Reisen ins Umland: HIRSCHHORN / NECKAR

DSC05714Was wir versprechen, das halten wir: Unser letzter Hirschhorner Aufenthalt war für die Burg und den Ort zu kurz und zu spät. Quasi eine Stippvisite. Und Eberbach hatte Priorität (XX1 Mini). Am 07.03.2014 brachen wir erneut auf ins Neckartal. Zum einen: wegen der Burg. Zum andren: wegen der Wanderung mit dem Rad entlang des Neckars Richtung Heidelberg. Wohlgemerkt in Richtung. So schnell, so weit, so gut. Radeln und fotografieren braucht Zeit. Wir rasen nicht, wir versuchen zu schauen, zu sehen, zu entdecken. Das ist bei einer solchen Entdeckungsreise unser Ein und Alles: Weile, keine Eile! Meist reisen wir radschiebender Weise auf Schusters Rappen. Diese Kombination – also spazieren gehen + radeln – ist die ideale Arbeitsmethode der Ferne (dem Umland) ein ansprechendes Bild abzugewinnen. Es soll ja ein Bericht entstehen. Da macht man sich bereits beim Wandern und beim Knipsen Gedanken. Aber irgendwie sticht meistens irgendwas ins Auge, ein magischer Moment? Ein fulminanter Blick? Ein zufälliges Ereignis, eine Einmaligkeit? Eine Überraschung im Jetzt?

DSC05731Je nun: die Burg. Mit dem Radl hinauf. Anstrengend. Erster Gang. Oben wartet Kaiserwetter; im Wald ist es kühl und schattig. Hinten um den Ort herum. Schmale Auffahrt, wenig Verkehr. Es ist noch zu früh im Jahr für Tourismus. Nicht zu übersehen: im Eingangsbereich ein Pferch, eine Behausung, keine Ziegen. DSC05713 - Arbeitskopie 2

Die Kaiserkrone mutiert zum billigen Blumentopf. Ramsch. Im Hintergrund ein Hügel des Odenwalds. Auf der Burg nichts los. Eine Dame mit Dackel. Hunde in Begleitung von Damen oder Dämchen ist ja heutzutage modern. Sie lassen sich wenigstens an der Leine führen. Für viele sind Hunde ein Ärgernis, dafür sind die Hundebesitzer verantwortlich: Sie verhalten sich frech und ungebührlich. Und vermiesen die Umwelt. Wir blicken tief zu Tal auf Hirschhorn, den Neckar und das Hirschhorner Kraftwerk und seine Schleuse:

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Komisch: die mittelalterliche Anlage verliert peu à peu an Faszination, die der Blick von unten aufgebaut hat. Gärtner sind beim Mähen des Rasens, Krach, wo Ruhe erwartet wird. Eine Restaurantbeschäftigte (?), eine Standesbeamtin (?) verlässt mit dem Auto die Burg. Doppelter Motorenlärm. Kein Hochzeitspaar in Sicht. Keine Gäste in Sicht. Das Restaurant ist geöffnet. Macht einen äusserst hervorragenden Eindruck. Auf der Terrasse wird nicht bewirtet. Es scheint die Sonne.

Oben auf der Burg, links oben im Dunst der Neckar
Auf der Burg, links oben im Bild im Dunst der Neckar…

 

Das Begehen der oberen Teile der Burganlage ist lebensgefährlich. Wir haben deswegen die Hirschhorner Verwaltung per E-Mail kontaktiert. Es ist Wochenende. In zwei, drei Tagen wird wohl eine detailliertere Antwort eingehen, bislang haben wir lediglich eine Eingangsbestätigung unseres Schreibens vom 08.03.2014, 09:45 Uhr;

Kontaktformular Stadt Hirschhorn (powermail): »Sehr geehrter Herr/Frau Franz Bellmann, vielen Dank für Ihre Nachricht an die Stadt Hirschhorn. Wir werden Sie zeitnah beantworten und uns bei Ihnen melden. Ihre Stadt Hirschhorn.« (Anmerkung: Sie gehört sie geschrieben!) Im Laufe der KW 11 zwei Telefonate ohne jeweilige Antwort, versuche es heute (14.03.2014) kurz nach Artikelveröffentlichung gegen 09:30 Uhr erneut. TOP: Habe es um 09:23 Uhr unter 06272 920 9242 eine Minute lang läuten lassen: Niemand hebt ab. Nicht mal ein elektronischer Sekretär!!! Siehe Schriftverkehr am Ende des Artikels!!!

Komplett durchgerostet
Komplett durchgerostet

Wir hätten ja gern den Fotobeleg mitgeschickt, aber die elektronischen Kontakte nehmen Fotos nicht an. Weshalb wir die Aufnahme hier veröffentlichen; das ist schon gewaltig, jegliche Materialverbindung ist vom Rost zerstört. Und das gesamte Geländer hinterlässt keinen vertrauenserweckenden Eindruck. Rostflecken überall. Uns zittern die Knie. Da hilft streichen nicht; und ausbessern nicht; ein neues Geländer muss her. Oder der Zugang zum Turm müsste wohl aus Sicherheitsgründen gesperrt werden. Rost ist immer das Ergebnis von Vernachlässigung. Kümmern ist jetzt angesagt. Auch wenn’s Geld kostet. Sobald wir Nachricht von der Stadtverwaltung haben, werden wir diese hier veröffentlichen!*** Vielleicht hilft eine größere Spende, in Hirschhorn soll es ja reichlich wohlhabende und spendable Bürger geben. Da kann man nur sagen: brecht auf zur Burg!!!

Uns jedenfalls kommt das alles so vor wie die nachträgliche Ausbeutung des Mittelalters. Fehlen lediglich die Ritterspiele mit winkenden Burgfräuleins, die ihre galanten Bewerber und Kämpfer anspornen. Und nachts in den geharnischten Betten der Gastronomie und Hotellerie landen.

Rundblicke:

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Das soll’s mal gewesen sein mit Burg und so. Im Abgang eine Gedenktafel: »Ludwig Wedekind / Lieutenant bei der Hanauer Turner Wehr 1ten Comp. / geb. in Nauheim den 27. Novbr. 1821 / gefallen auf Schloß Hirschhorn / den 14. Juni 1849«…

Weitere Sehenswürdigkeiten siehe Internet, z. B.: Hirschhorn / Perle des Neckars / Historischer Stadtrundweg; es gibt noch ein paar Fotos:

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Wir verschwinden und lassen Burg Burg sein. War nett empfehlenswert. Der Radwanderweg wartet auf der anderen Seite des Flusses. Es beginnt ein beschwerlicher Abstieg; wir verzichten auf eine rasende Abfahrt über die Strasse des Tourismus; durch ein Stück Odenwald. Am Ende freuen wir uns über unseren Mut, einige Impressionen belegen den Wert des Aufwands:

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Wir überqueren das Kraftwerk Hirschhorn und radeln los. Und müssen umgehend wieder anhalten. Auf der anderen Seite des lärmenden Neckars: fällt der Blick aufs mittelalterliche Städtchen:

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Jetzt beginnt die zuvor beschriebene methodische Arbeit: Fahrrad anschieben, aufsteigen, einige Meter oder ein paar mehr radeln, bremsen, den bequemen Sitz im Sattel aufgeben: Fotos machen. Die Neckarperle entschwindet dem Blickfeld; andere Motive stellen sich dem Fotographen:

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So gelangen wir Radumdrehung für Radumdrehung zum Fährhaus Neckarhäuserhof (gegenüber Neckarhausen). Fährhaus und Wagenfähre sind Kulturdenkmale:

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Hier pausieren wir, schälen den mitgebrachten Apfel und verzehren ihn samt eben erworbenen Roggenbrötchen. Das schmeckt, noch einen Schluck Wasser obendrauf: und wir geniessen die noch schwächliche Sonne. Da wird es heute keinen Sonnenbrand geben; radeln wir doch oft im Schatten. Und der Imker inspiziert seine Bienenkästen:

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UND  DA  DIE  SENSATION: Die »African Queen« liegt am anderen Ufer vor Anker!!! Humphrey and Kate are looking down from the Himmel, glad to see me, the photographer:

African Queen
…African Queen…

 

So was trifft sich nicht alle Tage. Den Film würde ich gerne wiedersehen! Schon grandios. Am Fluss geht es alltäglicher und schnöder weiter – Industrieanlagen, Wehr, Schleuse, Kraftwerk↓:

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Noch eine Überraschung; Schwemmholz – Fundstücke für Prof. Mo Edoga, eines seiner Werke befindet sich hinter dem Gebäude des Mannheimer Kunstvereins auf dem Carl-Reiß-Platz↓:

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Und unglaublich: Am Wegesrand eine tote Blaukopfanakonda, fast wie die, die wir im Bonadieshafen in Mannheim entdeckt haben, nur tot eben↓:

Blaukopfanakonda mit riesigem Ausbreitungsgebiet...
Blaukopfanakonda mit mittlerweile riesigem Ausbreitungsgebiet…

 

Das beruhigt nicht unbedingt, wenn das so weitergeht, droht echte Gefahr für Mensch und Tier. Wir wollen den Teufel nicht an die Wand malen – das wäre eine diffizile maltechnische Herausforderung – und lassen uns besser vom Mittelalter einfangen, da gab es in Europa gewiss keine Anakondas, vor allem nicht die mit dem Himmelblau↓:

Da tun sich die nächsten Artikel auf: Dilsberg / Neckarsteinach / Burgen / Gastronomie usw. und so fort…irgendwann demnächst auf diesem Blog…

***Nach erneutem Telefonat am 28.03.2014 mit Herrn Schweitzer kam folgende Nachricht per E-Mail:

Betr.: Verrostetes Geländer Aussichtsplattform 

An: Rolf.Sauer@hi.hessen.de / Kopie: franz.bellmann@mac.com

Guten Morgen Herr Sauer, wir haben eine Nachricht von Herrn Bellmann aus Mannheim bekommen, dass das Geländer am Turm/Aussichtsplattform durchgerostet ist. Siehe hier den Blog des Herrn Bellmann und seine Fotos: http://franzbellmann.de/?p=12265. Wir bitten Sie zu klären, wie weiter hier zu verfahren ist. Freundliche Grüße Andreas Schweitzer, Geschäftsführer, Schloss Hirschhorn GmbH&Co.KG, Hotel & Restaurant, Schloßstrasse 39-45, 69434 Hirschhorn, Tel.: +49/6272/92090, FAX: +49/6272/920920, www.schlosshotel-hirschhorn.deinfo@schlosshotel-hirschhorn.de

Eingang per E-Mail (10.04.2014):

Sehr geehrter Herr Bellmann, bzgl. der Schadensmeldung von Ihnen am Geländer der Aussichtsplattform möchte ich Ihnen nur kurz mitteilen, dass das Land Hessen hier nun tätig wird und entsprechende Maßnahmen eingeleitet hat. Ich soll Ihnen dafür großen Dank des Landes für den Hinweis aussprechen und dass sich das Land der Sache annimmt. Auch wir bedanken uns für Ihr Engagement und verbleiben mit vielen freundlichen Grüßen, Andreas Schweitzer, Geschäftsführer, Schloss Hirschhorn GmbH&Co.KG, Hotel & Restaurant, Schloßstrasse 39-45, 69434 Hirschhorn, Tel.: +49/6272/92090, FAX: +49/6272/920920, www.schlosshotel-hirschhorn.deinfo@schlosshotel-hirschhorn.de

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