Rückblick: Todesfuge im Keller

Hans-Ulrich Fechler berichtet in DIE RHEINPFALZ vom Donnerstag, 18. Juni 2009:

Wenn am Freitag das Kunstprojekt in den Abrisshäusern Ostpreussenstrasse
24 bis 28…eröffnet wird, dann werden einige von dem Künstler Franz Bellmann
gestaltete Kellerräume verschlossen bleiben. Der…Künstler hat Paul Celans Gedicht ”Todesfuge” in eine Installation umgesetzt… Was Bellmann für Zensur hält, ist aus Sicht der Organisatorinnen Widerstand gegen dessen Anmaßungen.

Schwarze Milch der Frühe”Schwarze Milch der Frühe” hebt Paul Celans Gedicht ”Todesfuge” an und
klingt aus in den bis zum Überdruss nachgesprochenen Vers
”Der Tod ist ein Meister aus Deutschland”. Das Jahrhundertgedicht über die
Menschheitskatastrophe im 20. Jahrhundert, den Völkermord an den Juden in
den Gaskammern der Vernichtungslager, gibt in der Ostpreussenstrasse Anlass
zu kleinlichem Tratsch im Treppenhaus. Franz Bellmann hat das Gedicht vom
ersten bis zum letzten Vers an die Kellerwand in der Ostpreussenstrasse 26
geschrieben. Die wie die Todeshäftlinge durchnummerierten Kellerräume hat er
mit gefundenem Material aus den dem Abbruch geweihten Häusern bestückt…

In Raum 14358 steht ein Bottich auf dem Boden und ”Zyklon B” an der Wand. Ein alter Ofen macht einen anderen Raum zum Krematorium, ein Seziertisch einen weiteren zum Raum medizinischer Menschenversuche. Es gibt eine Haftzelle für Männer, eine für Frauen, einen Verhörraum mit der Aufschrift ”Zutritt nur für Folterer” und einen sogenannten ”Raum des Abschaums”, wo sich die Folterer aufhalten. Hier ist Farbe ausgebreitet und ein Kanalisationsdeckel geöffnet. Und schließlich gibt es auch noch einen ”Raum des Gedenkens”…(Der zur Aufklärung der damaligen Gegebenheiten beitragende Artikel liegt unserem Archiv vor und kann dort eingesehen werden, DieRedaktion.)

„Wenn Häuser weinen“ in DIE RHEINPFALZ vom 10.06.2009 von Hans-Ulrich Fechler: Vor dem Abriss eines Ludwigshafener Siedlungsblocks haben 26 Künstler die Wohnungen in Kunstobjekte verwandelt.

Das hat es in Ludwigshafen noch nie gegeben. Künstler beziehen einen Häuserblock kurz vor seinem Abriss und verwandeln Wohnungen und Fassaden in Kunstobjekte…bevor dann Anfang Juli die Abrissbirne zuschlägt.

„Das weinende Haus“ (Originaltitel von Franz Bellmann, DieRedaktion) steht an der Ostpreussenstrasse 26…Im Treppenhaus setzt Klaus Hopf die Aufschrift bildlich um. Aus abgeschlagenem Putz rinnen Farbspritzer wie Blut aus einer Wunde oder wie Tränen,…Dass es in dem Haus nicht mit rechten Dingen zugeht, macht schon Franz Bellmanns Fassadenkunst deutlich… (Der gesamte, sehr informative Artikel liegt vor und kann bei uns eingesehen werden, DieRedaktion.)