei, etwas weiter flussabwärts befindet sich das bekannte Sperrwerk:

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Und eine kleine Kanalanlage (siehe Bild oben rechts und unten) mit Durchlass für Schiffe:

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Mein Weg führt durch Strassen, keine Schluchten, keine überdimensionierte Architektur, mittelalterliche Gefühle breiten sich aus, ein Ort ohne kapitalistische Hektik. Nur der Tourismus stört im Sommer die Regel. Hier ein paar zusammengewürfelte Impressionen verschiedener Gebäude/Fassaden:

Bald geht es weiter … Arbeitspause! War zu Tisch. Wichtig schien mir, Kontakte zur einheimischen Bevölkerung zu knüpfen, was sich nicht einfach gestaltete, da die meisten Tönninger ihre Räusche ausschliefen. Wenige der very important persons feierten permanent weiter, sie traf ich im Imbiss am Markt:

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Eine Einladung zur Einnahme von Alkoholika lehnte ich ab. Ich wäre wahrscheinlich nicht mehr rechtzeitig in die Kurklinik zurückgekommen. Für einen Teller Pommes liess ich mich engagieren. Und erfuhr so manches aus der vierköpfigen Schicksalsgemeinschaft.

Mit Nirak zusammen am 09.01.2015 erneut in Tönning. Sie aus Cottbus, ich aus Mannheim. Urlaubsfreuden während einer Kur. Die glückliche und erfolgreiche Suche nach Zusammensein und Gemeinsamkeiten in einer Art Seelenverwandtschaft. Reden, fühlen, Verständnis. Wesensbezogene Gespräche und Einblicke, lange, bereits im Nahverkehrszug, auch schon zuvor. Sonst wäre dieser Ausflug nicht realisierbar geworden. Nun ist er zustande gekommen und wir vergnügten uns nicht nur im Hafen:

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Im Gegensatz zum 01. Januar lag die Eider fast komplett unter einer Eisdecke, das Flüsschen ausserhalb des Ortes zeigte Eisgang:

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Während einer Runde durch die Strassen trafen wir Bekannte und Unbekannte, Leute mit offenen Herzen ohne Scheu vor Kontakten und redseligen Unterhaltungen; auch wenn es lediglich Fragen nach dem richtigen Weg waren.

DSC03741DSC03722Wir wollten zu Fuss nach Kating, vielleicht zehn Kilometer durch unbekanntes Gebiet. Über Klein- und Gross Olversum Spaziergang nach Kleeverblatt, danach Kating und weiter zur ausserhalb des Ortes gelegenen Bedarfshaltestelle der Deutschen Bahn AG. Eine tote Bisamratte am Strassenrand, li., ein tierisches Liebespaar, re., wir fühlten uns wie zwischen Leben und Tod. Zwischen Bedauern und Erstaunen. Uns bleibt nicht mehr viel Zeit wollte die Natur uns sagen, um so mehr wandten wir uns einander zu. Eingehängt bummelten wir über kaum befahrene Landstrassen, auf Feldwegen und Deichdurchlässen. L’union fait la force, aber nicht für immer. Unser war für den Moment die Gegenwart. Eine Augenblicksrealität in der ebenen Flachheit der Eiderstedter Ewigkeit. Ein Hauch von Liebe schwebt über den nichtbewirtschafteten Feldern. Nur die neuzeitlichen Windmühlen drehen sich in der Ferne unablässig im Wind.

Begegnungen zu Zeiten der Wanderschaft:

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Der Gang durchs Land, die Häuser:

Zum Abschluss ein Blick auf die uns umgebende Landschaft:

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ES IST VORBEI.

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