Eisenberg/Pfalz – Die Hütte

Mannheim, 30.03.2015: Heute betreiben wir Spionage. –  Wir sind da total speziell: Wir betreiben Industriespionage! Ziele sind in der Hauptsache Kohlekraftwerke, Atommeiler, Produktionsanlagen der Chemischen Industrie und metallverarbeitende Betriebe. Da fällt uns das Versteckspiel, wie es eines Agenten nicht unangenehm ist, sehr sehr leicht. Das Laub noch nicht gesprossen, nicht mal sind kaum die Knospen zu sehen, da konnten wir herrlich zwischen den Ästen der Bäume hindurch fotografieren. Das zu untersuchende Areal befindet sich etwas ausserhalb von Eisenberg, eine doch vergleichsweise riesige Ansiedlung mit mindestens zwei Hauptakteuren und einigen kleineren und mittleren Werkstätten. Mit der Eisenbahn kommt man locker nach Eisenberg. Ein paar hundert Meter und wir erblicken die zu observierenden Objekte. Unsere Objektschutz-Abteilung ›Zu Observierende Objekte‹ (kurz: ZOO) machte uns sich untertan und wir wurden auf unseren Tip hin in die hinterste Pfalz zur Arbeit geschickt. Wenn sowas uns was ausmachen würde, wir wären sofort zum Arzt gerannt oder hätten es garnicht vorgeschlagen. Mit der Bimmelbahn stehen wir ja fast schon drin; mitten in der Arbeit. Mit welchem Apparat behilft sich der Spion? Dem Fernglas! Na so was: das besitzt ja selbst der Fotograf. Also ans Agentenwerk.


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Da sind Grosskonzerne bei der Arbeit. Alle Gerätschaften funktionieren wie von selbst. Keine Menschenseele blickt herauf. Ab und zu klimpert ein Metallteil. Die Förderbänder werfen einen Kegel auf, der schon hoch gewachsen ist. Metall aus dem Zerfetzer? Gusseisenteile? Die Entfernung ist zu gross. Wir müssen bei der nächsten Observierung unbedingt ein stärkeres Teleobjektiv dabei haben, damit wir in die Büros sehen können. Vielleicht sind Roboter am Werk. Ferngesteuert aus dem Off. Da müsste es doch wieder aufwärts gehen mit der Eisenberger Hütte.

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Das wird wohl schwerer werden als gedacht. Manche Gebäude bezeugen schlechte Zustände. Wir glauben, diese kapitalistischen Grossritter hier planen den baldigen Ausritt, wenn sie nicht schon längst über alle Siebenberge geflohen sind. Und häufen ihre Schätze bei den Zwergen. Deshalb geradewegs unser Vorschlag: So schnell wie möglich ins Innere vordringen, am besten noch heute Nacht. Um Mitternacht. Wir bitten beim ZOO um Freigabe gegen einen Tag Sonderurlaub. Der Tag Sonderurlaub wird sofort in notwendige Erholung und Ruhe umgesetzt.


Bevor es dämmert wollen wir noch knipsen, der Komplex ist von aussen so wunderschön anzusehen. Ein Baum neigt ganz lässig sich zur Seite, das kommt vom Wind heute.

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An manchen Stellen wird es richtig bunt.

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Unten am Bahngelände ist im Zaun ein Loch zur Fabrik. Aber Schneid- und Trennwerkzeug – und noch unglaublich viel mehr – führen wir immer mit uns. Wir wollen ja in die Amtsstuben.

Hier noch ein Dokumentationsfoto vom Ort der Öffnung, wir melden uns heute um Mitternacht:

Da verdammt muss es sein ...
Da verdammt muss es sein …

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Verantwortlich für den Inhalt nach § 55 Abs. 2 RStV: Franz Bellmann, H7, 24, 68159 Mannheim

Am 27.04.2017 wurde der Bericht überarbeitet!

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